1. Block in der Klemme
Im Entführungsfall um die Kinder von Christina Block haben Ermittler den mutmaßlichen Haupttäter David Barkay vernommen, wie meine Kollegen Claas Meyer-Heuer, Roman Lehberger und Christopher Piltz berichten . Demnach beschuldigt er die Unternehmerin, von Anfang an alles gewusst zu haben.
Den Auftrag, die Kinder zu verschleppen, soll Block selbst erteilt haben. Sie weist die Vorwürfe zurück. Seit Mitte Juli 2025 verhandelt das Landgericht Hamburg den Fall. Auf der Anklagebank sitzt auch Blocks Partner, der ehemalige ARD-Sportmoderator Gerhard Delling. Ihm wird Beihilfe vorgeworfen. Auch er bestreitet die Vorwürfe.
Was aus Sicht der Ermittler aufgeklärt ist: wer die Täter waren, die die Kinder entführten. »Unter anderem anhand von Flugdaten, Kameraaufzeichnungen und Mietwagenbuchungen identifizierten sie sechs Israelis, unter ihnen Barkay«, berichten Claas, Roman und Christopher. »Er soll die Tat geplant und durchgeführt haben und ›Ansprechpartner und Vermittler‹ gewesen sein. So steht es in der Anklage.«
2. Rente mit Schrecken
Die jüngeren Unionspolitiker mauern: Sie bleiben bei ihrem Nein zu den Rentenplänen der schwarz-roten Koalition. Das haben jetzt sowohl Pascal Reddig, Vorsitzender der Jungen Gruppe der Fraktion, als auch Johannes Winkel, Vorsitzender der Jungen Union, bekräftigt. Sie bekommen Zuspruch aus verschiedenen Ecken der Partei (hier und hier mehr).
Was sind das für Leute, die einst Friedrich Merz als Heilsbringer feierten und ihn jetzt so in die Bredouille bringen? Den unterhaltsamsten Text über die Junge Union hat vor Jahren meine Kollegin Nora Gantenbrink geschrieben. Mit unpolitischen, aber amüsanten Sätzen berichtete sie vom Deutschlandtag 2021, einer »Veranstaltung, deren Name auch der neue Roman von Moritz von Uslar sein könnte«. Sie beobachtete: »Einige machen sich sehr souverän ab 14 Uhr Dosenbier auf.« (Hier die ganze Geschichte .)
Und heute? Meine Kollegen Florian Gathmann und Christian Teevs haben den aktuellen JU-Chef Winkel porträtiert (hier ). Sie beschreiben ihn als einen Enttäuschten. Einen, der schon 2019 auf eigene Kosten »Mehr Sauerland für Deutschland«-Plakate verteilt hat, um Merz zu unterstützen. Einen, der dafür sorgte, »dass der Verband immer hinter Merz stand«. Als einen, der stets loyal für Merz kämpfte, obwohl er eigentlich Wüst-Fan ist. »Doch damit scheint es nun vorbei zu sein«, berichten Florian und Christian. Hart für Merz: Eine enttäuschte Liebe ist schwerer zu kitten als jede Vernunftehe.
Alle Hintergründe hier: So ticken die Rebellen von der Jungen Union
3. Blame, Game, Shame
Es gibt sie noch, die guten Nachrichten: »Big Tech hört auf zu jammern und beginnt, sich an Australiens Social-Media-Verbot für Teenager zu halten«, berichtete Reuters vor einigen Tagen. Das lässt hoffen. Weltweit verfolgen Eltern, Lehrkräfte, Politikerinnen und Politiker das Großexperiment: Lässt sich die Jugend vielleicht doch von Insta und TikTok fernhalten? Nach Jahren des Schulterzuckens, der Verherrlichung und Verharmlosung scheint der Kampf um Herzen und Hirne von Teenagern nicht verloren.
Der Trend zu schärferen Regeln erfasst selbst Anbieter, die nicht unter den australischen Bann fallen: Heute hat mit Roblox eine der größten Gamingplattformen angekündigt, das Alter der Nutzerinnen und Nutzer strenger zu kontrollieren, damit zum Beispiel Kinder nur noch mit ähnlich alten Kindern chatten können. Pro Tag lockt Roblox im Schnitt über 150 Millionen Gamer an. »Rund ein Drittel ist jünger als 13 Jahre«, sagt mein Kollege Markus Böhm aus unserem Netzwelt-Ressort.
Er hat mit dem Roblox-Sicherheitschef Matt Kaufman gesprochen – und war ernüchtert: »Als Vater und langjähriger Beobachter der Gamesbranche war ich schon überrascht, wie locker die Plattform mit Abzockangeboten umgeht«, sagt Markus. Ein virtuelles Kostüm für eine Spielfigur kostet 300 Euro? Findet der Sicherheitschef Kaufman undramatisch: »Solche Angebote ahmen letztlich nach, was wir in der realen Welt sehen. Schon als ich jung war, waren manche Dinge teuer und andere weniger teuer.« Nur hätte man damals jedem Verkäufer, der einem Kind 300 Euro für Firlefanz abluchst, einfacher die Meinung geigen können.
Hier das ganze Interview: Kann ich mein Kind allein auf Roblox spielen lassen?
Was heute sonst noch wichtig ist
Polen sieht Russland hinter Sabotage von Eisenbahnstrecke – offenbar Verdächtige identifiziert: Polens Behörden machen Moskau für die Explosion an einer Zugstrecke verantwortlich. Tatverdächtig seien zwei ukrainische Kollaborateure. Künftig soll das Militär wichtige Strecken schützen.
Verstorbene Hamburger Familie war offenbar einer Chemikalie im Hotel ausgesetzt: Der toxikologische Bericht der Behörden steht nach dem Tod einer vierköpfigen Familie aus Hamburg noch aus. Dem SPIEGEL liegen erste Auszüge vor .
Gasspeicher in Deutschland nur zu 75 Prozent gefüllt: Der Füllstand der deutschen Gasspeicher ist unerwartet niedrig, bereits im Januar könnte es zu Versorgungsengpässen kommen. Das prognostiziert die Initiative Energien Speichern. Die Bundesnetzagentur sah zuletzt keinen Grund zur Sorge.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Die Kessler-Zwillinge und die umstrittene Sterbehilfeorganisation: Alice und Ellen Kessler wählten den gemeinsamen Tod durch assistierten Suizid. Ihr Fall lenkt den Blick auf die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben, eine Organisation, an der es auch Kritik gibt .
Was heute weniger wichtig ist
Standbild-Debatte: Renée Zellweger, 56, hat sich zur Bridget-Jones-Statue geäußert, die am Leicester Square in London enthüllt wurde. Sie sei »hinreißend«, sagte die Schauspielerin der BBC. »Ich denke, sie ist viel süßer als ich.«
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Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Klaus Stuttmann
Und heute Abend? Drei Vorschläge:
Sie könnten ...
etwas kochen, nämlich Ofenwurzelgemüse mit Taco-Chips und schneller Käsesauce (hier das Rezept ).
etwas lesen, nämlich »Das gelbe Haus« von Mieko Kawakami. Das Buch landet beim SPIEGEL-Buchpreis auf Platz 5 und erzählt, wie eine verarmte, junge Frau in Japan für ein brüchiges Glück kämpft. »Die Spannung des Romans entsteht auch, weil er das Unzumutbare als Normalität darstellt«, findet Jurymitglied Juliane Liebert (hier mehr).
etwas spielen, nämlich Worte, unser tägliches Wortquiz (hier entlang).
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion





