1. Wie der Vater, so der Sohn?
Ajatollah-Sohn Mojtaba Khamenei: Welche Rolle spielt er künftig in Iran?
Foto: NurPhoto / Getty ImagesIm Nachrichtenstrudel über den Irankrieg verliert man leicht die Übersicht. Allein in den vergangenen Stunden versetzte Aserbaidschan seine Streitkräfte in Einsatzbereitschaft, forderte Israel die Einwohner Beiruts auf, ihre Häuser zu verlassen, schloss Kanada eine Kriegsbeteiligung nicht aus. Außerdem wurde bekannt, dass Irans Bomber wohl nur zwei Minuten von der größten US-Basis im Nahen Osten in Katar entfernt waren (mehr aktuelle News finden Sie hier).
Ich freue mich deshalb besonders über die Stücke meiner Kolleginnen und Kollegen, die das Geschehen einordnen, mich an die Hand nehmen und mir die Hintergründe erklären. So wie dieser Text von Julia Amalia Heyer, in dem sie aufdröselt, wieso US-Präsident Donald Trump plötzlich die Zerstörungswut gepackt hat. Nachdem er doch damit angetreten war, Kriege zu beenden. Oder dieser hier , in dem ein SPIEGEL-Team der Frage nachgeht, ob das Regime in Teheran nach dem Tod von Ajatollah Ali Khamenei wirklich zusammenbrechen kann.
Einiges spricht dagegen. Denn wie meine Kollegin Susanne Koelbl berichtet, rückt dessen Sohn Mojtaba Khamenei ins Zentrum der Machtkämpfe um die Führung in Iran. Ausgerechnet sein Vater hätte das zwar nicht gewollt – er war strikt gegen eine dynastische Nachfolge –, doch für Militär und Businesselite wäre Mojtaba Khamenei die beste Wahl.
Hier mehr über den Sohn des Ajatollahs: Wird Khameneis Sohn Irans neuer starker Mann?
2. Grabenkämpfe
Seit Wochen geht es rund bei der AfD. Fast täglich produziert die rechtsextreme Partei Schlagzeilen, auf die sie wahrscheinlich gern verzichten würde. Es geht um Partnerinnen, Verwandte und Bekannte, die von Amts- und Mandatsträgern der AfD beschäftigt werden. Selbst der Vorwurf der Untreue steht im Raum.
Noch sind die Umfragewerte einigermaßen stabil. Aber in der Partei wird so heftig gestritten wie seit Jahren nicht mehr, hat meine Kollegin Ann-Katrin Müller herausgefunden. Die Rede ist von einem »extremen Gemetzel«. (Mehr dazu hier. )
Womöglich kann die sogenannte Verwandtenaffäre sogar der Parteispitze gefährlich werden. Oder zumindest einem: Tino Chrupalla. Denn aus dessen Lager sind auffällig viele AfDler durch die Skandale angeschlagen. Das schwächt seine Position innerhalb der Partei. Und gefährdet seine Wiederwahl als Co-Parteivorsitzender neben Alice Weidel beim Bundesparteitag im Juli in Erfurt.
Heute wurde übrigens auch bekannt, dass der mysteriöse AfD-Gönner Henning Conle Zürichs größter privater Grundbesitzer ist (hier die Recherche). Laut Grundbuchakten besitzt Conle allein in Zürich mehr als 1250 Wohnungen. Sein Immobilienportfolio wird auf umgerechnet rund 1,3 Milliarden Euro geschätzt. Conle soll der AfD im Bundestagswahlkampf 2025 eine riesige Plakatkampagne im Wert von 2,35 Millionen Euro spendiert haben, wohl verdeckt durch einen Mittelsmann. Peanuts für einen wie ihn. Und nicht die erste mysteriöse Großspende, mit der er in Verbindung gebracht wird. SPIEGEL-Anfragen zu den Spendenvorgängen ließ der Milliardär seit Jahren unbeantwortet.
Hier mehr über das Rumoren in der AfD: Jetzt könnte es in der AfD sogar für Parteichef Chrupalla eng werden
3. Unglücklicher Zufall oder Masche?
Bedienen sich Modekonzerne wie H&M einer Masche, um Ältere, Schwerbehinderte, Mütter und Betriebsräte vor die Tür zu setzen? Das behaupten zumindest mehrere ehemalige Mitarbeiterinnen aus Nürnberg.
Dort residierte rund ein Vierteljahrhundert lang eine H&M-Filiale in der Einkaufsmeile. Im Mai 2024 eröffnete eine weitere Filiale, keine 200 Meter weiter. Kaum ein Jahr später kündigte H&M an, die Altfiliale zu schließen. Die mehr als 60 Angestellten wurden bis auf wenige Ausnahmen nicht übernommen, sondern einige Monate später gekündigt.
Unter den Aussortierten sind laut Betriebsrat und Ver.di auffallend viele langjährige Mitarbeitende, Alleinerziehende, Betriebsräte und Schwerbehinderte. Angestellte, die vergleichsweise teurer oder weniger flexibel sein dürften als junge, oft ungelernte Kräfte. H&M weist »den Vorwurf, sich von bestimmten Personengruppen trennen zu wollen, entschieden zurück«.
Meine Kolleginnen Katharina Koerth und Anna Ehlebracht haben den Fall recherchiert. »H&M wehrt sich sehr gegen die Vorwürfe. Aber die Frage, warum die Mitarbeitenden nicht mit in die neuen Filialen umziehen durften, bleibt offen«, sagt Katharina. Und: dass es Hinweise darauf gebe, dass H&M und Wettbewerber wie Zara an anderen Standorten ähnlich vorgehen.
Hier die ganze Recherche: Das Filialkarussell – wie H&M und Co. offenbar unliebsame Mitarbeitende loswerden
Was heute sonst noch wichtig ist
Bundestag stimmt für Bürgergeldreform: Striktere Regeln, schnellere Leistungskürzungen: Der Bundestag hat die Einführung einer neuen Grundsicherung beschlossen. In der Debatte verteidigten Koalitionsvertreter das Vorhaben. Kritik kam auch von Sozialverbänden.
Deutschlands Renten steigen um 4,24 Prozent: Rund 23 Millionen Rentnerinnen und Rentner dürfen sich auf mehr Geld vom Staat freuen. Bei einer Standardrente gibt es ab dem Sommer monatlich ein Plus von 77 Euro. Der Grund: die gute Lohnentwicklung.
Putin erwägt sofortigen Stopp der Gaslieferungen in die EU: Die EU hat sich zu einem Stopp der Gaslieferungen aus Russland bis Ende 2027 durchgerungen. Nun droht Kremlchef Putin damit, den Hahn selbst schon früher abzudrehen.
US-Gericht verpflichtet Trump-Regierung zur Rückzahlung illegal erhobener Zölle: Importeure haben in den USA Anspruch auf Rückzahlung illegal eingetriebener Zölle, wie nun ein Gericht entschieden hat. US-Finanzminister Bessent kündigt derweil einen neuen Zollsatz an, »wahrscheinlich« noch diese Woche.
Mein Lieblingsvideo heute: Von Face Swaps und Deepfakes
Ghislaine Maxwell in Kanada? Jeffrey Epstein in Israel? Seit der Veröffentlichung der Epstein-Files kursieren unzählige KI-Bilder auf Social Media. In diesem Video erklärt unsere Dokumentarin Friederike Röhreke, wie man nicht auf die falschen Bilder hereinfällt.
Sehen Sie hier das Video: Wie man KI-Fakes zum Fall Epstein erkennt
Was heute weniger wichtig ist
Sängerin Fischer: »Eine unglaublich besondere Anerkennung«
Foto:Mattel
I’m a Barbie Girl: Die Sängerin Helene Fischer, 41, bekommt ihre eigene Barbie-Puppe und verbindet damit eine Botschaft an junge Mädchen. Anlässlich des Weltfrauentags bekommen weltweit sieben weitere Frauen ihre eigene Puppe, darunter US-Tennislegende Serena Williams, 44. Auf Instagram schrieb Fischer, sie wolle jedem jungen Mädchen sagen: »Hört auf euer Herz und vertraut eurem Bauchgefühl, denn die Antworten liegen bereits in euch. Glaubt an euch selbst«.
Mini-Hohlspiegel
Aufdruck auf einer Packung Schraubendreher der Heinrich Betz International Werkzeugfabrik GmbH
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages: Immer mehr Ältere nutzen Social Media: Ob das gut geht?
»Wir haben alle Lesebrillen von Papa eingesackt, anders war seiner Instagram-Sucht nicht beizukommen!«
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Foto: Helena Baumeister / DER SPIEGELUnd heute Abend?
Könnten Sie ins Kino gehen. Denn heute startet »Gelbe Briefe«. Der Film des Berliner Regisseurs İlker Çatak hat gerade erst bei der Berlinale den Goldenen Bären gewonnen. Çatak erzählt darin die Geschichte eines türkischen Künstlerpaares in Ankara. Das Paar positioniert sich politisch, verliert seine Arbeit und gerät in materielle Not. »Gelbe Briefe« sei ein »starkes und packend inszeniertes Kino-Statement über staatliche Willkür«, schreibt mein Kollege Andreas Borcholte. (Hier seine Rezension. ) Er versteht das Politdrama auch als Mahnung: »Wir sollten uns in unserer demokratischen Gesellschaft nicht zu sicher fühlen«.
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihre Laura Backes, Autorin



