Selenskyj sucht Unterstützung in Paris
Um zehn Uhr heute Vormittag wird der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj im Hof des Pariser Élysée-Palasts eintreffen und sich wieder Arm in Arm mit Emmanuel Macron zeigen. Es gibt kaum Fotos der beiden Politiker, auf denen sie sich nicht anfassen.
Selenskyj und Macron (am 17. November in Paris)
Foto:Sarah Meyssonnier / Reuters / AP / dpa
Selenskyj befindet sich gerade in der wohl schwierigsten Phase seiner Amtszeit: Nach dem Rücktritt seines Stabschefs Andrij Jermak erlebt sein Land die größte innenpolitische Krise seit Jahren (mehr dazu hier ). Zugleich sind die Chancen auf ein baldiges Ende des Krieges äußerst ungewiss. Zu verfahren sind die Verhandlungen nach dem Versuch der Europäer, den 28-Punkte-Friedensplan der US-Regierung abzumildern, der den Russen weitgehend entgegenkam (mehr dazu hier).
Auch nach den Verhandlungen einer ukrainischen Delegation mit US-Vertretern in Florida am gestrigen Sonntag blieb offen, wie es nun weitergehen könnte. US-Außenminister Marco Rubio sagte anschließend nur, es gebe noch viel zu tun.
Aus dem Élysée heißt es, man wolle mit Selenskyj über Sicherheitsgarantien im Rahmen der »Koalition der Willigen« reden. Für die Franzosen seien diese Garantien nicht verhandelbar, sagt ein Diplomat in Paris. Es dürfte heute auch um einen Plan gehen, über den die Europäer gerade intensiv diskutieren. Er betrifft die Verwendung der eingefrorenen russischen Vermögen, die von der belgischen Gesellschaft Euroclear verwaltet werden. Mehr als 140 Milliarden Euro sollen der Ukraine als eine Art zinsloser Kredit gegeben werden, damit sie kampffähig bleibt. Juristisch ist das ein überaus kompliziertes Vorhaben.
Mehr Hintergründe hier: Wie die Weltgemeinschaft um Gelder für die Ukraine ringt
Papst Leo XIV. im Libanon
Von Päpsten erwartet man in der Regel Trost, im besten Fall heilende Worte für erlittenes Leid. Das ist nicht neu. Ungewöhnlich ist eher, dass auch ein Drittel der Libanesen kurz vor dem Papstbesuch auf Ähnliches hoffte. Dieser Besuch werde »wie Balsam fürs Herz« sein, hieß es aus dem Umfeld der Regierung, da war Leo XIV. noch gar nicht im Land. Erst gestern Nachmittag landete er in Beirut.
Papst Leo XIV. (am Sonntag in Beirut)
Foto:Abd Rabbo Ammar / ABACAPRESS / IMAGO
30 Prozent der Libanesen sind Christen und stolz darauf, dass nach 13 Jahren wieder ein Papst den Weg zu ihnen findet. Andere erhoffen sich mahnende Worte gegenüber Israel. Immer wieder greifen israelische Truppen trotz der vor einem Jahr vereinbarten Waffenruhe Ziele an. Vor Kurzem wurde dabei ein ranghohes Mitglied der Hisbollah-Miliz getötet (mehr dazu hier). Selbst die hatte dem Papst einen Brief geschrieben.
Aber wer auf eindeutige Worte hoffte, wurde schon am ersten Tag enttäuscht. Leo XIV. blieb vorsichtig, beließ es bei einem Aufruf an die Jungen, im Land zu bleiben. Und ermahnte Präsident Joseph Aoun, sich nicht von seinem Volk zu entfernen. Heute will er an einem ökumenischen Treffen auf dem Märtyrerplatz in Beirut teilnehmen.
Mehr Hintergründe hier: Libanons Präsident wirbt bei Papst für Erhalt seines Landes
Donald Trumps Lieblingsbaustelle
Am Anfang waren die Pläne für den neuen Ballsaal noch relativ bescheiden. Er sollte 500 Sitze haben und historische Referenzen an das Weiße Haus aufweisen. US-Präsident Donald Trump engagierte einen Architekten aus Washington für die Entwürfe; James McCrery war bis dahin bekannt für Kirchenbauten. Er zeichnete einen Ballsaal mit hohen Decken und Fenstern, die an den Spiegelsaal in Versailles erinnern sollten.
Baustelle am Weißen Haus: Dort, wo einst der Ostflügel stand, soll Trumps Ballsaal errichtet werden
Foto:Jessica Koscielniak / REUTERS
All das gefiel zunächst – bis Trumps Pläne immer größenwahnsinniger wurden, wie nun die »New York Times« berichtet. Inzwischen will Trump einen Saal, viermal so groß wie der in seiner Residenz in Mar-a-Lago. Das sorgte für Verstimmungen mit dem Architekten. Ebenso wie die Anweisungen Trumps an dessen Mitarbeiter, sie müssten sich nicht an geltende Bauvorschriften halten, er sei schließlich der Präsident. Inzwischen hat sich McCrery von dem Projekt distanziert, angeblich übt er nur noch eine beratende Tätigkeit aus. Trump hatte ohnehin vor, über das Interieur des Saals selbst zu entscheiden: »Ich halte mich selbst für einen bedeutenden Designer«, so Trump.
Mehr Hintergründe hier: Präsident Protz
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Wieso die AfD mit der »Generation Deutschland« zwei Fehler macht: Die AfD hat ihre Jugendorganisation neu gegründet, sie wird extremistischer und gleichzeitig disziplinierter. Damit liefert sie neue Belege für ihre Radikalität – und verliert an Wucht.
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Verlierer des Tages…
…sind am Welt-Aids-Tag alle von dem HI-Virus bedrohten Menschen. Weil die Zahlungen vieler Mitgliedstaaten für die Uno-Agentur UNAIDS sinken, vor allem aus den USA, gibt es nur noch wenig Geld für den Kampf gegen die Krankheit. Auch das neue Medikament Lenacapavir, vor Kurzem noch als Wundermittel gefeiert, wird nicht mehr wie geplant im großen Maßstab eingesetzt werden können.
Mehr Hintergründe hier: Uno nennt Kürzungen bei HIV-Mitteln »verheerend«
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
Kriege lassen bei Waffenherstellern die Kassen klingeln: Für Millionen Menschen sind die weltweiten Krisen und Kriege eine Katastrophe. In der Rüstungsbranche hingegen könnte es kaum besser laufen. Laut einer Studie fahren viele Firmen Rekordergebnisse ein.
Mutmaßlicher Schütze von Washington soll sich erst in den USA radikalisiert haben: Nach den Schüssen in der US-Hauptstadt äußert sich Heimatschutzministerin Kristi Noem über die Radikalisierung des Tatverdächtigen. Vor seiner Einreise in die USA sei er »möglicherweise überprüft« worden.
Tribüne gleicht einer Feuerwand – Partie nach wenigen Minuten abgebrochen: Sogar der Fußballplatz geriet in Brand: In Amsterdam ist das Gedenken an einen verstorbenen Ajax-Fan komplett aus dem Ruder gelaufen. Spieler und Offizielle reagierten fassungslos.
Heute bei SPIEGEL Extra: »Ich kriege nie genug vom Arbeitszeitbetrug«
Dima Sikorski / Stocksy
Im Netz feiern Menschen die kreativsten Methoden für Arbeitszeitbetrug: vom Mittagsschlaf im Homeoffice bis zum erfundenen Außentermin. Doch Vorsicht. Was lustig wirkt, kann ernste Konsequenzen haben .
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihre Britta Sandberg, Korrespondentin in Brüssel
