1. Fall Epstein – Frau belastete Trump in FBI-Befragung
Nach eigenen Angaben wusste Donald Trump nichts über Jeffrey Epsteins Verbrechen, im Jahr 2002 wurde Trump im »New York Magazine« mit folgenden Worten über seinen damaligen guten Bekannten zitiert: »Toller Typ. Es macht viel Spaß, mit ihm Zeit zu verbringen. Man sagt sogar, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich, und viele von ihnen sind jünger.« (Hier mehr .) Später will er die Freundschaft beendet haben.
Nun hat das US-Justizministerium weitere Dokumente der Epstein-Akten veröffentlicht, in denen unter anderem Trump beschuldigt wird. Die Akten enthalten FBI-Vernehmungsprotokolle einer Zeugin, die angibt, in den Achtzigerjahren im Alter von 13 bis 15 Jahren sowohl von Epstein als auch von Trump missbraucht worden zu sein. Karoline Leavitt, die Sprecherin des Weißen Hauses, hat die Vorwürfe gegen Trump als »vollkommen haltlos« bezeichnet und die Zeugin unter anderem als »traurige verwirrte Frau« bezeichnet (hier mehr dazu).
Über die nun veröffentlichten Akten sagt meine Kollegin Britta Kollenbroich: »Das FBI hat die Frau 2019 zumindest zunächst als glaubwürdig eingestuft. Völlig unklar ist aber bislang, ob die Ermittler den Vorwürfen der Frau weiter nachgegangen sind und falls nein: Warum nicht?« Brisant sei auch, dass das Justizministerium die Vorwürfe gegen Trump bislang zurückgehalten habe. »Erst die Recherchen von Journalisten haben dazu geführt, dass die Dokumente mit den belastenden Interviews nun nachgereicht wurden. Die Begründung, dass die Dateien fälschlicherweise als Duplikate gekennzeichnet worden seien, ist mehr als fragwürdig und setzt Justizministerin Pam Bondi weiter unter Druck.« (Hier mehr.)
Über die verschwundenen Seiten der Epstein-Files haben wir vergangene Woche berichtet: Das Rätsel um die fehlenden Trump-Akten
2. In den USA könnte die überparteiliche Unterstützung für Israel bröckeln
Donald Trumps offensichtlicher außenpolitischer Sinneswandel und der von den USA und Israel begonnene Irankrieg sind das aktuelle SPIEGEL-Titelthema. Der US-Präsident sei im Wahlkampf als vermeintlicher Friedensstifter angetreten und habe nun »gar nicht versucht, die amerikanische Öffentlichkeit von der Notwendigkeit eines Kriegs gegen Iran zu überzeugen«, schreibt meine Kollegin Julia Amalia Heyer in der Titelstory. Auch deshalb verbreite sich derzeit in den USA die Erzählung, Israel habe Trump in diesen Krieg gezogen, so meine Kollegin, »besonders innerhalb jenes Teils des MAGA-Lagers, das ohnehin zu antisemitischen Verschwörungstheorien neigt« (hier mehr ).
Mein Kollege Thore Schröder berichtet heute aus Tel Aviv, dass der gemeinsam mit den USA ausgeführte Angriff für Israels Premier Benjamin Netanyahu ein Triumph sei, seinem Land aber schwer schaden könnte (hier mehr dazu ).
Beide Regierungen hätten nach außen dieselben Kriegsziele propagiert, die Beseitigung der Atom- und Raketenprogramme sowie die Schaffung von Bedingungen, um das islamistische Regime zu stürzen, zitiert mein Kollege den Experten Danny Citrinowicz von der Denkfabrik Institute for National Security Studies in Tel Aviv. Doch tatsächlich gebe es große Unterschiede: Washington sei, auch wegen seiner regionalen Partner, an der Stabilität Irans interessiert. Israel dagegen »wäre auch mit Staatszerfall und andauerndem Blutvergießen zufrieden«.
