SpOn 18.02.2026
17:51 Uhr

News des Tages: Russland-Ukraine-Friedensgespräche, IT-Probleme bei der Deutschen Bahn, Rechtsstreit mit der Plattform X


Die Bahn macht einen Cyberangriff für IT-Probleme verantwortlich. Die Gespräche zwischen Russland und der Ukraine in der Schweiz sind beendet. Und Jan Böhmermann gewinnt einen Rechtsstreit mit X. Das ist die Lage am Mittwochabend.

News des Tages: Russland-Ukraine-Friedensgespräche, IT-Probleme bei der Deutschen Bahn, Rechtsstreit mit der Plattform X
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1. Qualifikation: Schwiegersohn

Zwei Tage lang wollten ukrainische und russische Vertreter in Genf verhandeln, um den Krieg zu beenden. Doch heute, am zweiten Tag, dauerten die Gespräche nur zwei Stunden, dann reiste die russische Delegation ab.

Trotzdem bezeichnete der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umjerow die Verhandlungen als substanziell. Es habe Fortschritte gegeben, und ‌eine Reihe von Fragen sei geklärt worden. Der russische Delegationsleiter Wladimir Medinski sprach von »schweren, aber sachlichen« Gesprächen. Eine neue Verhandlungsrunde sei geplant.

In zentralen Fragen liegen Moskau und Kyjiw allerdings immer noch weit auseinander. Moskau fordert einen vollständigen Rückzug Kyjiws aus der Industrieregion Donbass als Voraussetzung für ein Ende der Kämpfe. Die Ukraine lehnt das ab.

Vermittelt wurden die Verhandlungen von den USA; deshalb waren der Sondergesandte Steve Witkoff und der Schwiegersohn des US-Präsidenten Donald Trump, Jared Kushner, vor Ort. Die beiden waren an den Verhandlungen des Waffenstillstands im Israel-Gaza-Krieg beteiligt und treten nun immer häufiger als Verhandlungsteam auf. Mein Kollege Cornelius Dieckmann beobachtet die US-Außenpolitik. Er schreibt: »Selten ließ sich so eindeutig festhalten, wie sehr Donald Trump die Außenpolitik privatisiert hat. Während Witkoff immerhin offiziell für das Weiße Haus arbeitet, hat Kushner weder ein Amt noch einen Zuständigkeitsbereich. Er bekommt kein Gehalt, er ist kein Staatsbediensteter, er ist schlicht Jared Kushner.«


2. Weichenstörung, Eis – und jetzt auch noch ein Cyberangriff

Es gibt viele Tage im Jahr, an denen man an dieser Stelle konstatieren kann: Es läuft nicht bei der Deutschen Bahn. Ständig gibt es neue Gründe, weshalb die Züge zu spät kommen oder ganz ausfallen: Mal ist es das Wetter – Eis, Frost, Sturm, Hitze –, mal sind es die ganzen Baustellen, durch die das Schienennetz modernisiert werden soll. Dass heute mal wieder wenig funktioniert, hat aber einen anderen Grund: Die Bahn wurde nach eigenen Angaben von Hackern angegriffen.

Seit Dienstag kommt es zu Störungen mit Auskunfts- und Buchungssystemen der Deutschen Bahn. Heute meldet der Konzern, dass hinter den IT-Problemen eine sogenannte DDoS-Attacke steckt.

Die Abkürzung DDoS steht für »Distributed Denial of Service« und ist als Angriffsmethode schon sehr alt. Es handelt sich um orchestrierte massenhafte Serverabrufe, die diese überlasten und so außer Betrieb setzen sollen. Diese Attacken werden offenbar immer massiver. Das Unternehmen Cloudflare verzeichnete für 2025 bereits 47,1 Millionen solcher Attacken, 21,3 Millionen im Jahr zuvor.

Auch bei der Bahn kommt es regelmäßig zu Angriffen auf die IT-Infrastruktur. Die jüngsten Attacken seien jedoch »besonders massiv und in mehreren Wellen« erfolgt, sagte ein Insider dem SPIEGEL.

Nach SPIEGEL-Informationen werden russische Hacker hinter dem Angriff vermutet. Betroffen sind demnach nur Kundensysteme, keine kritischen Bahnsysteme.


3. Man vs. Machine

Der Satiriker Jan Böhmermann ist juristisch gegen das soziale Netzwerk X vorgegangen – und hat in einem ersten Schritt gewonnen. Er hat eine einstweilige Verfügung gegen Elon Musks Plattform erwirkt. Das Landgericht Köln untersagt es X, ein nicht von Böhmermann betriebenes Fakeprofil auf der Seite zu verbreiten oder öffentlich zugänglich zu machen.

