Drei Wochen war er in Haft, seit zwei Wochen ist er wieder draußen: Und schon kündigt Nicolas Sarkozy, 70, französischer Ex-Präsident, das Erscheinen eines Buches über seine Erfahrungen im Gefängnis an. Am 10. Dezember soll sein Werk mit dem Titel »Tagebuch eines Häftlings« erscheinen, kündigte der Fayard-Verlag des rechtskonservativen Geschäftsmanns Vincent Bolloré an. Das Buch habe 216 Seiten und werde 20,90 Euro kosten.
»Im Gefängnis wird das Innenleben gestärkt, ähnlich wie in der Wüste«, erklärte Sarkozy dazu auf X. »Im Gefängnis gibt es nichts zu sehen und nichts zu tun«, schreibt er – und hat seine Langeweile offensichtlich durch das Schreiben bekämpft. Er habe im Pariser Santé-Gefängnis vor allem die Stille vermisst. »Es gibt dort leider ständig Lärm.«
« En prison, il n’y a rien à voir, et rien à faire. J’oublie le silence qui n’existe pas à la Santé où il y a beaucoup à entendre. Le bruit y est hélas constant. Mais à l’image du désert la vie intérieure se fortifie en prison. » Nicolas Sarkozy, Le journal d’un prisonnier.… pic.twitter.com/7RJ8fF8qFZ
— Nicolas Sarkozy (@NicolasSarkozy) November 21, 2025
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Das alles klingt nicht unbedingt danach, als bekämen die Klassiker der Gefangenenliteratur, von Dostojewski über Luise Rinser bis Solschenizyn, zwingend Konkurrenz. Immerhin war Sarkozy auf die Schreibklausur vorbereitet: Sein Anwalt hatte ihm vor dem Gefängnisaufenthalt nach eigener Aussage geraten, warme Kleidung und Ohrenstöpsel mitzunehmen, weil es dort häufig kalt und laut sei. Und auch die literarischen Ergüsse waren, so geschäftstüchtig ist der Ex-Präsident, bereits Teil der Planung: Schon vor Haftantritt hatte Sarkozy angekündigt, während seiner Haft ein Buch zu schreiben.
Illegale Finanzierung
Nicolas Sarkozy war Ende September in der Affäre um illegale Wahlkampffinanzierung aus Libyen wegen Gründung einer kriminellen Vereinigung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass enge Mitarbeiter für Sarkozy mit der libyschen Staatsführung verhandelten, um Geld für seinen Präsidentschaftswahlkampf 2007 zu erhalten. Wegen der Schwere der Tat hatten die Richter eine sofortige Vollstreckung des Urteils angeordnet.
Seine Inhaftierung am 21. Oktober hatte landesweit und international für Aufsehen gesorgt. Sarkozy verbrachte 20 Tage in einer neun Quadratmeter großen Zelle, ohne Kontakt zu Mithäftlingen. Wegen seiner besonderen Stellung wurde er rund um die Uhr von zwei zusätzlichen Sicherheitskräften bewacht. Das Pariser Berufungsgericht gab dann einem Antrag auf vorzeitige Haftentlassung statt – verbot Sarkozy aber, Justizminister Gérald Darmanin zu kontaktieren und das Land zu verlassen. Das Berufungsverfahren soll im März stattfinden. Bis dahin gilt für ihn erneut die Unschuldsvermutung.
In einer anderen Affäre, in der es um die Abrechnung von Sarkozys Wahlkampf 2012 geht, steht am 26. November das Urteil des höchsten Berufungsgerichts an. Dieses könnte eine weitere einjährige Freiheitsstrafe, davon sechs Monate in Form einer elektronischen Fußfessel, rechtskräftig machen.
Sarkozy hatte die Haft bei der Anhörung zur vorzeitigen Entlassung als »sehr hart und anstrengend« und als »Albtraum« bezeichnet. Der Ex-Präsident ist in zahlreiche Justizaffären verstrickt und wurde bereits 2024 wegen Richterbestechung rechtskräftig zu einer Haftstrafe verurteilt. Deswegen musste er bereits mehrere Monate eine elektronische Fußfessel tragen, die er allerdings vorzeitig ablegen durfte – aus Altersgründen.
