SpOn 13.02.2026
17:31 Uhr

News des Tages: Donald Trump, Klimapolitik, Münchner Sicherheitskonferenz, Gasspeicher


Der US-Präsident wischt mit einem Streich Jahrzehnte weg. Friedrich Merz schnauft für den Weltfrieden. Und reicht unser Gas, wenn es noch 20 Tage so kalt bleibt? Das ist die Lage am Freitagabend.

News des Tages: Donald Trump, Klimapolitik, Münchner Sicherheitskonferenz, Gasspeicher
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1. Trump on fire

Und, wie war Ihr Tag so bisher? Auf einer Skala von 1 (schwebe zu Violinenklang auf Wolken) bis 10 (ein Tag wie eine Dschungelprüfung)? Bei mir eine solide 9, zumindest heute Morgen: Die Autoversicherung schreibt, der Beitrag erhöht sich um 300 Prozent. Draußen Blitzeis vor dem Haus. Im Flur ein kilimandscharohafter Wäscheberg. Und das alles noch vor 7.30 Uhr. Grrr.

Zum Glück für mich und mein Umfeld weiß ich als erwachsener Mensch inzwischen, welche Sicherheitsmaßnahmen an solchen Tagen angebracht sind: Keine schweren Maschinen bedienen, die potenziell andere oder mich selbst gefährden. Keine weitreichenden Entscheidungen treffen (Auswandern, Job kündigen). Und: Atmen. Tief einatmen. Löst zwar keins der drei oben genannten Probleme. Aber man kommt irgendwie durch. Und mehr kann man von einem »Die ganze Welt anzünden«-Tag wirklich nicht erwarten.

Nun hat US-Präsident Donald Trump solche Tage offenbar regelmäßig. Und im Gegensatz zu mir bedient er trotzdem schwere Maschinen – zum Beispiel den amerikanischen Staatsapparat, der potenziell ihn und mindestens 341 Millionen Menschen gefährden kann. Oder gleich den ganzen Planeten: »Wir heben offiziell die sogenannte Gefährdungsfeststellung auf«, so Trumps neueste Entscheidung.

Die Übersetzung: Treibhausgase sind schlecht für die Gesundheit, auf dieser Einschätzung basieren viele Gesetze für Benzin- und Dieselautos oder Gaskraftwerke. Aber genau diese Einschätzung hat die US-Regierung mit diesem Satz nun gekippt. Und damit faktisch den bundesweiten Klimaschutz. Denn: »Wenn Treibhausgase nicht mehr als ›schädlich‹ eingestuft sind, gibt es auch keinen Grund, ihren Ausstoß zu regulieren«, schreibt meine Kollegin Susanne Götze aus dem Wissenschaftsressort. Freie Fahrt für fossile Bürger. Schon seit den Achtzigerjahren kämpft die mächtige Öllobby gegen Regeln für mehr Klimaschutz. »Jetzt haben sie (vorerst) gewonnen«, urteilt Susanne.


2. Europa und USA? Es ist kompliziert

Na, haben Sie auch »Playing With Fire« gelesen? Oder »The Invisible Frontline«? Aber doch sicher »On Thin Ice«? Was wie ein Best-of von Ken-Follett-Thrillern wirkt, sind tatsächlich alles Titel von Workshops auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Klar, das ist schließlich keine Gute-Laune-Veranstaltung, es geht um Atombomben, Hunger als Waffe und natürlich den Ukrainekrieg.

Im Publikum sitzen entsprechend viele Uniformen, Politiker, Wissenschaftler, ja, ein ziemlicher Männerüberschuss, die Kamera schwenkt bei der Auftaktveranstaltung über viele dekorative Halbglatzen. Eau de Testosteron. Als am Nachmittag der Bundeskanzler auf die Bühne steigt, atmet er schwer, spricht noch mehr als sonst im Merz-Stakkato, als müsste er mit jedem Satz den Weltfrieden herbeischnaufen: »Wir werden dem rauen Wind trotzen«, sagt er. Und »Wir legen den Schalter im Kopf um«. Meint er damit Putin? Xi? Trump? Alle drei?

Meine Kollegin Marina Kormbaki ist in München und hat Merz’ Ansprache verfolgt . »Der Kanzler wollte ein Zeichen europäischen Selbstbewusstseins aussenden«, schreibt mir Marina, »das ist ihm gelungen.« Merz zitiert Sloterdijk und sagt, Europa hätte seinen »langen Urlaub von der Weltgeschichte beendet«. Er kritisiert die Trump-Regierung, geht auf Abstand zu MAGA und Zollwahn – und erntet viel Applaus damit. »Offenbar ist bei vielen hier die Sehnsucht nach mehr Selbstbewusstsein gegenüber den USA groß«, so Marina. Stärke statt Schmeicheln. Entsprechend martialisch geht es weiter: »Raw Power« heißt der nächste Follett, äh, Workshop an diesem Nachmittag in München.


3. Winter is not leaving

Es gibt Menschen, die ich wirklich gern einmal kennenlernen würde: Zum Beispiel den Schlendrian. Sicher ein anrührend gedankenverlorener Zeitgenosse. Oder den lieben Herrn Gesangsverein. Mutter Courage. Oder natürlich Väterchen Frost. Wobei ich Letzterem wahrscheinlich eiskalt ins Gesicht schreien würde: ES REICHT!!1! Ich weiß schon, man nennt es wohl Winter. Aber für das Wochenende sind in fast ganz Deutschland wieder Minusgrade vorhergesagt, räudiger Schneematsch auf den Gehwegen, Geschlitter auf den Straßen, Heizung auf fünf.

Wenn bei Ihnen (wie bei mir) eine Gastherme im Keller brummt, wird Sie sicher interessieren, was uns das Bundeswirtschaftsministerium heute verraten hat: »Die Gasversorgung ist derzeit sichergestellt.« Well. Bei Worten wie »derzeit« werden Journalisten natürlich misstrauisch, meine Kollegen Markus Becker, Benedikt Müller-Arnold und Stefan Schultz haben deshalb recherchiert, wie es beim Gas im deutschen Winter nun wirklich aussieht . »In der Kälteperiode Anfang Januar wurden an manchen Tagen oft mehr als drei Terawattstunden aus den Speichern gezogen«, schreiben die drei. »Bliebe es noch rund 20 Tage sehr kalt, wären die Speicher wohl komplett leer.« (Kälte)Schock. Last Exit Frühling?


Was heute sonst noch wichtig ist

  • Merz und Macron reden über europäischen Atomschirm: Der Bundeskanzler spricht mit Frankreich über einen Atomschirm für Europa als »starken Pfeiler« innerhalb der Nato. Friedrich Merz äußerte sich in München auch zu einem möglichen »Neustart« des transatlantischen Bündnisses.

  • »Selbst der Papst könnte nicht vermitteln« – Vetternwirtschaftsvorwurf trifft AfD mitten im Wahlkampf: Der Streit über Vetternwirtschaft erschüttert die AfD in Sachsen-Anhalt: Vizechef Gottschalk gibt seine Vermittlungsversuche auf. Immer mehr Parteifunktionäre geraten wegen familiärer Beschäftigungsverhältnisse unter Druck.

  • »Zensiertes« Da-Vinci-Kunstwerk beim Sender Rai empört italienische Politik: Im Olympiavorspann des italienischen Fernsehens ist der berühmte »Vitruvianische Mensch« von Leonardo zu sehen. Allerdings mit digital ausradierten Genitalien. Die Opposition schäumt, die Rai findet die Kontroverse fadenscheinig.


Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen

Läufer in einem Park: Fit mit Köpfchen

Läufer in einem Park: Fit mit Köpfchen

Foto: Ole Spata / plainpicture

Wie das Gehirn den Körper fit macht: Forschende haben im Gehirn von Mäusen ein bislang übersehenes Areal identifiziert, das die Ausdauer beeinflusst. Es ist beim Training aktiv, aber auch noch deutlich danach. Beim Menschen könnte es ähnlich sein .

Was heute weniger wichtig ist

US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr.

US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr.

Foto:

Graeme Sloan / Bloomberg / Getty Images

Klo-Koks-Klan: Robert Kennedy Jr., 72, US-Politiker und, nun ja, Ex-Kokser, hat im Podcast eines prominenten YouTubers über seine Zeit als Junkie gesprochen: »Ich habe keine Angst vor Keimen. Früher habe ich Kokain von Toilettensitzen geschnupft.« Coronaviren fürchtet er deshalb genauso wenig wie Masern, gegen die er Lebertran als Heilmittel empfiehlt. Sie fragen sich, was der Mann beruflich macht? Er ist US-Gesundheitsminister im Kabinett Trump. Schniiieef.


Mini-Hohlspiegel

Aus dem »Täglichen Anzeiger Holzminden«

Aus dem »Täglichen Anzeiger Holzminden«

Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Thomas Plaßmann


Und heute Abend?

Gehen wir doch zusammen essen, in der völlig zu Recht berühmten SPIEGEL-Kantine. Als ich dort zum ersten Mal saß, es war 2005, lugten rosa Zapfen von Wänden und Decken, das Licht ergoss sich aus orangenen Kelchen, der Teppich wie ein Rot-Grün-Schwächen-Sehtest beim Augenarzt. Instant love. Der Däne Verner Panton hat das Mutterhaus des SPIEGEL 1969 designt, neben der Kantine noch die Lobby, Konferenzräume und das Schwimmbad im Keller. »Alles an seiner Bürowohnwelt war radikal, auch radikal bunt«, schreibt Kuratorin und Künstlerin Stephanie Regenbrecht in ihrem Gastbeitrag zum 100. Panton-Geburtstag . »Dafür bewundern ihn heute junge Designstudierende.« Wie unsere Kantine heute aussieht? Ach, gucken Sie doch selbst, wenn Sie mir schreiben , warum gerade Sie einmal beim SPIEGEL essen gehen wollen, lade ich Sie ein. Bei mehr als drei Zuschriften entscheidet das Los.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Jens Radü, Chef vom Dienst