1. Dutzende CEOs fordern eine »Deeskalation« in den USA
Es ist ein wichtiges Signal: Nachdem am Samstag Mitarbeiter der US-Einwanderungsbehörde ICE den Demonstranten Alex Pretti in Minneapolis erschossen haben, unterzeichneten nun mehr als 60 CEOs von Unternehmen mit Sitz in Minnesota einen gemeinsamen Brief. Darin fordern sie eine »sofortige Deeskalation der Spannungen«. Zu den Unterzeichnern gehören die Chefs der Einzelhandelskette Target, des 3M-Konzerns und der Allianz-Lebensversicherung.
In dem Schreiben ist von »tragischen Todesfällen« die Rede; die Unterzeichner rufen »staatliche, lokale und bundesstaatliche Beamte dazu auf, gemeinsam nach echten Lösungen zu suchen«. Namentlich adressiert wird niemand, weder US-Präsident Donald Trump noch andere Politiker oder prominente ICE-Führungsleute wie Gregory Bovino (lesen Sie hier mehr zu dem »Mann ohne Maske« ).
Der Vorstoß ist dennoch besser als nichts. Und die Wirtschaftsbosse müssen sich auf Gegenwind aus Washington einstellen. So erging es Anfang des Monats bereits der Hotelkette Hilton Worldwide Holdings. Nachdem ein Hotel der Franchisemarke Hampton Inn sich geweigert hatte, einen ICE-Agenten zu beherbergen, warf das Heimatschutzministerium der Hotelkette eine »koordinierte Kampagne« gegen ICE-Mitarbeiter vor. Mit Erfolg: Hilton reagierte umgehend und entfernte das Hotel aus seinem System.
Der gemeinsame Brief der CEOs ist offenbar der Versuch, einer derart gezielten Attacke aus Washington zu entgehen. Ob der Plan aufgeht, wird sich zeigen.
Lesen Sie hier mehr über die Initiative der CEOs: Mehr als 60 Wirtschaftsbosse aus Minnesota fordern »Deeskalation«
2. EU vs. Grok
Auch die Kommission der Europäischen Union (EU) will wichtige Signale senden und leitet deshalb ein neues Verfahren gegen Elon Musks Unternehmen X wegen möglicher Verstöße seines Chatbots Grok ein. Sie will prüfen, ob X genug dagegen getan hat, dass mithilfe von Grok mutmaßlich illegale, sexualisierte Deepfakes über X verbreitet werden konnten.
Seit einem Update des KI-Bots Ende Dezember konnten laut Berichten auch echte Personen in Bikinis oder sexualisierte Posen montiert werden. Laut einer Untersuchung der Organisation AI Forensics soll Grok auch genutzt worden sein, um entsprechende Bilder von Minderjährigen zu erstellen. X hatte daraufhin erklärt, man wolle Grok am Erstellen von sexualisierten KI-Nacktbildern hindern.
Bereits im Dezember hat die EU-Kommission eine Strafe in Höhe von 120 Millionen Euro gegen X wegen Verstößen gegen die Transparenzpflicht verhängt.
Die EU legt sich mit einem der mächtigsten Konzerne der Welt an – das klingt erst mal beeindruckend. Mein Kollege Max Hoppenstedt merkt aber an, dass auf die Drohungen und Strafankündigungen bisher oft erschreckend wenig folgt: »Die EU setzt ihre Digitalgesetze offenkundig auch deshalb behäbig durch, weil sie Angst hat, die Trump-Regierung zu verärgern und die Unterstützung bei anderen transatlantischen Streitthemen zu verlieren.«
Lesen Sie hier mehr über die Hintergründe: EU-Kommission geht gegen Elon Musks KI-Bot Grok vor
3. Winterwunderland Deutschland
In diesen bewegten Tagen ist die Berichterstattung über das Wetter wohltuend unpolitisch. Spektakulär trotzdem, klar, manchmal auch dramatisch und ärgerlich. Allein in Thüringen etwa krachte es heute binnen Stunden fast 100 Mal (hier der Überblick über die Lage in Deutschland). Aber selbst wenn Sie genervt vom vielen Schnee sind, selbst wenn Sie heute im Stau standen oder am Bahnsteig, weil die Bahn nicht kam, dann gucken Sie doch wenigstens einen Moment aus dem Fenster und freuen sich darüber, dass die Welt wie gepudert aussieht – und nicht wie sonst im Januar dunkelgrau (Hier die schönsten Bilder von heute).
