SpOn 11.02.2026
14:28 Uhr

Nexperia: Gericht ordnet Ermittlungen zu Misswirtschafts-Vorwürfen an


Um den niederländischen Chiphersteller Nexperia tobt ein Kampf zwischen dem chinesischen Mutterkonzern und dem europäischen Management. Ein Gericht hat nun eine Untersuchung angeordnet. Diese könnte sich hinziehen.

Nexperia: Gericht ordnet Ermittlungen zu Misswirtschafts-Vorwürfen an

Im Streit zwischen den Niederlanden und China über den Chiphersteller Nexperia ist keine schnelle Lösung in Sicht. Das Wirtschaftsgericht in Amsterdam hat Ermittlungen zu Vorwürfen der Misswirtschaft angeordnet.

Nexperia mit Sitz im niederländischen Nijmegen gehört zum chinesischen Konzern Wingtech, Unternehmenschef Zhang Xuezheng war im Oktober suspendiert worden. Das Amsterdamer Gericht erklärte am Mittwoch, es gebe »berechtigte Gründe, an der Vertrauenswürdigkeit und Unternehmensführung von Nexperia zu zweifeln«.

Die vom Gericht angeordnete Untersuchung kann mehrere Monate dauern. Die Suspendierung der chinesischen Führung wurde bekräftigt. Die im Oktober verhängten Kontrollmaßnahmen gegen das Unternehmen blieben bestehen, entschieden die Richter in Amsterdam. Die Regierung in Peking hatte die Aufhebung der Maßnahmen gefordert.

Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass das Unternehmen Stabilität brauche. Damit bleibt die Kontrolle über das Unternehmen in den Händen eines europäischen Managementteams.

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Nexperia ist ein wichtiger Großlieferant von einfachen Halbleitern, die etwa in elektronischen Steuergeräten von Fahrzeugelektroniksystemen zum Einsatz kommen. Die Niederlande hatten das Unternehmen im September unter Verweis auf Sicherheitsbedenken unter staatliche Kontrolle gestellt – und damit bei der chinesischen Regierung Empörung  ausgelöst.

China belegte Nexperia-Produkte mit einem Exportverbot, was zu einem gravierenden Chipmangel vor allem bei Autozulieferern und -herstellern in Europa führte. Nexperia-Halbleiter werden zwar in Europa produziert, zur Weiterverarbeitung jedoch häufig nach China verschickt, bevor sie dann zu den europäischen Kunden zurückexportiert werden.

Chinesischer Eigentümer weist Vorwürfe zurück

Seit Mitte Januar prüfte die auf Unternehmensverfahren spezialisierte Kammer des Amsterdamer Gerichts die Einleitung von Ermittlungen. Insbesondere die europäischen Führungskräfte von Nexperia hatten eine gründliche Untersuchung und die dauerhafte Suspendierung Zhangs gefordert.

Das niederländische Wirtschaftsministerium hat nach eigenen Angaben Hinweise bekommen, dass Nexperia – gestützt durch Wingtech – begann, Geld, Technologie und geistiges Eigentum an ein Unternehmen in einem Drittstaat zu verlagern.

Die Anwälte des chinesischen Eigentümers wiesen Vorwürfe des Missmanagements zurück. Der bisherige Unternehmenschef habe nie versucht, das Unternehmen auszuhöhlen und die Produktion nach China zu verlagern.

Der Streit um Nexperia sorgt weiterhin für Engpässe bei Chips für Automobilhersteller.

Wie China und die Niederlande um den Chiphersteller Nexperia kämpfen, lesen Sie hier .

mmq/dpa/AFP