Kommt Zeit, kommt Sicherheitsrat
Sollte doch gar nicht so schwierig sein, schauen wir doch einfach mal in die Charta der Vereinten Nationen. Da steht recht zutreffend im Artikel 2: »Alle Mitglieder unterlassen (...) jede gegen die territoriale Unversehrtheit oder die politische Unabhängigkeit eines Staates gerichtete (...) Anwendung von Gewalt.«
Venezolanische Sicherheitskräfte in Caracas, 3. Januar 2026
Foto: Miguel Gutierrez / EPADamit wäre die Gefangennahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro durch US-Truppen wohl ein Verstoß gegen die Charta – es sei denn, es handelte sich um eine im Artikel 51 geregelte Selbstverteidigung gegen einen bewaffneten Angriff. Zwar vertritt die US-Regierung die Auffassung, Venezuela greife die USA mit der Einfuhr illegaler Drogen an, was militärische Gegenwehr rechtfertige. Aber das erscheint allzu weit hergeholt, oder?
Heute wird sich der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen auf Antrag der venezolanischen Restregierung mit diesen Fragen beschäftigen, für 16 Uhr unserer Zeit ist eine Sondersitzung anberaumt. Ein Beschluss ist nicht zu erwarten, die Veto-Macht USA wird sich nicht selbst bezichtigen. Dennoch schade, dass Deutschland, das sich seit geraumer Zeit um einen permanenten und für die Jahre 2027/28 auch wieder um einen temporären Sitz im Rat bewirbt, heute nicht dabei ist. Wir könnten ansonsten womöglich etwas über die Haltung unserer Bundesregierung erfahren. Bisher hält sie sich bedeckt. Der diplomatische Spagat, weder das geschundene Völkerrecht noch die volatilen Gefühle Donald Trumps zu beschädigen, scheint noch nicht aufführungsreif: »Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex. Dazu nehmen wir uns Zeit«, war von Friedrich Merz zu hören (mehr zu den weltweiten Reaktionen lesen Sie hier).
Lieber den Kopf einziehen, als von Donald einen auf den Deckel zu bekommen. Allzu gewichtig sind europäische Ansichten in dieser Sache sowieso nicht: Die USA haben mit dem Coup von Caracas aller Welt gezeigt, dass allein sie in ihrem Hinterhof Lateinamerika das Sagen haben. China und Russland werden das interessiert zur Kenntnis nehmen. Und sich ein Beispiel.
Die ganze Geschichte hier: Merz und das Maduro-Dilemma
Selbstgerecht fürs Gemeinwohl
In diesen Tagen müssen die Menschen im Berliner Südwesten aufeinander aufpassen: Tausende Haushalte haben seit Samstagfrüh und wohl noch bis Donnerstag (mehr dazu hier ) keinen Strom, was bedeutet, dass bei vielen nicht nur kein Licht brennt, sondern dazu weder warmes Wasser noch Heizung zur Verfügung stehen. »Klingeln Sie bei Ihren Nachbar:innen an. Bedenken Sie, ältere oder hilfsbedürftige Menschen bei einem Ausfall des Stroms mitzuversorgen. Versorgen Sie sich und andere Menschen, indem Sie solidarische Unterstützung geben. Informieren Sie sich untereinander.«
Stromlose Osdorfer Straße im Berliner Stadtteil Lichterfelde, 3. Januar 2026
Foto: Michael Ukas / dpaDas sind richtige und wichtige Hinweise. Irritierend ist allerdings ihre Quelle, sie stammen aus einem Bekennerschreiben mit dem Titel »Vulkangruppe: Den Herrschenden den Saft abdrehen«. Es ist ein bemerkenswertes Dokument der Selbstgerechtigkeit. »Unsere gemeinwohlorientierte Aktion ist gesellschaftlich sinnvoll«, heißt es darin. Gemeint ist die Sabotage von abgehenden Stromleitungen eines Gaskraftwerks in Lichterfelde, nach der etwa 40.000 Haushalte noch immer im Dunklen sitzen. »Wir versuchen damit, die Ausbeutung der Erde zu unterbrechen, die CO₂-Toten zu verhindern und die mit der Klimakatastrophe zusammen hängenden Krankheiten zum Stoppen zu bringen. Wir versuchen damit außerdem, dem Artensterben ein Ende zu setzen und die Welt für alle wieder lebenswerter zu gestalten.«
Das Bekennerschreiben mäandert über mehr als zehn Seiten. Wie sich mit einem Anschlag auf die Infrastruktur, der im besten Fall nur den Alltag erschwert, im schlimmsten Fall aber Leben gefährdet, auch nur ein einziger Mensch von den wichtigen Zielen des Klima- und Artenschutzes überzeugen lassen soll, steht nicht darin.
