1. Vorladung vom US-Justizministerium
Offenbar reichte es Jerome Powell jetzt: Monatelang hatte der Chef der US-Notenbank Fed die spitzen Bemerkungen und Kommentare des US-Präsidenten Donald Trump ertragen und zumindest nicht offiziell reagiert. Doch jetzt machte Powell selbst öffentlich, dass die Fed offenbar eine Vorladung vom US-Justizministerium erhalten hat. Powell hatte genug, man könnte sagen, er war fed up (sorry, Steilvorlage). In einem Video und einem schriftlichen Statement machte er seinem Ärger Luft und sagte: »Die Drohung mit einer Anklage ist eine Folge davon, dass die Federal Reserve die Zinssätze nach bestem Wissen und Gewissen im öffentlichen Interesse festlegt und nicht den Präferenzen des Präsidenten folgt.«
Offizieller Anlass der Untersuchung sind Powell zufolge Äußerungen über den 2,5 Milliarden Dollar teuren Umbau der Fed-Zentrale in Washington (mehr dazu hier ). Der Fed-Chef sieht darin allerdings nur einen Vorwand, um den Druck auf ihn im Streit mit Präsident Trump über die Zinspolitik zu erhöhen. Trump selbst sagte, er wisse nichts von dem Vorgehen des Justizministeriums.
Powells Amtszeit endet offiziell im Mai. Vielleicht dachte er, er könnte den Zwist einfach aussitzen. Daraus wird offenbar nichts.
Lesen Sie hier mehr: Rufmörder im Dienste des Präsidenten
2. Deutschland als Ersatzpartner
Bundeskanzler Friedrich Merz besucht mit einer Wirtschaftsdelegation Indien. Es ist Merz’ erste Reise nach Asien; erst Ende Februar steht China auf dem Plan. Meinem Kollegen Christoph Hickmann zufolge sei man vor Ort über diese Art der Prioritätensetzung hocherfreut. Christoph begleitet den Kanzler bei seiner Reise (lesen Sie hier mehr ).
Deutschland und Indien sind an einer guten Zusammenarbeit interessiert: Viele deutsche Unternehmen könnten etwa Fachkräfte aus Indien gut gebrauchen. Und Indien liebäugelt mit U-Booten aus deutscher Produktion. Es gehe aber auch um Geopolitik, »ohne dass sie offen auf der Agenda stünde«, schreibt Christoph.
In Sachen Ukrainekrieg steht Indien zwar bislang eng an der Seite Russlands. Daran ändert auch ein freundlicher Friedrich Merz herzlich wenig. Zu groß ist die Abhängigkeit von russischem Gas und Öl. Gleichzeitig ist das Verhältnis des Landes zu den USA angespannt, seit US-Präsident Donald Trump hohe Strafzölle gegen das Land verhängt hat. In dieser Phase wollen sich die Deutschen den Indern als verlässlicher Ersatzpartner empfehlen. Die Zeichen dafür, dass das klappt, stehen gut: Ende Januar könnten Indien und die EU ein Freihandelsabkommen unterzeichnen.
Lesen Sie hier mehr über Merz’ Besuch in Indien: Der Kanzler sucht dringend neue Freunde – und fängt in Indien an
3. Höhere Sterblichkeit in der Grenzregion
Weil immer mehr Pflegekräfte in die Schweiz abwandern, ist die Sterblichkeit in deutschen Krankenhäusern im Süden Baden-Württembergs um 4,4 Prozent gestiegen. Das zeigt eine neue Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) aus Mannheim und des Münchner Ifo-Instituts.
Der Pflegekräftemangel wirkte sich demnach vor allem auf ältere Patienten sowie Notfälle aus. Bei ihnen habe sich die Sterberate erhöht. »Damit verbunden ist eine stagnierende Lebenserwartung in den betroffenen Grenzregionen zur Schweiz – während diese im Rest Deutschlands stieg«, sagt Studienautor Oliver Schlenker (hier mehr dazu).
Seit 2011 sind viele deutsche Pflegekräfte, die in der Grenzregion leben, zum Arbeiten ins Nachbarland abgewandert. Im Schnitt haben deutsche Krankenhäuser in der Region rund zwölf Prozent ihres Pflegepersonals verloren.
Die Ergebnisse der Studie zeigen einmal mehr: Menschen, die in Deutschland leben, haben eine geringere Lebenserwartung als Menschen in der Schweiz.
Lesen Sie hier mehr über die Studie: Abwanderung von Pflegekräften erhöht Sterblichkeit messbar
Was heute sonst noch wichtig ist
Ministerien rechtfertigen Einsatz zweier Jets für USA-Reisen von Wadephul und Klingbeil: Treffen sich zwei deutsche Minister auf einem Flugplatz in Island: Was wie der Anfang eines schlechten Witzes klingt, hat für Kritik gesorgt. Warum reisen Johann Wadephul und Lars Klingbeil mit zwei Jets in die USA?
VW-Absatz in China und den USA bricht ein: Weltweit hat der VW-Konzern 2025 weniger Fahrzeuge verkauft. Besonders schwache Zahlen in China und den USA bremsten das Wachstum – in Europa lief es deutlich besser.
Experten empfehlen Orientierung an THC-Schwellenwerten: Am sichersten ist es, kein Cannabis zu nehmen. Für diejenigen, die trotzdem konsumieren, schlagen Forschende nun Schwellenwerte vor, die sich am THC-Wert orientieren. Das soll helfen, Risiken besser einzuschätzen.
Aufsichtsrat hält Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen Kuntz für »glaubhaft«: Nach der Trennung von Stefan Kuntz beim Hamburger SV gibt es schwere Vorwürfe gegen den früheren Nationalspieler. Kuntz hat die Anschuldigungen als falsch bezeichnet. Der Aufsichtsrat hält dagegen.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Unternehmer Hinterkopf: »Die Banken gaben nur denen Geld, die keines benötigten«
Foto:Ilkay Karakurt / DER SPIEGEL
Dieser Boom wird auch für Privatanleger gefährlich: Wenn Banken mit Darlehen knapsen, leihen sich Unternehmen Geld bei privaten Kreditfonds. Doch Experten warnen: Das riskante Milliardengeschäft könnte die nächste Finanzkrise auslösen .
Was heute weniger wichtig ist
Elle und Dakota Fanning
Foto: Jordan Strauss / Invision / APSchwesterherzen: Die Schauspielerinnen Elle Fanning, 27, und Dakota Fanning, 31, sind Schwestern und stehen für die Verfilmung des Romans »Die Nachtigall« zum ersten Mal gemeinsam vor der Kamera. In einem Interview erzählte Elle Fanning nun, dass Dakota ihr versichert habe, sich nicht wie eine große Schwester zu benehmen. »Sie hat mir versprochen, dass sie mich nicht herumkommandieren wird«, sagte Elle. Auf die Frage, was Elle bei der gemeinsamen Arbeit lieber nicht tun soll, antworte Dakota Fanning lachend: »Mich zu sehr nerven!«
Mini-Hohlspiegel
Aus der Fernsehzeitschrift »Auf einen Blick«
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Thomas Plassmann
Und heute Abend?
Könnten Sie damit beginnen, einen Ihrer guten Vorsätze für das neue Jahr in die Tat umzusetzen und versuchen, Ihren Alltag zu entstressen oder Belastendes hinter sich zu lassen (eigentlich immer ein gutes Vorhaben, unabhängig von der Jahreszeit). Die neue Ausgabe von SPIEGEL Coaching »Das tut mir gut« hilft dabei, solche Vorhaben in die Tat umzusetzen. Sechs einfache und alltagsnahe Trainingsprogramme mit vielen praktischen Übungen zeigen, wie Sie Ihr Leben entschleunigen und quälendes Grübeln beenden. Die neue Ausgabe von SPIEGEL Coaching »Das tut mir gut« ist ab heute im Handel.
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihre Laura Backes, Autorin




