SpOn 28.01.2026
17:51 Uhr

News des Tages: Razzia bei der Deutschen Bank, Sachsen-Anhalts Landeschef Schulze soll Demokratie retten, Komponist Philip Glass sagt Uraufführung in Kennedy-Center ab


Ermittler durchsuchen Gebäude der Deutschen Bank. Sven Schulze ist neuer Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt. Und Philip Glass sagt die Uraufführung seiner »Lincoln«-Sinfonie in Washington ab. Das ist die Lage am Mittwochabend.

News des Tages: Razzia bei der Deutschen Bank, Sachsen-Anhalts Landeschef Schulze soll Demokratie retten, Komponist Philip Glass sagt Uraufführung in Kennedy-Center ab
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1. Gegen die Banker gibt es offenbar den Verdacht der Geldwäsche

Der Manager Josef Ackermann war einst Chef der Deutschen Bank und hat in diesem Amt in einem Gespräch mit dem Spiegel im Jahr 2008 gesagt: »Wenn Sie alle Risiken vermeiden wollen, haben Sie bald keine Risiken mehr zu vermeiden, weil Sie nicht mehr im Geschäft sind.« (Lesen Sie hier das ganze Interview.)

Die Deutsche Bank war zuletzt offenbar ganz gut im Geschäft, aktuell fragen sich viele Menschen, ob sie dabei juristische Risiken eingegangen ist. Heute morgen hat das Bundeskriminalamt im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Zentrale der Bank in Frankfurt am Main sowie einen Standort des Geldhauses in Berlin durchsucht. »Es geht um mutmaßliche Geldwäsche. Eine Rolle soll auch der russische Oligarch Roman Abramowitsch spielen«, berichten meine Kollegen Matthias Bartsch, Tim Bartz und Roman Lehberger (hier mehr dazu). Abramowitsch, der seit 2022 auf der Sanktionsliste der Europäischen Union steht, hat über seinen Anwalt erklären lassen, ihm sei nichts von Ermittlungen deutscher Behörden gegen ihn bekannt. Er habe »stets im Einklang mit den geltenden nationalen und internationalen Gesetzen und Vorschriften gehandelt«.

Offenbar droht der Deutschen Bank ein neuer Finanzskandal. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main teilte mit, die Behörde führe »gegen bislang unbekannte Verantwortliche und Mitarbeiter der Deutschen Bank« ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Geldwäsche.

»Ich habe heute Morgen im kalten Nieselregen vor dem Doppelturm der Deutschen Bank gestanden und zugeschaut, wie etwa 30 Fahnder um kurz nach 10 Uhr reingegangen sind«, sagt mein Kollege Matthias Bartsch. Die Ermittler hatten Rucksäcke, große Taschen und graue Plastikboxen dabei. »Was sie rausgeholt haben, werden wir wohl erst in einigen Wochen genau wissen. Für die Deutsche Bank, die für morgen zu ihrer Bilanzpressekonferenz eingeladen hat, ist das mehr als unangenehm. Eigentlich wollte sich der Vorstand dort für einen hohen Gewinn feiern lassen. Nun werden wieder Erinnerungen an die vielen Skandale der Bank in der Vergangenheit wach.«


2. Sven Schulze soll in Sachsen-Anhalt die liberale Demokratie retten

Die Wahl verlief heute glatt und mit klarer Mehrheit: Sven Schulze (CDU) ist der neue Ministerpräsident in Sachsen-Anhalt. Er übernimmt das Amt von seinem Parteikollegen Reiner Haseloff, dessen Koalition aus CDU, SPD und FDP er ohne personelle Änderung geerbt hat (hier mehr dazu ). »Ein Amtsbonus soll CDU-Spitzenkandidat Schulze den entscheidenden Vorteil verschaffen – nachdem Regierungschef Haseloff sich lange partout geweigert hatte, ihm die Amtsgeschäfte frühzeitig zu übergeben«, berichtet mein Kollege Peter Maxwill aus Magdeburg. »Schulze muss nun im Eiltempo das Regieren lernen, parallel einen harten Wahlkampf führen und schließlich verhindern, dass in Deutschland erstmals seit 1945 Rechtsextremisten wieder eine Regierung bilden. Auf dem Spiel steht nicht weniger als die liberale Demokratie.«

Die Aufgabe, die jetzt vor Schulze liegt, ist gewaltig. Die CDU will am Wahltag vor den Rechtsextremen liegen, sämtliche Direktmandate gewinnen und danach eine stabile Regierung bilden. Man kann das ambitioniert finden – oder schlichtweg illusorisch. Die AfD lag in Umfragen zuletzt bei 40 Prozent und damit mehr als zehn Prozentpunkte vor der CDU.

»Schulze erzählt gern, dass die Ausgangslage vor der Landtagswahl 2021 ähnlich gewesen sei, dass auch damals die AfD in Umfragen vorn gelegen und trotzdem am Wahltag verloren habe«, schreibt mein Kollege Peter. »Nur: Damals trat eben Landesvater Haseloff an, auf den die CDU ihren Wahlkampf komplett ausrichtete – und so desaströs wie derzeit waren die Umfragen aus konservativer Sicht bei Weitem nicht.«


3. Die »Lincoln«-Sinfonie soll wegen Trumps Kulturpolitik anderswo herauskommen

Der bis heute von vielen Menschen verehrte 16. US-amerikanische Präsident Abraham Lincoln war berühmt für seinen Witz und soll gesagt haben, für eine gelungene Staatsführung brauche es »die kluge Verwendung persönlicher Niedertracht für das Allgemeinwohl«.