Mehr Hintergründe: Was die Reparatur so kompliziert macht
Schlimmer geht immer
Falls Sie angesichts der allgemeinen Nachrichtenlage nicht schon jetzt lieber im Bett bleiben und sich die Decke über den Kopf ziehen wollen (oder das als stromlose:r Einwohner:in des Berliner Südwestens sowieso nicht anders machen können): Einen haben wir noch.
Mensch vor Kurstafel (Archivbild)
Foto: GREG BAKER/ AFPDenn glaubt man meinem Kollegen Tim Bartz aus dem Wirtschaftsressort, dann droht 2026 nicht weniger als »die Mutter aller Krisen«. Und die Wege dieser Überkrise, schreibt Tim, sind vielfältig. Er zählt sechs mögliche Anlässe auf, die den globalen Aktienmarkt ins Rutschen und die Depots zum Schmelzen bringen könnten, sechs Gefahrenherde, an denen sich der Finanzmarkt in diesem Jahr entzünden könnte. Der Klick auf den folgenden Link sei also nur Menschen mit starken Nerven empfohlen. Aber die sollten Sie als Aktionär:in ja sowieso haben.
Die ganze Geschichte hier: 2026 droht die Mutter aller Krisen
Lesen Sie hier den aktuellen SPIEGEL-Leitartikel
Wie es ihm gefällt: Mit der Intervention in Venezuela hat sich US-Präsident Donald Trump unverfroren über Normen und Regeln hinweggesetzt. Unklar bleibt, was das Ganze bezwecken soll .
Hier geht’s zum aktuellen Tagesquiz
Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games.
Gewinner des Tages…
US-Regisseur James Cameron
Foto: Teresa Suarez / EPA…ist James Cameron. Es ist zwar nach Lektüre der Filmrezension meines Kollegen Arno Frank (lesen Sie hier ) nicht ganz nachvollziehbar, aber der US-Regisseur hat mit »Avatar: Fire and Ash« nach nur 18 Tagen über eine Milliarde Euro eingespielt – und könnte damit bald viermal unter den Top Five der umsatzstärksten Filme aller Zeiten vertreten sein.
Die ganze Geschichte hier: James Cameron ist (schon wieder) Umsatzmilliardär
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
Alle Todesopfer von Crans-Montana identifiziert: Nach dem Inferno in der Schweiz steht fest: Viele der Opfer waren Jugendliche. Mehrere Überlebende schweben weiter in Lebensgefahr.
Nordkorea will Hyperschallraketen getestet haben – mit Verweis auf Venezuela: Aus vielen Ländern kommt Kritik am Einschreiten der USA in Venezuela. Das nordkoreanische Regime sendet neben deutlichen Worten eine noch deutlichere militärische Botschaft.
Fast 60.000 Dollar Mietschulden – Mickey Rourke ruft Fans zum Spenden auf: Der ehemalige Hollywood-Schönling Mickey Rourke schockiert mit Paparazzi-Fotos, die ihn in erbärmlichem Zustand zeigen. Wegen eines Mietrückstands droht ihm jetzt offenbar Obdachlosigkeit, Fans sollen per Crowdfunding helfen.
Heute bei SPIEGEL Extra: Eine Lohn-Revolution bahnt sich an
Endlich erfahren, was die Kollegen verdienen – und dann das Gleiche fordern: Das wird ab Sommer einfacher. Was Sie dazu wissen müssen und welche Entscheidungen aus dem Arbeitsrecht Ihnen ebenfalls richtig Geld bringen könnten .
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion
