1. AfD gewinnt im Eilverfahren
Das Bundesamt für Verfassungsschutz darf die AfD vorerst nicht als gesichert rechtsextrem einstufen und behandeln. Das hat das Verwaltungsgericht Köln entschieden. Ein Erfolg für die AfD, die gegen die Einstufung geklagt hatte.
Nach Auffassung des Gerichts liegt zwar eine hinreichende Gewissheit dafür vor, dass innerhalb der AfD gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung gerichtete Bestrebungen entfaltet würden. Jedoch werde sie dadurch »nicht in einer Weise geprägt, die dazu führt, dass ihrem Gesamtbild nach eine verfassungsfeindliche Grundtendenz festgestellt werden kann«.
Juristendeutsch, das mein Kollege Wolf Wiedmann-Schmidt in eine einfache Formel übersetzt: »Ein AfD-Verbotsverfahren ist mausetot.« (Hier mehr Hintergründe.)
Zugleich werden bei der AfD immer neue Fälle bekannt, bei denen Verwandte von Politikern beschäftigt wurden. Ein Team um meinen Kollegen Florian Gathmann ist den Fragen nachgegangen, wo die Grenzen bei solchen Jobs verlaufen – und ob es Ähnliches in anderen Parteien gibt.
Hier mehr Hintergründe: Was Sie zur AfD-Verwandtenaffäre wissen müssen
2. Chip Chip Hurra oder tödliche Intelligenz?
Ein Kursplus von unglaublichen 1100 Prozent hat der Chipkonzern Nvidia seit 2023 hingelegt und ist zum wertvollsten Unternehmen der Welt geworden, zum Traum vieler Investoren. Zuletzt wuchs aber auch die Angst, der Hype um künstliche Intelligenz, von dem Nvidia profitiert, könnte übertrieben sein. Die Nvidia-Aktie ist für die KI-Branche, was der Kanarienvogel für Bergarbeiter war: Verreckt sie, muss man sehen, dass man wegkommt.
»Doch nun hat Nvidia die Ängste der Anleger runtergedimmt – zumindest vorerst«, berichtet meine Kollegin Katharina Kort aus New York: Rekordergebnis! »Umsatz und Gewinn lagen deutlich über den Erwartungen der Analysten.« (Hier mehr .)
Jeder Terminator-Gucker fragt sich natürlich, ob bei KI vielleicht nicht die Sorge ums Geld die größte Rolle spielen sollte, sondern die Angst vor dem Cyberdyne-Moment . Also einem »globalen Armageddon«, wie meine Kollegen Simon Book, René Pfister und Marcel Rosenbach es nennen . Zur DNA des Silicon Valley gehört die Übertreibung – was Journalisten besser mit Vorsicht genießen. Doch je mehr Gespräche René, Marcel und Simon mit führenden KI-Entwicklern führten, desto größer wurde ihre Befürchtung: So hilfreich die KI auch sein kann, so gefährlich wird sie womöglich bald schon für die Menschheit. Was, fragt René, »wenn die Technologie außer Kontrolle gerät und sich gegen ihre Entwickler richtet?«
Simon wiederum hat mit der Chef-Ethikerin einer KI-Firma gesprochen, die versucht, den Maschinen eine Art Seele einzupflanzen (hier das ganze Gespräch ). Jeder Terminator-Gucker wird auf Sarah Connor vertrauen: »Wenn eine Maschine, ein Terminator, den Wert des menschlichen Lebens lernen kann, dann können wir es vielleicht auch.«
Hier die ganze Geschichte: Die Todesmaschine
3. Bleibt alles anders
Bleiben, das lehrt jede Journalistenschule, ist ein schwaches Verb, wenn es um Nachrichten geht. Bleiben heißt: keine Veränderung, nichts Neues, gehen Sie weiter. Trotzdem melden heute so gut wie alle Nachrichtenseiten und Sender: Die Berlinale-Chefin Tuttle bleibt im Amt. Oder als Variante: Zukunft der Berlinale-Chefin bleibt offen.
Dahinter steckt mehr als eine kulturpolitische Posse; mein Kollege Tobias Rapp hat die Geschichte hinter den Meldungen rekonstruiert (hier mehr dazu ). Offenbar wollte Kulturstaatsminister Wolfram Weimer die in der Filmbranche populäre Festivalleiterin loswerden, nachdem ein Foto skandalisiert wurde. Das Foto zeigt Tuttle im Februar auf einer Berlinale-Bühne mit dem Team des Films »Chronicles From the Siege«. Einige der Männer auf dem Foto haben sich Palästinensertücher übergeworfen, eine Palästinafahne wird gezeigt.
»Es ist noch unklar, wann dieses Bild bei Weimer landet und wann er entscheidet, dass es hier ein Problem gibt, das größer ist als dieses Foto«, berichtet Tobias. »Was aber klar ist: Die ›Bild‹-Zeitung bekommt einen Tipp – Weimer will Tricia Tuttle entlassen.« Dann geht es rund, Solidaritätsbekundungen, Rücktrittsforderungen, Krisensitzungen. Am Ende steht »ein Staatsminister für Kultur, der nicht zum ersten Mal agiert wie ein Politamateur«, findet Tobias. »Ohne größere inhaltliche Ahnung, aber auch ohne jegliches Regierungsgeschick.« Und: »Eine Berlinale-Chefin, der zu verstehen gegeben worden ist, dass sie auf Abruf steht«. Bleibt spannend.
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Wie die Berlinale-Chefin beinahe gefeuert wurde
Was heute sonst noch wichtig ist
»Merz vermeidet alles, was die Chinesen verärgern könnte«: Beim Antrittsbesuch in China geht es dem Bundeskanzler um »gegenseitigen Respekt«. Kritische Themen? Lieber nicht. Mein Kollege Roland Nelles mit einer Einordnung aus Peking.
USA stationieren erstmals F-22-Kampfjets in Israel: Die Golfstaaten haben den USA verboten, ihren Luftraum für einen Angriff auf Iran zu nutzen. Nun hat Donald Trump ein Dutzend der modernsten Kampfflugzeuge nach Israel auf eine Wüstenbasis geschickt.
Chef des Weltwirtschaftsforums tritt wegen Epstein-Kontakten zurück: Weil seine Kontakte zu Sexualstraftäter Jeffrey Eppstein bekannt geworden sind, zieht sich Børge Brende als Chef des Weltwirtschaftsforums zurück. Das WEF solle seine Arbeit ohne Ablenkungen fortsetzen.
Wo Sie am Freitag mit Einschränkungen im ÖPNV rechnen müssen: An vielen Orten in Deutschland fahren bis Samstagnacht nur wenige Busse und Bahnen. Einige Großstädte kommen aber unbestreikt davon. Die Übersicht.
Meine Lieblingsgeschichte heute: Wellenbrecher
Redakteur Tobias Scharnagl und Extremschwimmer André Wiersig
Foto:Jan Hendrik Eming
Kein Mensch ist diese Strecke, die berüchtigt ist für Quallen und Haie, je geschwommen: Fast 50 Kilometer weit wollte Extremschwimmer André Wiersig vor den Seychellen durch den Indischen Ozean kraulen. Mein Kollege Tobias Scharnagl begleitete Wiersig von Frankfurt auf die Seychellen, wo Wiersig und seine Crew sich zweieinhalb Wochen lang aufhielten.
Der Schwimmer hatte für sich und seine Crew ein Haus gemietet, teilte sich mit seinem Schwager ein Zimmer. Er besorgte den Mietwagen und chauffierte alle herum, kaufte ein, holte abends Essen.
»Er sorgte fast wie ein Vater für seine Kinder«, sagt Tobias. Nur die letzten Stunden vor seinem Schwimmversuch verbrachte Wiersig ohne das Team. Tobias begleitete ihn als Einziger an den einsamen Strand, von dem aus er dann in die Dunkelheit des Meeres hinauskraulen wollte. »Es war einer der wenigen Momente, in denen er wirklich ruhig wirkte«, sagt Tobias. Eine Reportage über einen Mann und das Meer, und über das Ringen eines Menschen mit sich selbst.
Hier finden Sie die Geschichte: Allein unter Haien
Was heute weniger wichtig ist
Praxisschock: Hendrik Streeck, 48, Virologe, hat mit dem SZ-Magazin über sein neues Leben als CDU-Abgeordneter gesprochen. Er sagt in dem Interview: »Ich hätte nicht gedacht, dass Politik so anstrengend ist.«
Mini-Hohlspiegel
Der »Südkurier« über Windräder
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages: Geopolitik
Trumps Weltkarte
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Julian Fiebach / DER SPIEGEL
Und heute Abend?
Darsteller Chalamet
Foto: A24 / Tobis FilmDrei Vorschläge: Sie könnten …
... einer Empfehlung meines Kollegen Andreas Borcholte folgen und ins Kino gehen: In »Marty Supreme« brilliert Timothée Chalamet als Tischtenniscrack, der um jeden Preis berühmt werden will. Sympathisch? »Nein«, findet Andreas. »Aber oscarreif.« (Hier die Rezension .)
… etwas kochen, vielleicht nach einem Rezept des Spitzenkochs Ali Güngörmüş: »Mamas Köfte im Gewürztomaten-Sugo mit Pistazienreis und Granatapfelkernen«. (Hier bei Effilee .)
… laut lachen, vielleicht über flache Witze. In den Tiefen unseres Archivs habe ich ein Meisterwerk meiner Kollegen Hendrik Ternieden und Jens Witte gefunden, die Flachwitze-Schleuder (hier entlang). Kostprobe: Wo wohnen Katzen? Im Miezhaus.
Ciao, miau, einen schönen Abend. Herzlich Ihr Oliver Trenkamp, Blattmacher in der Chefredaktion



