SpOn 26.11.2025
18:38 Uhr

News des Tages: Drogenkartelle, US-Migrationspolitik, Klage gegen Grenzkontrollen


Kartelle überschwemmen Deutschland mit billigem Koks. ICE-Agenten haben eine Angehörige der US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt inhaftiert. Und drei Betroffene klagen gegen deutsche Grenzkontrollen. Das ist die Lage am Mittwochabend.

News des Tages: Drogenkartelle, US-Migrationspolitik, Klage gegen Grenzkontrollen
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1. Drogenkartelle agieren heute wie globale Unternehmen

Sichergestelltes Kokain: Ein Gramm Koks enthält immer mehr reines Kokain

Sichergestelltes Kokain: Ein Gramm Koks enthält immer mehr reines Kokain

Foto:

Sven Hoppe / dpa / picture alliance

Es gibt viele Popsongs über den Konsum von Rauschgift, mein Genre-Lieblingslied im Augenblick ist der wirklich sehr komische Song »Discoschnupfen« des österreichischen Rappers Bibiza, zu dem es auch ein tolles Video mit Bibiza und dem Schauspieler Nicholas Ofczarek gibt.

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Meine Kollegin Aileen Bunte und mein Kollege Timo Schober berichten heute von einem »weißen Tsunami«, der sich laut Experten in Deutschland bemerkbar macht. Kokain ist nicht bloß relativ leicht verfügbar, sondern auch so günstig wie selten zuvor, obwohl Dealer reinere Ware verkaufen.

Kokain wird üblicherweise mit anderen Substanzen gestreckt. »Wo Lebensmittelhersteller bei gleichem Preis die Packungsgröße verkleinern, enthält ein Gramm Koks immer mehr reines Kokain – ohne dass Käufer dafür mehr bezahlen«, schreiben meine Kollegin und mein Kollege. (Hier mehr dazu )

Beim sogenannten Zwischenhandelspreis, den Händler für die Ware zahlen, werden aus Deutschland und den Niederlanden drastische Preisrückgänge berichtet. Die haben offenbar mit einem enorm gestiegenen Angebot zu tun.

Drogenkartelle agieren inzwischen wie globale Unternehmen, erfährt man im Bericht von Aileen und Timo. Es gibt demnach eine enge Kooperation zwischen südamerikanischen Kartellen und europäischen Mafiagruppen, das macht die Logistik effizienter. »Abwasseranalysen zeigen, dass das steigende Angebot hierzulande auf eine große Nachfrage trifft«, heißt es im Text. »Egal, ob in der Klubtoilette, im Büro oder auf der Straße – rund 1,6 Prozent aller erwachsenen Deutschen koksten 2021 mindestens einmal im Jahr.«


2. ICE-Agenten nehmen Angehörige von Trump-Sprecherin Leavitt fest

Es wirkt auf mich immer noch merkwürdig, dass die Behörde, die in den USA derzeit Angst und Schrecken verbreitet, so heißt wie ein deutscher Hochgeschwindigkeitszug: ICE. Es ist die Abkürzung für Immigration and Customs Enforcement. Im Auftrag des US-Präsidenten Donald Trump verhaften Beamte der Behörde Kindermädchen, Krankenpfleger, Erntehelferinnen und Bauarbeiter. »In fast drei von vier Fällen handelt es sich um Menschen, deren einziges Vergehen darin besteht, ohne Papiere in ein Land gekommen zu sein, dessen Wirtschaft sie seit Jahrzehnten am Laufen halten«, schreibt meine Kollegin Britta Kollenbroich in einem beklemmenden Porträt der Behörde. (Mehr dazu hier )

Heute wurde bekannt, das ICE-Agenten ein Familienmitglied der US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt festgenommen haben. Es handelt sich um Bruna Ferreira, die Mutter des elfjährigen Neffen von Leavitt. Seit der Verhaftung Anfang November hat sie keinen Kontakt zu ihrem Sohn.