Die größte Bedrohung Israels sei nicht das Regime in Iran, sondern der Wegfall der überparteilichen Unterstützung in den USA«, so der von Thore befragte Sicherheitsfachmann. Die Unterstützung Israels sei unter den Anhängern der US-Demokraten in den vergangenen Jahren regelrecht eingebrochen. »Bei den Republikanern tobt nun ein Kampf zwischen traditionellen außenpolitischen Falken und dem MAGA-Flügel, der Israel bezichtigt, das Land in einen neuen unnötigen Nahostkrieg mit hereingezogen zu haben.«
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Netanyahus Triumph könnte Israel schwer schaden
3. Hagel fällt es offenbar schwer, in Stressmomenten die Nerven zu behalten
Kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg lernt der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel die Kunst der öffentlichen Zerknirschung. Zuletzt hatte er sich für ein acht Jahre altes Video, in dem er das Aussehen einer Schülerin kommentierte, rechtfertigen müssen (hier das Video).
Nun erklärte er in einem Interview mit dem Sender Welt sein Verhalten beim Besuch einer Schulklasse am Montag. Er berichtete, dass ihm während seines Besuchs »einige Male die Lehrerin ins Wort gefallen« sei. »Irgendwann habe ich dann mal gesagt, ich würde gerne mit den Kindern sprechen – weil das ist ja auch der Sinn von einem Schulbesuch.«
Der Spott über Hagel auf Social Media ist groß, weil er beim Besuch der Stuttgarter Schule, zu dem ihn das »ARD-Mittagsmagazin« begleitete, unter anderem auf das Nachhaken einer Lehrerin (»Da hätte ich auch noch eine Frage«) reichlich harsch reagierte und sagte: »Ich rede gerade mit den Schülern.« Die Lehrerin wirkte sichtlich irritiert, ihre Schülerinnen und Schüler ebenfalls.
Beim selben Besuch sollte Hagel vor den Siebtklässlern an der Tafel den Treibhauseffekt erklären und lieferte eine spontane, wissenschaftlich keineswegs haltbare Erklärung ab. Auch das wird kritisiert (hier mehr dazu).
»Klimapolitik verhandelt die physikalisch folgenreichste Tatsache der Gegenwart, eine Wirklichkeit, deren Handhabung über Wohlstand, Migration und das Überleben ganzer Landstriche und Bevölkerungsgruppen entscheiden wird«, schreibt meine Kollegin Samira El Ouassil über Hagels Auftritt.
Wer über solche Fragen gesetzgeberisch entscheide, ob auf Landes- oder Bundesebene, bestimme »über den politischen Umgang mit unausweichlichen Kausalitäten und irreversiblen Kipppunkten. Wer das macht, ohne sie zu verstehen, handelt fahrlässig in planetarem Maßstab.«
Hagel lasse prototypische Politikeranforderungen vermissen, schreibt Samira, darunter »Kommunikation, rhetorisches Charisma und die Fähigkeit, in Stresssituationen die Nerven zu behalten«.
Lesen Sie hier den ganzen Text: Atmosphäre der Ahnungslosigkeit
Was heute sonst noch wichtig ist
Indonesien droht mit Rückzug aus Trumps Friedensrat für Gazastreifen: Ein Expeditionskorps mit 8000 Soldaten hat Indonesien angekündigt, um im Gazastreifen den Plan von Donald Trump zu unterstützen. Nun mahnt die weltweit größte muslimische Bevölkerung, die Palästinenser nicht zu vergessen.
Lufthansa liefert Rekordumsatz ab: Die Lufthansa hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Rekordumsatz erzielt und verspricht ihren Aktionären mehr Dividende. Den Ambitionen für das kommende Jahr steht die Krise in Nahost entgegen.
US-Bundesstaaten wollen auch neue Trump-Zölle stoppen: Runde zwei im Ringen um die amerikanische Zollpolitik: Auch gegen den erneuten Versuch von US-Präsident Trump haben US-Bundesstaaten Klage eingereicht. Statt zwölf sind es jetzt sogar 24.
Axel Springer kauft britischen »Telegraph«: Eine der ältesten Zeitungen Großbritanniens bekommt einen deutschen Eigentümer. Der Springer-Verlag übernimmt die »Telegraph«-Gruppe – nachdem er vor 20 Jahren damit gescheitert war.
Reifenabrieb hauptverantwortlich für Plastikpartikel in der Luft: Stadtluft ist schlechter als Landluft: Forschende haben in Leipzig untersucht, wie Mikro- und Nanoplastik in die Luft gelangen. Sie sehen dringenden Handlungsbedarf. Denn das Ergebnis ist eindeutig.
Meine Lieblingsgeschichte heute: Wenn Schaben sich mögen, fressen sie ihre Flügel
Taiwanische Holzschaben
Foto: Haruka Osaki / Eiiti Kasuya/ CC BY-NC-ND 4.0»Alles, was ich habe, ist meine Küchenschabe« heißt es in einem Lied von Reinhard Mey aus den Siebzigerjahren. Die Schabe gilt generell als ekliges und natürlich unterschätztes Insekt. Forschende haben bei taiwanischen Holzschaben nun ein ungewöhnliches Paarungsritual beobachtet: Sie fressen gegenseitig ihre Flügel. Danach bleiben sie zusammen und verteidigen sich gemeinsam gegen Fremde. Der Verzehr der Flügel gehöre zum Paarungsverhalten, heißt es in einer Studie, die im Fachblatt »Royal Society Open Science« veröffentlicht wurde. Nach diesem Ritual würden beide Partner konsequent Artgenossen beider Geschlechter teils aggressiv zurückweisen, während sie dem eigenen Partner »friedlich treu bleiben«, heißt es in der Meldung. »Die Beobachtungen deuten darauf hin, dass für die Tiere nach dem gegenseitigen Fressen der Flügel keine anderen potenziellen Partner mehr infrage kämen.«
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Wenn Schaben sich mögen, fressen sie ihre Flügel
Was heute weniger wichtig ist
Lindsey Vonn
Foto: Michael Kappeler / dpaMuskelspiel auf Rollstuhlrädern: Lindsey Vonn, 41, US-Skistar, ist nur wenige Wochen nach ihrem schweren Sturz bei den Olympischen Winterspielen schon wieder in Trainingslaune. 25 Tage nach ihrem Unfall bei der Abfahrt in Cortina d'Ampezzo postete sie ein Video auf Instagram, in dem sie trotz schwer verletztem linken Bein – meist im Rollstuhl – ihre Oberschenkel, die Schultern, den Bauch sowie Rücken und Arme trainiert. Dazu schreibt Vonn: »Das einzige Ziel ist, wieder gesund zu werden.«
Mini-Hohlspiegel
Die »Main-Post« über CSU-Chef Markus Söder
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Foto:Thomas Plaßmann
Und heute Abend?
Darstellerin Buckley in »The Bride!«
Foto:Niko Tavenise / Warner Bros.
Könnten Sie sich einen Film mit der derzeit sehr gefeierten Schauspielerin Jessie Buckley ansehen. Die wird für ihren wilden Auftritt in »Hamnet« höchstwahrscheinlich einen Oscar bekommen (hier mehr ).
Im Kinofilm »The Bride! – Es lebe die Braut« ist Buckley in einer Doppelrolle zu sehen. Sie verkörpert die Schriftstellerin Mary Shelley, die sich Anfang des 19. Jahrhunderts das Monster Frankenstein ausgedacht hat – und außerdem eine lebenslustige junge Frau namens Ida im Chicago des Jahres 1936. Erst ist Ida vom Geist Shelleys besessen, dann kommt sie sehr schnell zu Tode und wird von einer genialischen Ärztin (gespielt von Annette Bening) wieder zum Leben erweckt. Ihr Auftrag: Sie soll das von Christian Bale dargestellte Frankenstein-Monster, es heißt im Film lustigerweise Frank, aus seiner Einsamkeit befreien. Der ziemlich aberwitzige Film ist eine amüsante Achterbahnfahrt durch die Kino- und Literaturgeschichte, vor allem aber markiert er eine Rebellion gegen die bisher männlich dominierte Monsterwelt.
Lesen Sie hier die ganze Kritik: Aufruhr gegen die patriarchale Monsterwelt
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort



