SpOn 19.11.2025
10:44 Uhr

Nexperia: Niederlande wollen Kontrolle über Chiphersteller wieder abgeben


Im September hat die niederländische Regierung den Chipkonzern Nexperia an sich gerissen, nun soll der chinesische Eigner wieder eingesetzt werden. Das Drama hatte zu Produktionsengpässen in der Autoindustrie geführt.

Nexperia: Niederlande wollen Kontrolle über Chiphersteller wieder abgeben

Im Streit über den für die Autoindustrie wichtigen Chiphersteller Nexperia gehen die Niederlande auf den chinesischen Eigner Wingtech zu. Die niederländische Regierung will die Ende September an sich gerissene Kontrolle über das Unternehmen wieder abgeben, wie sie gegenüber dem Parlament in Den Haag erklärte .

Das sei ein Zeichen des guten Willens gegenüber China, erklärte Wirtschaftsminister Vincent Karremans. Seine Regierung begrüße die Maßnahmen Chinas, die Versorgung mit Halbleitern sicherzustellen.

Die Niederlande hatten am 30. September den chinesischen Nexperia-Chef abgesetzt und die Firma in Obhut genommen. Den Haag hatte die Aufsicht mit Verweis auf niederländische und europäische Sicherheitsinteressen übernommen. Begründet wurde das später damit, dass der chinesische Eigner Wingtech offenbar dabei war, Technologie und Produktionsanlagen nach China zu transferieren.

Plante Nexperia den Abzug nach China?

Demnach plante der frühere Nexperia-Chef Zhang Xuezheng, 40 Prozent der Belegschaft in Europa zu entlassen und eine Forschungs- und Entwicklungseinrichtung in München zu schließen. Als Nächstes sei die Verlagerung von Anlagen aus dem Hamburger Produktionswerk geplant gewesen.

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Die Regierung in Peking stoppte daraufhin Exporte von Produkten mit Nexperia-Chips aus China. Das versetzte der Lieferkette in der Autoindustrie und anderen Branchen einen Schock, weil Nexperia mit seinen Basischips einen großen Marktanteil hat. Bei Autozulieferern stockte zeitweise die Fertigung elektronischer Bauteile. Zuletzt waren die Lieferungen langsam wieder angelaufen, Probleme bestanden aber weiter.

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Hintergrund ist der Handelsstreit zwischen den USA und China. Wingtech steht in den USA wegen angeblicher Gefahren für die nationale Sicherheit auf einer schwarzen Liste. US-Unternehmen dürfen keine Waren, Software oder Technologie an Wingtech exportieren oder übertragen, es sei denn, die US-Regierung hat das zuvor genehmigt.

Gerichtsdokumenten zufolge drängte die US-Regierung die Niederlande zu dem Schritt, die Kontrolle über Nexperia zu übernehmen. Auch ein interner Machtkampf dürfte eine Rolle gespielt haben: So war das Misstrauen europäischer Topmanager gegenüber dem chinesischen Eigentümer in den vergangenen Jahren gestiegen. Sie hatten bereits 2023 das Wirtschaftsministerium in Den Haag kontaktiert und gebeten, Nexperia offiziell als niederländisches Unternehmen anzuerkennen.

kko/Reuters