Ferreira kam als Kind mit ihrer Familie aus Brasilien in die USA und lebte dort seit Jahrzehnten. Sie hat mit Karoline Leavitts Bruder einen Sohn. Die Regierungssprecherin Leavitt gilt als entschiedene Befürworterin der Migrationspolitik des US-Präsidenten.

In 250 Tagen von Trumps Präsidentschaft sind 400.000 Menschen abgeschoben worden, zuvor werden Frauen, Männer und Kinder in Knästen untergebracht, die zum Beispiel »Alligator Alcatraz« heißen. »Nicht nur die Zahlen und der Zynismus polarisieren«, so meine Kollegin Britta, »es ist auch das gewaltsame und gnadenlose Vorgehen der ICE-Beamten, das sogar einige Trump-Wählerinnen und -Wähler auf Distanz gehen lässt«.


3. Die Klagen gegen deutsche Grenzkontrollen haben wohl Aussicht auf Erfolg

»Es ist die Angst, die Grenzen setzt«, hat der schwedische Regisseur Ingmar Bergman einmal gesagt. In Europa sind seit dem 1995 in Kraft getretenen Abkommen von Schengen eigentlich die meisten Grenzkontrollen abgeschafft, trotzdem wird an den deutschen Grenzen seit einiger Zeit wieder eifrig kontrolliert. Aus welchen Gründen genau?

Meine Kollegin Sophie Garbe berichtet heute, dass drei Betroffene gegen die Bundesrepublik wegen der andauernden Kontrollen klagen, weil Deutschland gegen geltendes Recht verstoße. (Hier mehr dazu) Die Klagen, die heute beim Verwaltungsgericht München und beim Verwaltungsgericht Stuttgart eingehen sollten, beziehen sich auf Fälle wie den der Journalistin Sandra Alloush, die auf dem Weg von Straßburg nach Berlin an der Grenze gebeten wurde, den Zug zu verlassen, da ihr Reisepass abgelaufen war. Der Klage zufolge habe Alloush andere Ausweisdokumente vorzeigen können, sei aber dennoch mit auf eine Polizeiwache genommen worden. Dort habe sie sich für eine Durchsuchung ausziehen müssen und sei dann zurück nach Frankreich geschickt worden.

Als Teil des Schengenraums darf Deutschland an seinen Grenzen nur dann Kontrollen einführen, wenn die innere Sicherheit oder die öffentliche Ordnung bedroht ist.

»Die Klagen haben gute Chance auf Erfolg, denke ich«, sagt Sophie. Denn der Bayerische Verwaltungsgerichtshof habe im Frühjahr in einem ähnlichen Fall eine Grenzkontrolle für rechtswidrig erklärt. »Das bayerische Urteil bezieht sich zwar nur auf diesen einen Fall, aber die Ausgangslage bei den neuen Klagen ist ziemlich ähnlich. Es könnte also zunehmend schwierig für die Bundesregierung werden, solche umfassenden Grenzkontrollen zu rechtfertigen.«


Was heute sonst noch wichtig ist

  • US-Plan basiert offenbar auf von Russland verfasstem Dokument: Im Oktober unterbreitete Russland den USA Bedingungen für ein Ende des Ukrainekriegs. Das Papier wurde später noch wichtig: Laut der Nachrichtenagentur Reuters bildete es die Grundlage für den 28-Punkte-Plan.

  • Europäische Volkspartei stimmt erneut mit extrem rechts: Mit Unterstützung der rechten und rechtsextremen Fraktionen: Das Europaparlament hat die Umsetzung eines Gesetzes gegen Entwaldung verschoben. Der politische Streit über entwaldungsfreie Lieferketten wird damit vertagt.

  • Nicolas Sarkozy erneut rechtskräftig verurteilt: Der ehemalige französische Staatschef Sarkozy wurde zum zweiten Mal zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Dieses Mal geht es um Wahlkampfausgaben im Jahr 2012. Ob er erneut ins Gefängnis muss, ist noch offen.

  • Jobcenter kann psychisch Kranken die Leistungen streichen – Grüne empört: Wie hart trifft die Bürgergeldreform Menschen mit psychischen Krankheiten? Die Grünen warnen vor »nicht zumutbaren« Regeln im Gesetzentwurf von SPD-Ministerin Bas.


Meine Lieblingsgeschichte heute: Diese fünf Phasen durchläuft Ihr Gehirn in Ihrem Leben (wenn Sie alt genug werden)

Symbolische Darstellung des menschlichen Gehirns

Symbolische Darstellung des menschlichen Gehirns

Foto: Richard Drury / Getty Images

»Folge deinem Herzen. Aber vergiss dabei nicht, dein Hirn mitzunehmen«, hat der Seelenforscher Alfred Adler geschrieben. Nun haben Forscher herausgefunden, dass das Gehirn eines Menschen, sofern er ein hohes Alter erreicht, viermal tiefgreifend umgebaut wird. Laut einer nun veröffentlichten Studie finden die Umbrüche im Alter von etwa 9, 32, 66 und 83 Jahren statt – wobei der Umbau in den frühen Dreißigern den markantesten im Leben eines Menschen darstellt. »Die Netzwerke im Gehirn kommunizieren mit der Zeit immer effizienter, sowohl lokal als auch über längere Distanzen«, heißt es im Bericht. Im Alter von ungefähr 32 Jahren stabilisiert sich das Gehirn im Vergleich zu früheren Phasen. Die Forscher sprechen in dieser Phase von einem »Plateau in Intelligenz und Persönlichkeit«.

Was heute weniger wichtig ist

Gesichtswahrend: Schauspielerin und Actionstar Linda Hamilton, 69, hat anlässlich ihres Auftritts in der finalen Staffel der Erfolgsserie »Stranger Things« über ihr wirklich großartiges Aussehen und ihren Verzicht auf Hilfsmittel wie Botox gesprochen. Sie trage »das Gesicht, das ich mir verdient habe«, findet Hamilton; und dieses Gesicht sage ihr viel, »manchmal sind es Dinge, die ich nicht hören will«.


Mini-Hohlspiegel

Überschrift eines Artikels aus der »Taunus Zeitung« über eine Aktion, bei der Kinder mit Sehbehinderung den Prozess der Apfelverarbeitung kennenlernen konnten

Überschrift eines Artikels aus der »Taunus Zeitung« über eine Aktion, bei der Kinder mit Sehbehinderung den Prozess der Apfelverarbeitung kennenlernen konnten

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

Klaus Stuttmann


Und heute Abend?

Darsteller O’Connor, Craig in »Wake Up Dead Man«: Mord in einer Kirche

Darsteller O’Connor, Craig in »Wake Up Dead Man«: Mord in einer Kirche

Foto: John Wilson / Netflix

Könnten Sie sich die ersten beiden Folgen der »Knives Out«-Krimikomödien mit Daniel Craig auf einem Streamingdienst  ansehen und so darauf vorbereiten, dass ab morgen die dritte Folge »Wake Up Dead Man« in den Kinos läuft.

»Auftritt des genialen Ermittlers Benoit Blanc, der in dieser Filmreihe mit solcher Lust an Übertreibung und grandioser Geste von Daniel Craig gespielt wird, als müsste er noch immer die Schatten des ihm über gewordenen James Bond verjagen«, freut sich mein Kollege Oliver Kaever in seiner Rezension des neuen Films. (Lesen Sie sie hier. ) Das übliche Ensemble der Verdächtigen, gespielt unter anderem von Glenn Close und Jeremy Renner, sei in dem rasanten und raffinierten Film letztlich »ein Katalysator für die genialen Gedankengänge des Meisterdetektivs«.


Einen schönen Abend. Herzlich

Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort