1. Doch nicht ausgetrickst
Öltanker »Bella 1«
Foto:Hakon Rimmereid / REUTERS
Wochenlang hatte das US-Militär einen Öltanker aus Venezuela verfolgt. Nun haben Spezialkräfte das Schiff geentert. Das Schiff hat derzeit keine Ladung, transportierte aber in der Vergangenheit venezolanisches Rohöl. Die Besatzung habe keinerlei Widerstand geleistet oder Feindseligkeiten verursacht, so ein Beamter gegenüber der »New York Times«.
Seit Mitte Dezember blockieren die USA die Öltanker, die aus Venezuela kommen oder mutmaßlich dorthin wollen. Das Schiff soll die Blockade ausgetrickst haben, indem es Namen und Beflaggung änderte. Nachdem die US-Küstenwache im vergangenen Monat in der Karibik versucht hatte, die »Bella 1« zu entern, änderte das Schiff drastisch seinen Kurs – und seinen Namen. Berichten zufolge fuhr es seitdem unter russischer Flagge und war unter dem Geleit eines russischen U-Boots als »Marinera« im Nordatlantik unterwegs.
Russlands Außenministerium hatte bereits am Morgen erklärt, es beobachte die Situation »mit Sorge«. Das Schiff fahre in internationalen Gewässern und segele unter russischer Flagge. Es halte sich an alle Regeln. »Für uns ist unklar, warum ein russisches Schiff erhöhte und in jedem Fall unverhältnismäßige Aufmerksamkeit des US-Militärs und der Nato erhält«, hieß es aus Moskau.
Lesen Sie hier mehr zu den Hintergründen: Auf diese Bodenschätze hat es Trump in Venezuela abgesehen
2. Den Glauben an das BSW verloren
Robert Crumbach, brandenburgischer Vizeministerpräsident und Finanzminister, hat am Montag seine Partei, das BSW, verlassen. Gestern wurde das Ende der Koalition verkündet. Im Interview mit meinen Kolleginnen Frauke Böger und Anna Reimann erklärt Crumbach nun genauer, was ihn zu der Entscheidung bewegt hat. Es gehe um eine »Personalangelegenheit«, die Medienstaatsverträge und den Unwillen der BSW-Fraktion, ernsthaft zu regieren.
Crumbach spricht nicht nur über seine Beweggründe, sondern teilt heftig gegen seine Ex-Partei und deren Gründerin Sahra Wagenknecht aus. Nachdem das BSW den Einzug in den Bundestag extrem knapp verpasst habe, sei er zwar wie sie dafür, das Ergebnis neu auszählen zu lassen. Aber die Abgeordneten, die gegen eine Neuauszählung seien, als »Demokratieverächter« zu bezeichnen, wie Wagenknecht es getan hat, gehe nicht. »Wir leben in einem Rechtsstaat und so zu tun, als täten wir das nicht, verbietet sich«, so Crumbach.
Über die Partei selbst fällt Crumbach, der vorher 41 Jahre lang in der SPD war, ein noch härteres Urteil: »Das BSW taugt zu gar nichts mehr. Nicht mal zur Opposition. Es gibt keinen Gestaltungswillen mehr in der Partei.«
Die Härte seiner Wortwahl habe sie am meisten überrascht, sagt meine Kollegin Frauke: »So kannte ich ihn bisher nicht.« Crumbach klingt jedenfalls wie jemand, der schon länger genug hat und aus dem nun alles herausbricht, was er lange heruntergeschluckt hat.
Wie es für ihn persönlich weitergeht, ist offen. Die SPD-Fraktion hat ihn als Parteilosen aufgenommen.
Hier das ganze Interview: »Das BSW taugt zu gar nichts mehr«
3. Endlich wieder Strom
Glückwunsch nach Berlin! Die Hauptstadt ist, bis Sie diesen Newsletter lesen, hoffentlich wieder vollständig an die Stromversorgung angebunden. Seit heute Vormittag wurden die Stromnetze im Westen der Stadt schrittweise wieder hochgefahren. Die Behörden warnten zwar davor, direkt Geräte mit starkem Stromverbrauch zu nutzen, etwa Waschmaschinen oder Ladestationen für E-Fahrzeuge. Aber ich nehme an, das ist verschmerzbar, solange die Heizungen endlich wieder anspringen und man um 16.30 Uhr das Licht einschalten kann.
Derweil haben sich die, die mutmaßlich für das Chaos verantwortlich sind, noch einmal zu ihren Beweggründen geäußert. In einem zweiten Bekennerschreiben auf dem linken Portal knack.news weist eine »Vulkangruppe« Spekulationen über die Beteiligung eines ausländischen Staates – zum Beispiel Russland – zurück. »Dass Menschen hier vor Ort in der Lage sind, Infrastruktur anzugreifen, passt nicht ins Sicherheitsnarrativ von Politik und Behörden«, heißt es in dem Schreiben. »Also wird ein äußerer Feind konstruiert.«
Nach SPIEGEL-Informationen liegen den deutschen Behörden derzeit keine Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich bei dem Anschlag um eine »False Flag«-Aktion eines ausländischen Geheimdienstes handelt.
Die Bundesanwaltschaft hat mittlerweile die Ermittlungen in dem Fall übernommen. Sie ermittelt wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, der verfassungsfeindlichen Sabotage, der Brandstiftung und der Störung öffentlicher Betriebe. Dafür müssen sie aber erst mal herausfinden, wer konkret hinter dem Anschlag steckt. Fraglich, ob es jemals so weit kommt.
Lesen Sie hier mehr: Wer steckt hinter der »Vulkangruppe«?
Was heute sonst noch wichtig ist
Dax springt erstmals über Marke von 25.000 Punkten: Anleger haben noch Hoffnung für die deutsche Wirtschaft: An der Frankfurter Börse hat der Leitindex Dax erstmals die 25.000-Punkte-Marke geknackt. Auch der Ölpreis spielt eine Rolle.
CDU will Steuern schneller senken: Die Wirtschaft schwächelt, die Stimmung im Land ist mies: Die CDU drängt auf schnellere Entlastungen für Unternehmen, dämpft aber zugleich die Erwartungen.
In NRW sollen bis zu zehn Zentimeter Neuschnee fallen: Die Wetterlage in Norddeutschland beruhigt sich, doch über dem Atlantik braut sich schon wieder etwas zusammen. Der Westen muss sich auf noch mehr Schnee einstellen, der Südosten auf minus 15 Grad. Der Überblick.
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
Screenshot aus einem Video von AutoTopNL: »Dieser Lkw wird sich für immer an diese Sekunde erinnern«
Foto:AutoTopNL / youtube
Rasen für die Reichweite: Mehr als 300 Kilometer pro Stunde: Auf Social Media rasen Influencer an Familienautos vorbei, die Behörden schauen weitgehend tatenlos zu. Was dahintersteckt.
Was heute weniger wichtig ist
Keith Urban und Nicole Kidman (Mai 2025)
Foto: LM Otero / LM Otero Invision / APGetrennte Wege: Schauspielerin Nicole Kidman, 58, und Countrysänger Keith Urban, 58, sind nach 19 Jahren Ehe offiziell geschieden. Eine Richterin im US-Bundesstaat Tennessee erließ bei einer Anhörung eine entsprechende Verfügung zur Scheidung der beiden. »Unüberbrückbare Differenzen« machten demnach eine Fortführung der Ehe unmöglich. Die Trennung der Superstars kam für die Öffentlichkeit überraschend, war jedoch offensichtlich schon länger in Vorbereitung.
Mini-Hohlspiegel
Die »Hannoversche Allgemeine Zeitung« über den Trainer der TSV Hannover-Burgdorf: »Fakt ist: Prokop war gegen Minden noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte. Der 46-Jährige war eine Woche lang wegen eines Magen-Darm-Effekts ausgefallen.«
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Thomas Plaßmann
Und heute Abend?
Sarg der französischen Filmikone Brigitte Bardot in Saint-Tropez
Foto: Valery Hache / AFPKönnten Sie einen alten Film mit Brigitte Bardot anschauen, zum Beispiel »Mit den Waffen einer Frau«. Bardot ist Ende Dezember mit 91 Jahren gestorben; sie war eine der bekanntesten Schauspielerinnen der Welt, Serge Gainsbourg sang einst über sie (»Je t’aime… moi non plus«).
Heute wurde die Französin in Saint-Tropez beerdigt. Auch Rechtspopulistin Marine Le Pen nahm an der Feier teil, die Macrons fehlten. In »Mit den Waffen einer Frau« spielte sie 1958 an der Seite von Jean Gabin. Mein Kollege Arno Frank schrieb in seinem Nachruf über den Film: »In diesem Drama reichen sich das alte und das neue französische Kino gewissermaßen die Hand.«
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihre Laura Backes, Autorin


