SpOn 09.01.2026
05:40 Uhr

News: USA, Donald Trump, ICE, Syrien, Crans-Montana, Schweiz


Der Tod einer Frau in Minneapolis heizt die Debatte über die US-Abschiebebehörde ICE an. In Syrien kämpfen Regierungstruppen gegen Kurden. Und die Schweiz trauert um die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana. Das ist die Lage am Freitagmorgen.

News: USA, Donald Trump, ICE, Syrien, Crans-Montana, Schweiz
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Tödliche Schüsse

Es ist noch keine sechs Jahre her, dass George Floyd im Mai 2020 von Polizeibeamten in Minneapolis getötet wurde. Einer der Polizisten, Derek Chauvin, drückte sein Knie damals über neun Minuten lang auf Floyds Nacken. »Ich kann nicht atmen« (»I can't breathe«), stammelte Floyd vor seinem Tod mehrfach. Der Fall löste in den USA Massendemonstrationen gegen Rassismus und Polizeigewalt aus. Er befeuerte die Black-Lives-Matter-Bewegung (mehr dazu hier) .

Anti-ICE-Demonstration in New York: Nahezu unbegrenzte Befugnisse

Anti-ICE-Demonstration in New York: Nahezu unbegrenzte Befugnisse

Foto: Olga Fedorova / EPA

Nun ist es in Minneapolis erneut zu einer Gewalttat durch Staatsbeamte gekommen. Ein Beamter der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE hat eine Autofahrerin erschossen. Das Heimatschutzministerium behauptet, die Frau, Renee Nicole Good, 37 Jahre alt, Mutter von drei Kindern, habe versucht, die Beamten zu überfahren. Videos vom Tatort legen jedoch nahe, dass Good lediglich wegfahren wollte (mehr dazu hier).

US-Präsident Donald Trump hat ICE mit Milliarden Dollar zu einer Eingreiftruppe mit nahezu unbegrenzten Befugnissen aufgerüstet, wie meine Kollegin Britta Kollenbroich analysiert (mehr zu ICE hier ). Brutale Einsatzvideos haben immer wieder das Land erschüttert. Die Frage ist, ob der Fall von Minneapolis nun zu einem größeren Aufbegehren gegen die Übergriffe durch die Behörde führt. Wie 2020 ist auch heute Trump im Präsidentenamt. Doch anders als damals scheint der Widerstand gegen seine Politik erlahmt. Zwar gab es die »No Kings«-Demonstrationen mit mehreren Millionen Teilnehmern. Dem autoritären Staatsumbau durch Trump konnte die Zivilgesellschaft bislang allerdings nicht viel entgegensetzen.


Wo in Syrien der Krieg nie ganz aufgehört hat

Die Menschen in Aleppo, der zweitgrößten Stadt Syriens, haben in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten vieles durchgemacht: Assad-Diktatur, Bürgerkrieg, Belagerung. Nach dem Sturz Baschar al-Assads vor etwas mehr als einem Jahr hofften viele auf etwas Ruhe und Stabilität (mehr dazu hier ).

Nun jedoch müssen einige von ihnen abermals fliehen. Seit Wochenbeginn liefern sich Regierungstruppen und kurdische Milizionäre teils heftige Gefechte, die trotz Berichten über eine Waffenruhe auch am Donnerstag noch anhielten. Die Armee hat Teile Aleppos zum Sperrgebiet erklärt, mehrere Tausend Menschen wurden evakuiert. In der Nacht hat die syrische Übergangsregierung eine Waffenruhe in mehreren Vierteln der Großstadt verkündet. Bewaffnete Gruppen müssten die umkämpften Gebiete bis neun Uhr Ortszeit (sieben Uhr deutscher Zeit) verlassen.

Eigentlich sollten kurdische Einheiten in die Streitkräfte integriert werden. Doch die Vereinbarung wurde bislang nicht umgesetzt. Eine entsprechende Frist lief zum Jahresende ab (mehr dazu hier).

Kämpfer in Syrien: Die Menschen sind mit ihren Kräften am Ende

Kämpfer in Syrien: Die Menschen sind mit ihren Kräften am Ende

Foto: Bilal Al Hammoud / EPA

Die Kämpfe zwischen dem Militär unter Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa und den Kurden sind Ausdruck eines grundsätzlichen Problems in dem Land: Denn anders als deutsche Politikerinnen und Politiker oft suggerieren, herrscht in Syrien auch nach dem Machtwechsel keineswegs überall Frieden. Insbesondere die Situation von Minderheiten, Kurden, Alawiten, Drusen, ist prekär. Augenzeugen berichteten meiner Kollegin Dunja Ramadan, dass die Menschen in Aleppo mit ihren Kräften am Ende seien. Sie leben bereits in einer weitgehend zerstörten Stadt – und bangen nun erneut um ihre Sicherheit.