Das Fakekonto, um das es geht, nutzte ein Profilbild des Entertainers und nannte sich »Jan Boehmermann (Parody) ZDF Neo Royale«. Durch den langen Namen war nicht unmittelbar erkennbar, dass es sich vermeintlich um ein parodistisches Konto handelt.

Wer das Konto betrieben hat, ist unklar. Doch offenkundig legte es der Account oft darauf an, in einem ähnlichen Tonfall wie der ZDF-Moderator zu schreiben. Nutzer kommentierten unter den Beiträgen immer wieder so, als gingen sie davon aus, dass es sich um ein echtes Konto handelt.

Meinem Kollegen Max Hoppenstedt hat Böhmermann gesagt, dass es ihm um ein grundsätzliches Signal zum Verhalten von X als Plattform gehe. In einer Stellungnahme schreibt er außerdem: »Kaum zu glauben, aber hier in Europa müssen sich tatsächlich auch megalomane Milliardäre aus Jeffrey Epsteins Insel-Freundeskreis an Recht und Gesetz halten.«

Das mag rein rechtlich stimmen. Aber auch nur, wenn jemand wie Böhmermann bereit ist, viel Geld und Zeit in den Kampf zu investieren.


Was heute sonst noch wichtig ist


Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

Grenzschützer gegen Demonstranten (in Portland): »Trump baut seine eigene SA auf, um Menschen auf den Straßen zu terrorisieren«

Grenzschützer gegen Demonstranten (in Portland): »Trump baut seine eigene SA auf, um Menschen auf den Straßen zu terrorisieren«

Foto: Carlos Barria / REUTERS

»Wir erleben jetzt, wie sich ein ganzes Land fast widerstandslos in eine Diktatur verwandelt«: Der Kalte Krieg? Ein Kinderspiel gegen das, was uns bevorsteht. So sieht es der US-Historiker Robert Kagan. Er sagt: Wir sind auf dem Weg in die gefährlichste Epoche seit 1945 .


Was heute weniger wichtig ist

Bill und Tom Kaulitz

Bill und Tom Kaulitz

Foto: Eventpress Kochan / IMAGO

Ein Hotel für Tokio Hotel: Die Zwillingsbrüder Tom und Bill Kaulitz, 36, können aufatmen: Die Hotelfrage für ihren Moderatorenjob bei »Wetten, dass..?« ist geklärt. Zumindest, wenn es nach Mark Lange geht. Das ist der Marketingchef der Stadt Halle (Saale), wo die ZDF-Show im Dezember stattfindet. »Wenn sie wirklich kein Hotel finden, bringe ich sie in meinem Gästezimmer unter. Da haben sie direkten Zugang zu Pool und Sauna.« Die Tokio-Hotel-Musiker hatten sich Sorgen gemacht, in der Stadt keine passende Übernachtungsmöglichkeit zu finden. In ihrem Podcast »Kaulitz Hills – Senf aus Hollywood« sagte Bill: »Das mit dem Schlafplatz, da bin ich noch ein bisschen skeptisch.«


Mini-Hohlspiegel

Aus dem »Hamburger Abendblatt«: »Zugleich ist illegale Einwanderung einer der zentralen Pfeiler von Trumps Regierungsprogramm.«

Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.

Cartoon des Tages

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Klaus Stuttmann


Und heute Abend?

Musiker Springsteen bei Konzert in Minneapolis Ende Januar

Musiker Springsteen bei Konzert in Minneapolis Ende Januar

Foto: Alex Kormann / ZUMA Press Wire / IMAGO

Der Sänger Bruce Springsteen hat eine neue US-Tour angekündigt, die schon Ende März in Minneapolis beginnen soll. Also ausgerechnet in der Stadt, in der ICE-Beamte innerhalb weniger Wochen zwei Menschen erschossen haben. Aus diesem Anlass könnten Sie den Film »Springsteen: Deliver Me from Nowhere« (2025) auf dem Streamingportal Ihrer Wahl anschauen. Jeremy Allen White spielt darin eine junge, depressive Version des Rockstars (hier  mehr über das Biopic). Das liegt lange zurück, heute gibt sich Springsteen meist kämpferisch. So wie in dem Video, in dem er seine Tour ankündigt: »Wir leben in dunklen, verstörenden und gefährlichen Zeiten. Aber verzweifelt nicht, die Kavallerie kommt!«


Einen schönen Abend. Herzlich

Ihre

Laura Backes, Autorin