Im Juni sollte in Washington im Kennedy Center, das nach Ansicht eines nicht allzu klug wirkenden aktuellen US-Präsidenten nun in Trump Kennedy Center umbenannt werden soll, die Uraufführung einer »Lincoln«-Sinfonie des weltberühmten US-Komponisten Philip Glass stattfinden – aus Anlass des 250. Jahrestages der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung der USA. Nun hat der Komponist die Premiere abgesagt (hier mehr dazu).

Glass ist 88 Jahre alt zählt zu den wichtigsten zeitgenössischen Komponisten. Trump habe dem Kulturzentrum als Vorsitzender des Direktoriums Werte aufgepfropft, die der Botschaft der »Lincoln«-Sinfonie widersprächen, so der Komponist. Glass ist mit Opern wie »Einstein on the Beach« und Filmmusik etwa zu »Kooyanisqatsi« berühmt geworden.

Über das Kennedy Center in Washington hat mein Kollege Sebastian Hammelehle vergangenes Jahr in einer Reportage geschrieben, der Streit um das wichtigste US-Kulturzentrum stehe »für die Abgründe im Land«. (Lesen Sie hier die Reportage .)

Schon seit Trumps Inauguration haben zahlreiche Künstlerinnen, Künstler und Gruppen Auftritte im Kennedy Center abgesagt. Am Freitagabend wird dort der rote Teppich ausgerollt für die Premiere der Dokumentation über Donald Trumps Ehefrau Melania.


Was heute sonst noch wichtig ist


Meine Lieblingsgeschichte heute: Wut und Würde

»Dschungelcamp«-Teilnehmerin Ariel: »Ich kann nämlich auch schreien UND Sterne holen«

»Dschungelcamp«-Teilnehmerin Ariel: »Ich kann nämlich auch schreien UND Sterne holen«

Foto: Tag 5 / RTL

Mit bewundernswerter Blödsinnstoleranz stürzt sich meine Kollegin Anja Rützel ins aktuelle »Dschungelcamp«-Gewimmel und berichtet mit Kennerinnenschaft und Einfühlungsvermögen etwa über den jüngsten Auftritt eines Campers:

»Umut hat Mauern um sein Herz gebaut, so sagt man das im Trash-TV, und das Gespräch mit Stephen rutscht in laientherapeutisches Signalwort-Dropping. Umut schildert eine Biografie der Enttäuschung, spricht von Angst vor Nähe und Flucht vor emotionalem Schmerz. Man würde ihm gern glauben, dass das keine zurechtgelegte, planmäßige Deepness-Bohrung ist. Aber Umut ist eben auch der Mann, der in seinen vorherigen Formaten auffällig grob agierte und Beziehungen nicht nur abbrach, sondern öffentlich zerschmetterte. Stephen ordnet vieles davon später im Dschungeltelefon erstaunlich klarsichtig ein. Im Gespräch mit Umut flutscht ihm allerdings ein unerfreuliches Pseudoromantik-Klischee heraus: Vielleicht, sagt er, war nur die richtige Frau noch nicht dabei. Man kennt dieses leidige Narrativ: die Frau als fürsorgliche Abrissbirne.«

Herrlich!

»Die Frau, die heilt, die Frau, die bleibt, die Frau, die genug liebt, um das emotionale Trümmerfeld zu renaturieren. Aber eine Beziehung ist idealerweise keine Rehaklinik. ›Vielleicht war einfach noch nicht die richtige Therapie dabei‹ – das wäre mal ein Satz gewesen.«


Was heute weniger wichtig ist

Marco Rubio an Bord der »Air Force One« (am 21. Januar in Zürich): »Ich sehe aus wie eine Mumie«

Marco Rubio an Bord der »Air Force One« (am 21. Januar in Zürich): »Ich sehe aus wie eine Mumie«

Foto:

Mandel Ngan / AFP

Eckstein, einer muss versteckt sein: US-Außenminister Marco Rubio, 54, verbirgt sich während seinen Nickerchen an Bord der Präsidentenmaschine »Air Force One« gern vor seinem Chef Donald Trump unter einer Decke. Er wickle sich komplett ein und verhülle auch seinen Kopf, so dass er »wie eine Mumie« aussehe, erzählte Rubio im Gespräch mit dem Magazin »New York« – er tue das aus Sorge, sein Chef könnte ihn ertappen. »Ich möchte nicht, dass er seinen Außenminister auf einer Couch schlafen sieht und denkt: ›Oh, dieser Kerl ist schwach.‹«


Mini-Hohlspiegel

Von SPIEGEL.de: »Die physische Distanz zum Gadget macht für mich den entscheidenden Unterschied. Ich erstelle mir noch einen ›Feierabend-Modus‹ und einen ›Schlafmodus‹ ein – und mein Smartphone darf sogar wieder auf meinen Nachtisch.«

Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.

Cartoon des Tages

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Klaus Stuttmann


Und heute Abend?

Könnten Sie sich mit der Kunst der Popsong-Lyrik beschäftigen. Der britische Schauspieler James McNicholas trägt die Texte von Popsongs so tief emotional vor, als wären sie Verse von Shakespeare – und ist damit auf Instagram zum Star geworden. Aus berühmten Hits entlehnte Verse wie »Everybody was kung fu fighting / those cats were fast as lightning« intoniert der Schauspieler mit tollem Pathos als sogenannte »Songologues«. McNicholas sucht, sagt er, nach »versteckter Tiefe in flachen Popsongs« und finde manchmal eine »emotionale Wahrheit« – meistens aber große Komik.


Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort