1. Laschet oder Pistorius, Hauptsache Grönland!
Trump vor US-Soldaten in North Carolina: Genuuk-Tuung
Foto:Melissa Sue Gerrits / Getty Images
»Ein Vergnügen, den Verteidigungsminister zu treffen, Boris Pistorius«, hat die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas über ihre Social-Media-Accounts verbreiten lassen. Dazu ein Foto von sich beim Besuch in Berlin, neben ihr steht – Armin Laschet. Ups. Ein Fehler, der vielen schon passiert ist. Der Ex-Kanzlerkandidat der Union und der SPD-Minister sehen einander einfach zu ähnlich. Die »taz« hat daraus im letzten Wahlkampf einen schönen Gag gemacht: Als es in der SPD rumorte, ob nicht doch Pistorius Kanzlerkandidat werden sollte (statt Olaf Scholz, die Älteren erinnern sich), druckten sie ein Foto von Pistorius auf den Titel mit der Zeile »Laschet wieder im Gespräch!« (Hier mehr dazu.)
Pistorius, der echte, hat bei den Kolleginnen und Kollegen der »Zeit« heute die US-Pläne zur Übernahme Grönlands kritisiert (hier mehr). Das scheint Trump kaum mehr zu beeindrucken, als wenn ein Schwippschwager Laschets dasselbe im Blog eines transatlantischen Kegelvereins kundgetan hätte. Jedenfalls bekräftigte der US-Präsident heute erneut seinen Anspruch auf Grönland, dieses Mal mit der Begründung, die Insel sei notwendig für das Flugabwehrsystem »Golden Dome« (hier mehr).
Grönland selbst ist zum Hotspot geworden für Journalistinnen und Journalisten aus aller Welt, wie meine Kollegin Katrin Kuntz sagt: »Es wirkt in der Hauptstadt Nuuk fast, als wären mehr Reporter als Grönländer auf den Straßen.« (Hier mehr dazu .) Schüchtern erzählen die Bewohner von ihren Sorgen, berichten von schlechtem Schlaf, Albträumen von Donald Trump; einige denken bereits über Flucht nach. Katrin, mit Mütze und dicker Jacke gut eingepackt, wurde in einem Einkaufszentrum selbst von einem italienischen Fernsehteam angesprochen, konnte aber dann schnell klären, dass sie genauso wenig für die Grönländer spricht wie Laschet für Pistorius.
Hier mehr Hintergründe: »Die Amerikaner machen ihre eigene Weltordnung zunichte«
2. Frank und frei?
Der Södersche Vorstoß zur Neuordnung Deutschlands erzeugt ein gemischtes Echo. Der bayerische Ministerpräsident hatte sich gestern auf der Winterklausur der CSU-Landtagsfraktion beschwert, Bayern und andere Bundesländer würden kleinere – ihm zufolge kaum lebensfähige – Bundesländer bezahlen. Welche Neuordnung oder welche Zusammenlegungen ihm vorschweben, sagte Söder allerdings nicht. Es könnte sein, dass in Bremen und im Saarland der ein oder andere trotzdem gezuckt hat. Der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Sven Schulze, war jedenfalls nicht begeistert: »Von einer neuen Diskussion zur Länderfusion halte ich nichts – es wird bei uns kein Bundesland Mitteldeutschland geben.«
Die unterhaltsamste Reaktion kommt vom Fränkischen Bund – der fordert jetzt ein eigenes Bundesland Franken. Man begrüße es, dass Söder die Neugliederung der Länder anspreche, allerdings denke er »genau in die falsche Richtung«, schreibt der Verein. Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg oder Bayern seien zu groß.
Mehr Hintergründe hier: Fränkischer Bund kontert Söder mit »Franxit«
3. Halbgares Zeugnis
Wie war das mit den guten Vorsätzen und ausgewogener Ernährung? In Deutschland werden nicht weniger, sondern immer mehr Fertiggerichte produziert, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Allerdings verbringen die Menschen in Deutschland dadurch nicht noch weniger Zeit damit, ihr Essen zuzubereiten. 41 Minuten pro Tag sind es der Erhebung zufolge, vor zehn Jahren waren es 40 Minuten (hier mehr).
Meine Abneigung gegen viele Fertiggerichte ist geprägt durch Jobs in der Küche. Die letzten Jahre meiner Schulzeit und die ersten Jahre meines Studiums schlug ich mich in der Berliner Gastronomie durch, erst als Spüler, dann als, nun ja, Koch. Einen Sommer lang schuftete ich in einem Laden, dessen Geschäftsmodell so aussah: Wir verfütterten billiges Essen für viel Geld an möglichst viele Touristen, die in Reisebusladungen durchgeschleust wurden. Nie hatte ich mit so vielen Fertiggerichten zu tun wie dort: Tiefkühl-Kohlrouladen machten wir im Dampfgarer heiß, das Putencurry aus der Dose verlängerten wir mit Wasser und Ananas-Saft. Die Kunden sahen wir nie wieder; das war dem Chef egal. Nur einmal kochten wir dort frisch: als der Inhaber die Reiseveranstalter und Busfahrer bewirten ließ.
Immer wieder warnen Forscherinnen und Forscher vor sogenannten hoch verarbeiteten Lebensmitteln. Doch die Skepsis wächst, ob solche Pauschalurteile sinnvoll sind. Meine Kolleginnen Alina Schadwinkel und Antje Windmann haben vor einiger Zeit mit einem Lebensmittelchemiker darüber gesprochen, der findet: Verbraucher werden zu Unrecht verunsichert.
Hier das ganze Gespräch: »Wenn Sie vier Wochen lang nur Kopfsalat essen, bekommen Sie auch Probleme«
Was heute sonst noch wichtig ist
Greifen wir im Supermarkt bald zum »Deutschlandkorb«? Der »Deutschlandkorb« soll ein Angebot erschwinglicher Grundnahrungsmittel im Supermarkt garantieren. Welche Erfahrungen Griechenland mit dem Modell hat, was Händler und Experten davon halten – der Überblick .
Wird Erfan Soltani hingerichtet? Am Mittwoch soll der iranische Demonstrant Erfan Soltani sterben, so will es Berichten zufolge das iranische Regime. Es wäre die erste offizielle Hinrichtung im Rahmen dieser Protestwelle. Viele weitere könnten folgen .
Bundestag verweigert sieben AfD-Mitarbeitern die Hausausweise: Kein Zugang für Verfassungsfeinde: Der Bundestag greift härter durch als bisher bekannt. Künftig soll gesperrten Mitarbeitern auch das Geld abgedreht werden .
Meine Lieblingsgeschichte heute: Einer log übers Tennisnetz
Nach eigenen Angaben immer erreichbar: »Wenn das Handy da liegt«, versicherte Wegner, »hört man es selbstverständlich. Ich bin dann immer mal wieder zur Bank gegangen und habe geguckt: Gibt es eine Nachricht? Ist was passiert? Gibt es was Neues?«
Foto: Soeren Stache / dpaAls Zehntausende Berliner Haushalte keinen Strom hatten, spielte Regierungschef Kai Wegner Tennis – und verschwieg das zunächst. Was hat er sich dabei nur gedacht? Darüber haben meine Kollegen Marc Hujer und Christian Teevs mit ihm gesprochen.
Hier die ganze Geschichte: »Ich weiß nicht, ob es einen Unterschied gemacht hätte, wenn ich eine Stunde joggen gewesen wäre«
Was heute weniger wichtig ist
Matthew McConaughey
Foto: Gareth Cattermole / Getty ImagesK.I.-No-Star: Schauspieler Matthew McConaughey, 56, hat etwas gegen künstliche Intelligenz; zumindest dann, wenn Tools seine Stimme oder sein Aussehen imitieren. Dagegen will er nun vorgehen: Wie das »Wall Street Journal« berichtet, hat McConaughey sich selbst als Marke eintragen lassen. Die Zeitung zitiert aus einer Mail: »Mein Team und ich möchten sicher sein, dass meine Stimme oder mein Abbild nur mit meiner Einwilligung verwendet werden.«
Mini-Hohlspiegel
Aus der »Süddeutschen Zeitung«: »Um Ertrunkene lebend zu bergen, bleibt Rettungstauchern wenig Zeit.«
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Klaus Stuttmann
Und heute Abend?
Szene aus Krankenhaus-Serie »The Pitt«: Laborieren am amerikanischen Patienten
Foto: Warner Bros. Discovery / HBO MaxSie könnten …
… anfangen, eine Serie zu gucken, vielleicht »The Pitt« auf dem neuen Streamingdienst HBO Max. Mein Kollege Andreas Borcholte findet, sie erinnere an eine Zeit, »als TV-Ärzte noch aufrechte Helden des Alltags sein durften«. (Hier die ganze Rezension. )
… etwas kochen, vielleicht Grünkohl-Cashew-Pasta. Unsere Kolumnistin Verena Lugert verspricht: »Die gesündeste aller Kohlsorten kommt in einer sämig-weichen Nusssoße auf den Tisch.« (Hier ist das Rezept. )
… etwas lesen, vielleicht das Sachbuch »Alles toxisch oder was?« von der Psychologin Esther Bockwyt. Mein Kollege Tobias Becker sagt, das Buch wolle davor bewahren, »sich in Selbstdiagnosen zu verlieren – oder in Fremddiagnosen abzudriften«. (Hier mehr dazu. )
Ich wünsche Ihnen einen unterhaltsamen Abend. Herzlich
Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion


