SpOn 23.02.2026
17:24 Uhr

News des Tages: US-Zollpolitik, Drogenboss »El Mencho« tot, Widerstand gegen KI-Rechenzentren


Der Tod eines Drogenbosses löst Chaos im WM-Land Mexiko aus. Das EU-Parlament legt im Zollstreit den Deal mit den USA auf Eis. Und US-Gemeinden wehren sich gegen KI-Rechenzentren. Das ist die Lage am Montagabend.

News des Tages: US-Zollpolitik, Drogenboss »El Mencho« tot, Widerstand gegen KI-Rechenzentren
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1. Die EU verlangt mehr Klarheit von Washington

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, US-Präsident Trump (im Juli 2025)

EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen, US-Präsident Trump (im Juli 2025)

Foto:

Andrew Harnik / Getty Images

Im neuen Wirrwarr um Donald Trumps Zollpolitik hat sich die EU heute für Abwarten und Durchrechnen entschieden. Die Europäische Union will die Ratifizierung des Handelsabkommens mit den USA aussetzen und erst mehr über die neuen Zollpläne erfahren. Die Abgeordneten des EU-Parlaments haben heute beschlossen, vorerst nicht über eine Abschaffung der EU-Zölle auf US-Industrieprodukte abzustimmen.

Die Abstimmung über das Handelsabkommen ‌war für Dienstag geplant. Die Bedingungen des im Juli im schottischen Turnberry vereinbarten Abkommens und die Rechtsgrundlage haben sich offensichtlich geändert. US-Präsident Donald Trump hatte am Samstag ‌als Reaktion auf ein Urteil des Supreme Court ‌vorübergehende Sonderzölle in Höhe von 15 Prozent verhängt. Das Gericht hatte Trumps globale Zölle gekippt. (Lesen Sie hier mehr dazu.)

Die US-Zollbehörde hat nun das Aus entsprechender Abgaben angekündigt. Zu möglichen Rückerstattungen bereits gezahlter Zölle wurden keine Angaben gemacht. Die Unsicherheit hat internationale Folgen: Indien verschob nach Informationen aus dem dortigen ‌Handelsministerium einen für diese Woche geplanten Besuch einer Delegation in Washington.

»Es ist richtig, dass die EU zunächst mehr Klarheit von Washington verlangt«, sagt mein Kollege Benedikt Müller-Arnold aus dem Brüsseler SPIEGEL-Büro. »Denn die Europäer haben den USA vorigen Sommer weitreichende Zugeständnisse in Aussicht gestellt, unter anderem die Abschaffung von Zöllen auf viele Agrar- und Industrieimporte aus den USA – oder auch einen massenhaften Import von US-Energieprodukten.«


2. »El Mencho« galt als einer von Mexikos mächtigsten Drogenbossen

Krasse Bilder aus Mexiko: Tankstellen und Supermärkte stehen in Flammen, über mehreren Städten steigen Rauchsäulen in den Himmel, Busse und Pkw brennen. Der Tod eines Drogenbosses hat Chaos im Land ausgelöst. Nemesio Rubén Oseguera Cervantes galt als einer der mächtigsten Anführer der mexikanischen Drogenkartelle und ist am Sonntag bei einem Militäreinsatz zu Tode gekommen. Landesweit kam es zu einer Welle der Gewalt (hier mehr dazu ).

Meine Kollegin Miriam Khan schreibt über den getöteten Drogenboss, dass dessen Spitzname »El Mencho« eine Verniedlichung seines Vornamens Nemesio sei. Er sei wohl 1966 geboren, habe zeitweise in den USA gelebt und in Mexiko als Polizist gearbeitet. In den Neunzigerjahren ist er ins organisierte Verbrechen eingestiegen.

»El Menchos« Drogenbande, das Kartell Jalisco Nueva Generación, kurz CJNG, wurde zu einem der mächtigsten Kartelle Mexikos – »auch weil ›El Mencho‹ durch seine Erfahrungen bei der Polizei entscheidende Vorteile hatte«, so Miriam (hier mehr ).

Auf den ersten Blick sei der Tod des mächtigsten Rauschgiftgangsters des Landes ein Triumph für Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum und stärke ihre Position gegenüber Donald Trump, berichtet mein Kollege Jens Glüsing. »Gehen die Anschläge jedoch weiter oder wachsen sie sich zu einem Krieg der Gangster gegen den Staat aus, könnte auch der Rückhalt für die beliebte Präsidentin bröckeln. Auch die Austragung der Fußball-WM in Mexiko wäre dann womöglich gefährdet.«


3. US-Gemeinden wehren sich gegen die Errichtung von neuen KI-Rechenzentren – wegen der Umweltbelastung

Der Schriftsteller Terry Pratchett soll mal behauptet haben: »Natürliche Dummheit schlägt künstliche Intelligenz um Längen.« Der Wettlauf um KI belastet jedenfalls die Umwelt erheblich. Meine Kollegin Susanne Götze berichtet heute darüber, dass US-amerikanische Techfirmen den Strom für ihre Serverfarmen immer öfter mit gebrauchten Gasturbinen auf Lkw-Anhängern produzieren.

Auch wegen der Umweltbelastung wehren sich einzelne US-Bürgerinnen und -Bürger und immer mehr Gemeinden gegen die Ansiedlung von Rechenzentren, die teils innerhalb weniger Wochen aufgebaut werden. Die Gasturbinen, die Rechenzentren von Elon Musks Firma xAI mit Strom versorgen, »stoßen Stickoxide, Kohlenmonoxid und Formaldehyd aus«, berichtet Susanne (hier mehr dazu ).

»Für die Techkonzerne ist Tempo entscheidend«, so meine Kollegin. »xAI, Meta, Google, Microsoft oder OpenAI buhlen darum, wer bei der künstlichen Intelligenz künftig dominiert.« Bis 2030 dürfte der weltweite Stromverbrauch von KI-Servern laut Internationaler Energieagentur auf rund 950 Terawattstunden steigen – fast doppelt so viel, wie Deutschland insgesamt verbraucht.


Was heute sonst noch wichtig ist

  • Selenskyj macht Putin für angeblichen dritten Weltkrieg verantwortlich: Wolodymyr Selenskyj lehnt Gebietsabtretungen für einen Waffenstillstand an Russland ab. In einem BBC-Interview warnt der ukrainische Präsident vor den Ambitionen von Kremlchef Wladimir Putin.

  • Deutschland behauptet Platz drei der weltgrößten Volkswirtschaften: Die deutsche Wirtschaft kommt nur schleppend voran, ist aber weiterhin die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Doch andere Länder holen auf – und Experten finden das gar nicht schlecht.

  • Aktivisten hängen Bild von Ex-Prinz Andrew im Louvre auf: Ein Pressefoto, das den ehemaligen Prinzen nach seiner Befragung durch die Polizei zeigt, ging um die Welt. Jetzt haben Aktivisten das Bild im Pariser Louvre ausgestellt – mit goldenem Rahmen und sarkastischem Titel.


Meine Lieblingsgeschichte heute: »Ein Jahr Dschungelpause wird uns allen guttun«

Kandidaten Ofarim, Tekin im Dschungelcamp: Unbehagen im Umgang mit Kulturprodukten schadet ja grundsätzlich nicht

Kandidaten Ofarim, Tekin im Dschungelcamp: Unbehagen im Umgang mit Kulturprodukten schadet ja grundsätzlich nicht

Foto:

Tag 4 / RTL

Meine Kollegin Anja Rützel berichtet über das Dschungelcamp-Wiedersehen und rechnet amüsant ab. »Wenn man dieser seltsamen Dschungel-Staffel am Ende unbedingt noch etwas Positives abgewinnen möchte, dann vielleicht das: Immerhin hat einen ihre plakativ-tendenziöse Schablonisierung einzelner Kandidaten und Kandidatinnen mal wieder gründlich sensibilisiert«, schreibt Anja. Ihr Rat für den ausstrahlenden Sender: Falls bei RTL das Geld gerade knapp sei, bleibe immer noch Plan B, »und B steht in diesem Fall natürlich für Bauer. Derart ausführlich wird die Heimkehr von Patrick Romer samt Freundin in seine ländliche Faschingsdorfgemeinschaft sowie sein kurzer Ritt auf seiner trächtigen Lieblingskuh Wanja begleitet und eingespielt, dass es einen nicht wundern würde, wenn man all das bald noch deutlich ausführlicher in einer eigenen Dokusoap zu sehen bekäme«. Das leicht erschöpfte Fazit meiner Kollegin: »Ein Jahr Dschungelpause wird uns allen guttun.«


Was heute weniger wichtig ist

Foto: Gaetan Bally / KEYSTONE / picture alliance

Besser mit Siezen triezen: Bestsellerautor Martin Suter, 77, legt Wert auf rhetorische Umgangsformen. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa sagte der Schweizer: »Das allgemeine Duzen beraubt einen der Möglichkeit, sich einen Schritt näherzukommen – also wenn man erst Sie und dann nachher Du sagt.« Ein Du müsse man sich erarbeiten. »Sofort Du zu sagen, das entwertet das Du ja völlig.«


Mini-Hohlspiegel

Tafel in einem Lokal in Stuttgart

Tafel in einem Lokal in Stuttgart

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Klaus Stuttmann


Und heute Abend?

Seite aus »Die Frau als Mensch – Schamaninnen«: Frauen als Gegenstand früher Kunst

Seite aus »Die Frau als Mensch – Schamaninnen«: Frauen als Gegenstand früher Kunst

Foto: Reprodukt

Könnten Sie sich mit dem Sachbuchcomic »Die Frau als Mensch – Schamaninnen« beschäftigen. Er stammt von Ulli Lust und ist die Fortsetzung eines mit dem Deutschen Sachbuchpreis gekürten Comics. (Lesen Sie den Text über ihre Auszeichnung.) »Lust räumt mit zähen Klischees scharfsinnig auf, die sich bis heute wie Steinzeit-Merchandising halten: Männer jagen, Frauen sammeln und kochen in der Höhle«, schwärmt meine Kollegin Sonja Dawson. (Lesen Sie hier ihre Rezension. )

Der neue Band widme sich, »ohne kitschig zu werden, dem Überirdischen, dem Jenseits, dem Glauben und dem Tod – all jenen Themen, die die Menschheit wohl schon immer beschäftigt haben. Auch in der Steinzeit.« Aus der gründlichen Recherche der Autorin sei keine trockene Abhandlung entstanden, »sondern eine Erzählung, der man enthusiastisch folgt«.
Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort