Nach dem Willen von US-Präsident Trump soll sich Venezuelas gefangen genommener Machthaber Nicolás Maduro bald vor der US-Justiz verantworten. Die Vorbereitungen für einen solchen Prozess laufen tatsächlich schon seit Jahren: Bereits seit 2020 liegt eine Anklage beim zuständigen New Yorker Gericht gegen Maduro vor. Laut mehreren übereinstimmenden Berichten von US-Medien soll zudem bereits klar sein, wer als Richter in dem Prozess vorgesehen ist. Dabei handelt es sich um den Bundesrichter Alvin Hellerstein, einen 92 Jahre alten Juristen.
Maduro wurde nach einer US-Militäraktion in Caracas festgenommen und danach von den USA nach New York überstellt. Die US-Behörden werfen ihm insbesondere eine führende Rolle beim Drogenhandel vor. US-Justizministerin Pam Bondi kündigte an, Maduro und seine Frau Cilia Flores würden »bald den ganzen Zorn der amerikanischen Justiz« zu spüren bekommen. Die US-Regierung wirft Maduro seit Langem vor, Anführer einer Organisation für den Drogenschmuggel zu sein. Die Rede ist dabei vom »Cartel de los Soles«.
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Ursprünglich war damit eine ironische Bezeichnung von Maduros leitenden Militärs gemeint, die Abzeichen mit Sonnen auf ihren Schulterklappen tragen. Manche Experten bezweifeln allerdings, dass es ein solches Kartell überhaupt gibt (lesen Sie hier mehr). Laut der »New York Times« wurde die Anklage gegen Maduro während Donald Trumps erster Amtszeit von einem seiner Vertrauten, Emil Bove, vorbereitet. Während Joe Bidens Präsidentschaft arbeitete Bove als Anwalt, unter anderem vertrat er in dieser Zeit Donald Trump. Nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus wurde Bove zum Bundesrichter ernannt.
Hellerstein hat schon gegen Trump geurteilt
Richter Hellerstein gilt als angesehener Jurist. Er wurde bereits 1998 als Bundesrichter in New York ernannt, vom damaligen US-Präsidenten Bill Clinton, einem Demokraten. In der Vergangenheit landeten immer wieder auch politisch brisante Verfahren auf seinem Tisch. Er war mit millionenschweren Ausgleichszahlungen nach den Anschlägen des 11. September 2001 befasst. 2025 stellte er sich gegen die Argumentation der Trump-Regierung, die Abschiebungen mit dem Alien Enemies Act begründete, einem umstrittenen Gesetz aus dem Jahr 1798. Hellerstein wertete dessen Anwendung für verfassungswidrig, das Gesetz sei für Kriege oder Invasionen gedacht, nicht aber für die Fälle von Flüchtlingen oder Bandenkriminalität.
Auch mit Donald Trump haben sich Hellersteins Wege bereits gekreuzt. Hellerstein wies so vor einigen Jahren im sogenannten »Schweigegeld«-Prozess Trumps Versuche ab, den Fall von New York an ein Bundesgericht zu überstellen. Bei den Zahlungen an den Pornostar Stormy Daniels handele es sich um eine »rein persönliche Angelegenheit des Präsidenten – um die Vertuschung eines peinlichen Vorfalls«, schrieb Hellerstein. Der Vorgang stehe »in keinem Zusammenhang mit den Amtshandlungen des Präsidenten. Sie spiegeln in keiner Weise die offiziellen Aufgaben des Präsidenten wider.«
