1. Trauer in Kanada
Derartige Meldungen verortet man eigentlich in den USA, jetzt ist das Nachbarland Kanada betroffen, obwohl dort ungleich härtere Waffengesetze gelten: Bei einem Schusswaffenangriff an einer Schule im Ort Tumbler Ridge in der Provinz British Columbia sind am Dienstag mindestens zehn Menschen getötet und rund 25 weitere verletzt worden. Nach Angaben der Polizei fielen die Schüsse gegen 13.20 Uhr Ortszeit. Sechs Tote wurden in der Schule gefunden, eine Person starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Zwei weitere Menschen wurden an einem mutmaßlich mit der Tat verbundenen Ort entdeckt.
Unter den Opfern ist auch die mutmaßliche Täterin, die laut Polizei an einer selbst zugefügten Verletzung starb. Die Ermittler gehen von keiner weiteren Gefahr für die Bevölkerung aus. Das Motiv ist bislang unklar, ebenso die Identität der Toten und Verletzten.
Der kleine Ort Tumbler Ridge im Westen Kanadas zählt rund 2700 Einwohner, an der betroffenen Schule lernen etwa 175 Kinder. Premierminister Mark Carney zeigte sich tief erschüttert und sagte seine Reise zur Münchner Sicherheitskonferenz ab. Kanadische Medien sprechen vom schlimmsten Angriff auf eine Bildungseinrichtung in Kanada seit 1989.
Nach mehreren Gewalttaten wurden 2020 über 1500 Modelle sogenannter »militärischer Angriffswaffen« verboten: Kauf, Verkauf, Import und Verwendung dieser Modelle sind untersagt. Auch der Besitz von Handfeuerwaffen wurde eingeschränkt. Was für eine Waffe die Täterin von Tumbler Ridge nutzte und woher sie sie hatte, ist noch nicht bekannt.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Was wir über den Amoklauf in Kanada wissen
2. Verräterische Chats in Benkos Reich
Sollte Ihr Unternehmen von der Pleite bedroht sein, prüfen Sie besser noch einmal, wem Sie was in welchen internen Chats geschrieben haben. Andernfalls landet Ihre Kommunikation im schlimmsten Fall beim Staatsanwalt. Im Sommer 2023, wenige Monate vor dem Kollaps der Signa-Gruppe, ahnten engste Mitarbeiter von Immobilienmagnat René Benko das Ende, wie meine Kollegin Kristina Gnirke berichtet. In internen Chats war von »Bomben im August« und einem »räudigen Ende« die Rede. Zwei frühere Assistenten von Benko äußerten bereits 2022 Zweifel an der Liquidität und spürten die Diskrepanz zwischen interner Realität und öffentlicher Erfolgsmeldung.
Ermittler der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Wien sehen in den Chats wichtige Indizien: Wann wussten Benko und das Management, dass Signa nicht mehr zu retten war?
Trotz Milliardenverlusten präsentierte Benko Investoren noch 2023 eine Erfolgsgeschichte, sprach von »ikonischen Immobilien« und einer »unglaublichen Performance«. Tatsächlich fehlte Geld: Nur zwei Investoren zahlten weitere 35 Millionen Euro ein. Benko selbst verlor offenbar auch die Nerven. Einem Weggefährten schrieb er voller Schreibfehler: Bei einer Tochterfirma glaubten sie »wirklich wir haben scheisen das Geld in der Holding einfach nach bedarf«, es sei »alles nur mehr irre«.
Im Winter 2023 folgte die Pleite von Signa, KaDeWe und Galeria. Benko sitzt inzwischen in U-Haft, ihm werden Betrug, Untreue und betrügerische Insolvenz vorgeworfen. Auch Ex-Finanzchef Manuel Pirolt gilt als Beschuldigter. Zudem haben kürzlich mehr als 20 Ex-Mitarbeiter Strafanzeige gegen Benko und weitere Führungskräfte gestellt. Sie behaupten, bei einem Beteiligungsprogramm um 2,8 Millionen Euro geprellt worden zu sein, während Vertraute des Managements gleichzeitig Auszahlungen erhielten. Ihnen zufolge sei Signa spätestens ab 2022 in einer schweren Krise und faktisch zahlungsunfähig gewesen.
Lesen Sie hier mehr: »Es ist einfach so ein räudiges Ende«
3. Wildwest in Grünheide
Dass Gründer amerikanischer Techkonzerne keine Freunde von Mitbestimmung sind, ist allgemein bekannt. Wo immer es geht, versuchen sie die Gründung von Betriebsräten zu torpedieren, wo es ihnen nicht gelingt, gängeln sie Betriebsräte, wo das nicht gelingt, ignorieren sie mitunter Arbeitnehmerrechte.
In Teslas Gigafabrik im brandenburgischen Grünheide kam es nun kurz vor der Betriebsratswahl Anfang März zu einem Eklat. Rund 10.700 Beschäftigte wählen dann ein neues Gremium, in dem bislang ein Bündnis aus vier Listen die Mehrheit hält – nicht die IG Metall, die aber mit 16 Sitzen die größte Fraktion stellt. Laut Werksleiter André Thierig soll ein externer IG-Metall-Vertreter als Gast eine Betriebsratssitzung heimlich mit dem Computer aufgezeichnet haben. Ein Betriebsratsmitglied habe dies bemerkt, der Mann sei von der Security aus dem Raum gebracht worden, die Polizei wurde gerufen und der Laptop beschlagnahmt. Tesla habe Strafanzeige gestellt, teilte Thierig per Rundmail an das »Giga Berlin Team« mit.
Die IG Metall weist die Vorwürfe entschieden zurück und spricht von einer »kalkulierten Lüge« und einem »abgekarteten Spiel«. Sie betont, es sei üblich, dass Gewerkschaftssekretäre an Sitzungen teilnehmen. Laut Gewerkschaft sei der Beschuldigte ohne Chance zur Klärung aus dem Raum geführt worden, bevor die Polizei eintraf. Der Streit verschärft den ohnehin erbitterten Machtkampf zwischen Werksleitung, dem managementnahen Betriebsrat und der IG Metall. Bereits in der Vergangenheit kam es bei Tesla in Grünheide zu Auseinandersetzungen über den Einfluss der Gewerkschaft. Konzernchef Elon Musk lehnt die IG Metall ab und positioniert sich immer wieder öffentlich gegen sie.
Das letzte deutsche Großunternehmen, das derart auf Kriegsfuß mit der Mitbestimmung stand, war Schlecker. 2012 ging es pleite.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Tesla lässt Gewerkschaftsmitglied von Security abholen
Was heute sonst noch wichtig ist
Stadt in Bayern kündigt Redeverbot für AfD-Politiker Höcke an: Björn Höcke soll bei einer Wahlkampfveranstaltung im Allgäu auftreten. Lindenberg wollte der AfD deshalb die Stadthalle nicht vermieten. Ein Gericht hält das für unzulässig – und schlägt einen anderen Weg vor.
BMW ruft Hunderttausende Autos wegen Brandgefahr zurück: Bei BMW gibt es Probleme mit einem Starterrelais – im schlimmsten Fall drohen Autos in Flammen aufzugehen. Der Hersteller empfiehlt, Fahrzeuge bei laufendem Motor nicht unbeaufsichtigt zu lassen.
Kölner Karnevalisten verteidigen fehlenden Putin-Wagen: Köln verzichtet beim Rosenmontagszug dieses Jahr auf einen Putin-Wagen. Zugleiter Marc Michelske erklärt die Entscheidung – und verweist auf Düsseldorf.
Meine Lieblingsgeschichte heute: Dann wär’ mein Konto niemals leer
Die erste Million ist immer die schwierigste
Foto:Kathrin Ziegler / Getty Images
Wann immer ich einen Text meines Kollegen Jens Radü sehe, weiß ich, wie ich reich werden kann. Theoretisch. Meist schreibt er über Immobilien und welche Fehler man bei Kauf / Verkauf / Renovierung machen kann. Dieses Mal beschreibt er mithilfe eines smarten Rechners, wie viel man monatlich zurücklegen muss, damit das verzinste Sparguthaben bis zur Rente auf eine Million Euro anwächst. Abhängig vom Alter sind die Summen mal kleiner, mal größer. Nun bin ich nicht mehr ganz jung, würde ich Jens’ Rat ab sofort befolgen, müsste ich monatlich 3565 Euro beiseiteschaffen. Ich fürchte, es ist zu spät, Millionär zu werden – auch wenn ich in meiner Jugend mal Tellerwäscher war.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Was Sie jetzt sparen müssen, um als Millionär in Rente zu gehen
Was heute weniger wichtig ist
RTL-Moderatorin Katja Burkard: »Ich möchte was klarstellen«
Foto: Matthias Wehnert / Future Image / IMAGOGerüchteköchin: Seit fast 30 Jahren moderiert Katja Burkard, 60, die RTL-Mittagssendung »Punkt 12«. In einem Podcast sprach sie über »ganz, ganz schreckliche« Szenen am Tag der Verkündung eines Sparprogramms bei dem Fernsehsender. »Leute sind zusammengeklappt«, berichtete sie. Es soll sogar zu medizinischen Notfällen mit Rettungswageneinsätzen vor Ort gekommen sein. Nun die Rolle rückwärts. All das sei nicht wahr. »Hallo ihr Lieben, ich möchte was klarstellen«, beginnt sie das kurze Video. Ihr sei etwas passiert, »was man eh nicht machen sollte und als Journalistin schon dreimal nicht: etwas weitererzählen, was man selbst nicht gesehen hat«.
Mini-Hohlspiegel
Videoanzeige in einer Straßenbahn in München
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Thomas Plaßmann
Und heute Abend?
Nils Landgren
Foto: Christian Charisius/ dpaKönnten Sie versuchen, noch Karten für ein Konzert am 14. Februar, dem Valentinstag, zu bekommen. Der schwedische Posaunist Nils Landgren wird einen Tag später 70 Jahre alt. Die Elbphilharmonie ehrt den Mann, der den zeitgenössischen europäischen Jazz entscheidend mitgeprägt hat, mit zwei Konzerten, bei denen ihn die Symphoniker Hamburg begleiten. Der Komponist und Arrangeur Vince Mendoza arrangierte einige von Landgrens bekanntesten Titeln für das große Orchester. Sollten Sie nicht aus Hamburg und Umland kommen oder kein Glück beim Kartenkauf mehr haben, hören Sie einfach so mal rein in die Musik des quirligen Schweden (hier bei einem Auftritt auf dem Festival Jazz Baltica 2002 mit der NDR Bigband).
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.



