1. Die milde 18
Außenminister Wadephul, Junge Union-Chef Winkel (beide CDU)
Foto:Kay Nietfeld / dpa
Bundeskanzler Friedrich Merz muss weiter um die Zustimmung zu seinem Rentenpaket bangen. Auch am Montag wollten sich die Rentenrebellen, 18 junge Abgeordnete der CDU, nicht festlegen. Im Gegenteil: In einem fünfseitigen Statement traten sie ihrem Chef unverhohlen gegen das Schienbein. »Als Junge Gruppe halten wir das Rentenpaket für nicht zustimmungsfähig«, heißt es darin.
Gleichwohl wird darin allen Aufmüpfigen freigestellt, ohne Gruppenzwang abstimmen zu dürfen. Das könnte entscheidend sein. Es steht viel auf dem Spiel: Arbeitsministerin Bärbel Bas hat den Fortbestand der Koalition an diese Entscheidung geknüpft. Die Verabschiedung des Gesetzentwurfs sei »wichtig, insbesondere natürlich für den Fortbestand der Koalition«, sagte die Parteichefin in Brüssel. Ansonsten bestehe die Gefahr, »dass wir kaum noch andere Gesetzgebung durchs Parlament bringen«.
Meine Kollegen Paul-Anton Krüger und Christian Teevs recherchieren derzeit bei der CDU, ihre Analyse lesen sie hier . Ein kurzes Stimmungsbild hat mir Christian auch schon geschickt: »Die Stimmung in der CDU ist schlecht. Junge-Union-Chef Johannes Winkel hat in der Vorstandssitzung seinem Frust Luft gemacht, nicht wenige Unionsabgeordnete sehen das Rentenpaket ebenfalls kritisch. Selbst wenn die Mehrheit der Koalition am Ende knapp steht: Merz hat in seiner eigenen Partei viel Vertrauen verloren. Das dürfte ihm das Regieren in den kommenden Monaten deutlich schwerer machen.«
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Der Druck wirkt
2. The Showmaster must go on
Thomas Gottschalk im Oktober 2024 in Köln
Foto: Christoph Hardt / Panama Pictures / IMAGOSich im richtigen Moment zurückzuziehen, ist eine Kunst. Thomas Gottschalk beherrscht sie offenbar nicht. Als Mitte November der Bambi verliehen wurde, war der einst gefeierte Moderator Teil der Show. Aber er verhaspelte sich, sprach auffallend langsam und nicht immer zusammenhängend. Die Künstlerin Cher kündigte er so an: »Hier ist sie, die einzige Frau, die ich in meinem Leben ernst genommen habe.« Aus dem Publikum erklangen Buhrufe.
Im Interview mit der »Bild«-Zeitung berichtete der ehemalige Showmaster nun, er leide an Krebs. Bei der Bambi-Verleihung habe er unter dem Einfluss starker Schmerzmittel gestanden, so Gottschalk. Erst da sei ihm und seiner Frau klar geworden, welche Nebenwirkungen die Medikamente hätten. Er fühle sich dadurch, »als würde ich mit meinem Kopf in einer Waschmaschine stecken«. Er bezeichnete es außerdem als Fehler, zugesagte Engagements und Verträge erfüllt zu haben, statt sich eine Pause zu gönnen.
Ein Auftritt aber geht offenbar noch, wie ein RTL-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa bestätigte. »Auf ausdrücklichen Wunsch von Thomas Gottschalk wird er gemeinsam mit Barbara Schöneberger und Günther Jauch noch einmal Seite an Seite mit dem Publikum einen unterhaltsamen Abschiedsabend von der großen Showbühne feiern«, wird der RTL-Sprecher zitiert.
Wie das zu der im »Bild«-Interview geäußerten Einsicht passt, muss mir bei Gelegenheit noch mal jemand erklären. Ich war nie ein Fan von Gottschalk, wünsche ihm aber trotzdem einen würdevollen Abschied. Die Spielshow am Samstag heißt »Denn sie wissen nicht, was passiert«. Hoffentlich ist der Name für ihn nicht im doppelten Sinne Programm.
Lesen Sie hier mehr: Thomas Gottschalk tritt trotz Krebserkrankung in RTL-Show auf
3. Die Rückkehr von Aids
HIV-Vorsorge bei Schwangeren in Südsudan: Aids ist mehr als nur eine Krankheit
Foto:Rick D Elia / ZUMA Press / IMAGO
Heute ist Welt-Aids-Tag. In Deutschland nehmen das wohl eher wenige Menschen wahr. Auch, weil die Krankheit in der westlichen Welt dank moderner Medikamente eingehegt worden ist. Inzwischen können HIV-positive Menschen sogar wieder ungeschützten Sex haben, weil sie, richtig behandelt, nicht mehr ansteckend sind.
Andernorts sieht es nicht so gut aus, in vielen Ländern ist Aids nach wie vor ein großes Problem, wie mein Kollege Johann Grolle schreibt: »Vor allem in Afrika grassiert die Seuche weiterhin.«
Dort könnte sich die Situation sogar dramatisch verschlechtern. Denn unter US-Präsident Donald Trump haben die USA fast alle internationalen Hilfen eingestellt. Gerade bei der Bekämpfung von HIV hatten sich die Amerikaner stark engagiert. Für das Aids-Hilfe-Programm PEPFAR, eines der erfolgreichsten Gesundheitsprogramme aller Zeiten, bedeutete Trumps Entscheidung das vorläufige Ende. Präsident George W. Bush hatte PEPFAR 2003 ins Leben gerufen; Schätzungen zufolge rettete das Programm insgesamt bis zu 26 Millionen Menschenleben.
Johann berichtet, wie internationale Forscher die Folgen einschätzen. Ohne PEPFAR »sei in vielen Ländern die Versorgung mit lebensrettenden Medikamenten akut gefährdet«, schrieben demnach Expertinnen und Experten im Fachblatt »The Lancet HIV«. Bis zum Jahr 2030, so die »Lancet«-Autoren, sei im schlimmsten Fall mit zusätzlich bis zu elf Millionen HIV-Infektionen und fast drei Millionen Aids-Toten zu rechnen.
Lesen Sie hier mehr: Ein Wundermittel gegen Aids. Und dann tritt Trump auf die Bremse
Was heute sonst noch wichtig ist
Kriege lassen bei Waffenherstellern die Kassen klingeln: Für Millionen Menschen sind die weltweiten Krisen und Kriege eine Katastrophe. In der Rüstungsbranche hingegen könnte es kaum besser laufen. Laut einer Studie fahren viele Firmen Rekordergebnisse ein.
Georgische Polizei soll Chemikalie aus Erstem Weltkrieg gegen Demonstrierende eingesetzt haben: Bei Protesten in Tiflis vergangenes Jahr sollen georgische Sicherheitskräfte laut einer BBC-Recherche Wasserwerfer mit einem chemischen Kampfstoff befüllt haben. Die Regierung weist die Vorwürfe zurück.
Autos auf deutschen Straßen dürfen künftig ferngesteuert werden: Ab Dezember ist es erstmals rechtlich möglich, Autos aus der Ferne zu bedienen. Die neue Straßenverkehr-Fernsteuerungsverordnung soll Carsharing und Robotaxis voranbringen.
Mehr als 150 Tote und 13 Festnahmen nach Brand in Hochhauskomplex: Zwölf Männer und eine Frau sind in Zusammenhang mit dem tödlichen Brand in Hongkong festgenommen worden. Bei der Renovierung der Gebäude wurden offenbar minderwertige Schutznetze eingesetzt.
Forscher warnen vor Gesundheitsrisiken bei Kinderspielzeugen: In manchen Spielzeugwaren stecken hormonaktive Stoffe, die Kinder gefährden können, besonders in alten oder billigen Produkten. Experten geben Tipps, worauf Eltern achten können und verlangen strengere Kontrollen.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Marcus Simaitis / laif
»Stromberg wird nicht die weichgespülte Speerspitze einer woken Bewegung«: Christoph Maria Herbst hat sich als Bernd Stromberg jahrelang durchs Büro geätzt und damit Ikonenstatus erreicht. Jetzt kommt er nach zehn Jahren Pause wieder auf die Leinwand. Aber passt er noch in die Gegenwart?
Was heute weniger wichtig ist
Komiker Yanar: »Auf die Familie konzentrieren«
Foto: BREUEL-BILD / IMAGOSchluss mit lustig: Komiker Kaya Yanar (»Was guckst du?!«), 52, beendet das Blödeln – zumindest auf den Bühnen hierzulande. »Ich bin jetzt 52 und gehe auf die 80 zu und möchte mich nun gern auf andere Projekte und vor allem auch auf meine Familie konzentrieren und deshalb die berufliche Reiserei an den Nagel hängen«, schrieb er in einer Mitteilung an seine Fans. Womöglich plant er in seiner Wahlheimat Schweiz weiterhin Auftritte. Darauf deutet ein Detail seiner Botschaft hin: »Liebe Leute, das war’s für mich mit meiner Bühnenkarriere in Deutschland.«
Mini-Hohlspiegel
Spammail mit Werbung für ein Nahrungsergänzungsmittel
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Thomas Plaßmann
Und heute Abend?
Falls Sie Fan von Quentin Tarantinos »Kill Bill«-Serie sind: Es gibt eine neue Folge! Allerdings nicht im Kino und in Spielfilmlänge, sondern im Game »Fortnite«. Zwölf Minuten ist das Filmchen namens »Yukis Revenge« lang. Ursprünglich hätte die Szene Teil der Kinofilme sein sollen, doch Tarantino, nun ja, killte sie.
Er habe sie damals nicht umsetzen können, »es war zu abgedreht, zu actionreich«, sagte er bei der Vorstellung der Kooperation in Los Angeles laut dem Branchenmagazin »Hollywood Reporter«.
In »Fortnite« konnte er sie nun verwirklichen. Mit von der Partie ist auch Uma Thurman. Sie lieh der animierten Figur der »Black Mamba« ihre Stimme und spielte die neuen Szenen mit Motion-Capture-Technik ein.
Ein Gastspiel bei »Fortnite« ist an sich nichts Besonderes: Musiker treten in dem Spiel auf, Künstlerinnen stellen dort aus, es gibt eine endlose Liste an Kooperationen. »Das verschollene Kapitel« ist allerdings eine von der originelleren Art. Falls Sie selbst nicht »Fortnite« spielen, fragen Sie Ihre Kinder. Vielleicht entsteht daraus ja ein Fernsehabend für die ganze Familie – mit den alten Filmen.
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Michail Hengstenberg, Autor im Kulturressort