In den USA tobt derweil ein heftiger Schneesturm, die Rede ist vom »Snowmageddon«. Der neu gewählte New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani hat den Bewohnern seiner Stadt deshalb Tipps gegeben, wie sie sich die Zeit zu Hause vertreiben können. »Ich kann mir keine bessere Ausrede vorstellen, zu Hause zu bleiben, ein langes Nickerchen zu machen oder mit einem Bibliotheksausweis kostenlos ›Heated Rivalry’‹ auszuleihen«, sagte er gestern bei einer Pressekonferenz. Als E-Book natürlich. Die queere Liebesgeschichte um zwei junge Hockeyspieler erlebt gerade einen riesigen Hype (hier mehr dazu ). Das Angebot gibt es in deutschen Bibliotheken übrigens auch.
Lesen Sie hier alle News über das Wetter in Deutschland: Glatteis und Schnee führen zu Unfällen und Schulausfällen
Was heute sonst noch wichtig ist
Messerangreiferin vom Hauptbahnhof muss in die forensische Psychiatrie: Eine Frau hatte am Hamburger Hauptbahnhof mehrere Menschen mit einem Messer verletzt. Nun hat ein Gericht die 40-Jährige als Gefahr für die Allgemeinheit eingestuft. Sie muss dauerhaft in einer Psychiatrie untergebracht werden.
Wenn es knallt, ist es vielleicht Müll aus dem All: Mit Satellitenresten gelangen oft radioaktive oder andere giftige Stoffe auf die Erde. Die Suche danach ist schwierig. Forscher sind nun auf eine überraschende Methode gestoßen, um die Flugbahn der Trümmer zu berechnen.
Rheinmetall will mit Raumfahrtkonzern OHB deutsches Starlink bauen: Ein Satellitennetzwerk nach dem Vorbild von Starlink soll die Bundeswehr unabhängiger von Elon Musks SpaceX machen. Dabei konkurrieren gleich zwei Konsortien um die Gunst der Auftraggeber.
Meine Lieblingsgeschichte heute: Sie schaut das »Dschungelcamp«, damit Sie es nicht tun müssen
Szene aus dem »Dschungelcamp«
Foto: RTLSeit jeher könnte man viele Texte meiner Kollegin Anja Rützel mit dem Satz »Ich schaue Trash-TV, damit Ihr es nicht tun müsst« überschreiben. Das würde Anjas Arbeit aber nicht gerecht. Meist extrahiert sie aus dem, was die Leute vor der Kamera zeigen, gesellschaftliche Analysen, nach deren Lektüre wir schlauer sind. Aktuell sichtet sie jeden Abend das »Dschungelcamp« und gibt uns jeden Morgen eine Zusammenfassung, wer wie mit wem geredet, gestritten, getuschelt hat. Und was das alles bedeutet. Heute etwa schreibt sie über öffentliche Reue und perfekt performte Scham .
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Gottlob, es flutscht wieder
Was heute weniger wichtig ist
Kristen Stewart
Foto:Emma McIntyre / SCAD / Getty Images
Hirnlose Kunst: Schauspielerin und Regisseurin Kristen Stewart, 35, hat das System Hollywood schon mehrfach kritisiert. Nun legt sie in einem Interview mit der »Sunday Times« nach. Schauspielerinnen würden »wie Dreck« behandelt, sagte sie. Erst nachdem sie als Regisseurin wahrgenommen wurde, hätten die Leute in der Branche begonnen, »mit mir zu reden, als hätte ich ein Gehirn«.
Mini-Hohlspiegel
Gala.de über Royals mit unehelichen Kindern: »König Willem-Alexanders, 58, verstorbener Großvater Prinz Bernhard der Niederlande, †93, hat mit seiner Ehefrau Königin Juliana, †94, nicht nur vier gemeinsame, sondern auch zwei außereheliche Töchter bekommen.«
Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel.
Cartoon des Tages
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Klaus Stuttmann
Und heute Abend?
Könnten Sie sich »Blood & Sinners« ausleihen oder streamen, der in sage und schreibe 16 verschiedenen Kategorien für den Oscar nominiert ist. Der Film beginnt als opulentes Historiendrama aus den US-amerikanischen Südstaaten der frühen Dreißigerjahre, es wird viel Blues gespielt. Und dann, nach einer Dreiviertelstunde, taucht plötzlich der erste Vampir auf. Weil der Film von Regisseur Ryan Coogler (»Black Panther«) dem Genre Horror zugerechnet wird, waren viele Menschen erst mal abgeschreckt, als er vergangenes Jahr ins Kino kam. Auch mein Kollege Wolfgang Höbel. Nun hat er ihn doch gesehen und findet ihn »sagenhaft elegant, intelligent, wirklich großartig« .
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihre Laura Backes, Autorin




