Er war einer der größten seines Fachs: Das italienische Tennis trauert um Nicola Pietrangeli. Der erste Grand-Slam-Sieger des Landes ist im Alter von 92 Jahren in Rom gestorben, wie der italienische Verband auf seiner Website mitteilt.
Jahrzehnte bevor Jannik Sinner und das italienische Davis-Cup-Team von Triumph zu Triumph eilten, hatte der in Tunis geborene Pietrangeli das italienische Tennis international bekannt gemacht. Sein Titel bei den French Open 1959 als erster Spieler seines Landes war historisch, 1960 wiederholte er seinen Triumph – mit blutenden Füßen: In den ersten drei Sätzen des Finales gegen den Chilenen Luis Ayala quälte dieser Pietrangeli mit Stoppbällen und Lobs, sodass der Italiener gezwungen war, so lange vor- und zurückzusprinten, bis ihm die Haut von den Füßen blätterte.
Während einer Spielpause zog Pietrangeli in der Umkleidekabine seine Schuhe aus. Seine Socken waren blutrot. Sein Preisgeld für die Quälerei: 150 Dollar, erinnerte er sich später. In Wimbledon schaffte er es im selben Jahr übrigens immerhin bis ins Halbfinale.
78 Einzelsiege, Teil der Hall of Fame
1976 führte Pietrangeli Italien als Teamchef zum Davis-Cup-Sieg. Als Spieler war ihm dieser Titel nie vergönnt gewesen, dabei hält Pietrangeli einige Bestmarken: Mit 164 hat er weltweit die meisten Partien im Nationenwettbewerb absolviert – auch seine 78 Einzelsiege sind Rekord.
Nicola Pietrangeli: Legendäre Rückhand
Foto: STF / AFP1986 wurde er in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen – als erster Italiener überhaupt. »Pietrangeli verfügte über klassische Schläge, einen konventionellen Spielplan und eine Energieökonomie, die ihn zu einem herausragenden Sandplatzspieler machten«, hieß es zur Begründung.
»Vater unserer Tennisbewegung«
Pietrangeli war aber mehr als seine Erfolge, er war auch ein kulturelles Phänomen: Er rückte Tennis ins nationale Bewusstsein, zu einer Zeit, als es noch als Sport für die Elite galt. Mit seinem filmreifen Aussehen, seinem weltgewandten Charme und einer unvergleichlichen Rückhand machte er das Spiel so elegant, wie sein Leben überschwänglich war. Der italienische Tennisverband nannte ihn den »Vater unserer Tennisbewegung«.
Trotz seines außergewöhnlichen Talents gab er offen zu, dass er nie ein Freund von rigorosem Training war: »Ich höre oft Leute sagen: ›Wenn du mehr trainiert hättest, hättest du mehr gewonnen.‹ Das stimmt, aber ich hätte viel weniger Spaß gehabt«, sagte er 2024 bei der Präsentation des Dokumentarfilms »Nicola vs. Pietrangeli«, wie die Zeitung »Corriere della Sera« berichtete. In einem Interview ergänzte er zudem, er habe »nie für’s Geld gespielt. Ich habe gespielt, weil ich es liebte. Und weil ich dabei verdammt gut aussah.«
Bis zuletzt trat Pietrangeli als starke Stimme im italienischen Tennis auf. Im Oktober hatte er noch den Weltranglistenzweiten Sinner für seine Absage für den diesjährigen Davis Cup, den das Team trotzdem gewinnen sollte, heftig kritisiert und von einem »schweren Schlag« für den italienischen Sport gesprochen.
Pietrangelis Todesursache ist noch unbekannt. Sein Gesundheitszustand hatte sich nach einem Hüftbruch im Dezember 2024 verschlechtert. Im Sommer hatte er seinen Sohn Giorgio verloren; der einstige Spitzensurfer starb im Alter von 59 Jahren.
Lesen Sie hier, wie Pietrangeli 1960 seinen Rücktritt verkündete – und wenige Tage später revidierte.