Trauer und Fragen

Um 14 Uhr an diesem Freitag soll es in der gesamten Schweiz still werden. Das Land will dann mit einer Schweigeminute der Opfer der Brandkatastrophe im Skiort Crans-Montana gedenken. 40 Menschen starben bei dem Feuer in der Silvesternacht in der Bar Le Constellation, mehr als 110 wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Zu der Trauerfeier in der Stadt Martigny haben sich neben dem Schweizer Bundespräsidenten Guy Parmelin unter anderem Italiens Präsident Sergio Mattarella und dessen französischer Amtskollege Emmanuel Macron angekündigt (mehr dazu hier).

Während Menschen im In- und Ausland um die Opfer trauern, läuft in der Schweiz die Aufarbeitung der Katastrophe. Nicht nur in Crans-Montana fragen sich Menschen: Wie konnte ein solches Inferno passieren?

Abgesperrte Bar Le Constellation: Wie konnte ein solches Inferno passieren?

Abgesperrte Bar Le Constellation: Wie konnte ein solches Inferno passieren?

Foto:

Jean-Christophe Bott / EPA

Neben den Betreibern der Bar, das Paar Jacques und Jessica Moretti, geraten dabei immer mehr die Behörden in den Mittelpunkt der Kritik. Der Gemeindepräsident von Crans-Montana, Nicolas Féraud, musste am Dienstag einräumen, Le Constellation zwischen 2020 und 2025 nicht kontrolliert zu haben. Ein paar Tage zuvor hatte er noch behauptet, die Kontrollen hätten »jährlich oder zweijährlich« stattgefunden. Féraud kündigte an, dass die Gemeinde gegen den Betreiber klagen wolle. Den Opfern und ihren Hinterbliebenen dürfte das wenig Trost spenden, analysiert ein SPIEGEL-Team um meine Kollegin Katrin Kuntz. »Sie bräuchten etwas, womit sich die verschlossene Schweiz bislang schwertut: schonungslose Offenheit, Transparenz, Demut, Fehlerkultur.«


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Gewinner des Tages…

…sind die vielen Menschen, die gerade dabei helfen, das Sturmtief »Elli« zu bewältigen. Räumdienste, Wärmebusse-Teams, Feuerwehr.

Schneesturm in Hamburg: Die schwersten Stunden dürften noch bevorstehen

Schneesturm in Hamburg: Die schwersten Stunden dürften noch bevorstehen

Foto: Bodo Marks / dpa

Die schwersten Stunden dürften den Einsatzkräften erst noch bevorstehen. Der sogenannte Bombenzyklon soll an diesem Freitag im Osten Deutschlands Temperaturen von bis zu minus 30 Grad bringen und im Norden Neuschnee von bis zu 20 Zentimetern.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • Iran-Proteste spitzen sich zu – Augenzeuge: Es ist »wie im Krieg«: Die Demonstrationen erreichen neue Ausmaße: Videos zeigen große Menschengruppen in Teheran und mehreren Großstädten, brennende Fahrzeuge und eskalierende Gewalt – während die Behörden das Internet weitgehend abschalten.

  • Waldbrände in Australien – Behörden warnen vor »katastrophalen Bedingungen«: »Packen Sie, was unersetzlich ist«: Im Südosten Australiens wüten gewaltige Buschfeuer. Evakuierungen laufen, wo es noch geht. Die Prognosen für Freitag sind düster.

  • Nasa holt ISS-Crew vorzeitig zur Erde zurück: Ein gesundheitliches Problem an Bord der ISS zwingt die Nasa zu einem seltenen Schritt: Die aktuelle Crew kehrt früher als geplant zur Erde zurück. Das betroffene Besatzungsmitglied gilt als stabil.


Heute bei SPIEGEL Extra: Im Supermarkt der Superstars, wo acht Eiswürfel dreißig Dollar kosten

Foto:

Michelle Groskopf / NYT / Redux / laif

Erewhon ist der gehypteste Bioladen in Los Angeles: Hailey Bieber kreiert Smoothies, Heidi Klum kauft hier Erdbeeren. Ein Einkaufserlebnis so exklusiv wie die Preise. Mittendrin: unser Autor mit 50 Dollar .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Maximilian Popp, stellvertretender Ressortleiter Ausland