SpOn 29.09.2026
05:34 Uhr

News: Philipp Amthor und der Strandkorb, Rente mit 63, Sylvester Stallone im SPIEGEL-Gespräch


Eine ZDF-Doku lässt die CDU schlecht aussehen. Die »Rente mit 63« ist gleichzeitig beliebt und unbeliebt. Und: Sylvester Stallone ist gar kein Rambo. Das ist die Lage am Dienstagmorgen.

News: Philipp Amthor und der Strandkorb, Rente mit 63, Sylvester Stallone im SPIEGEL-Gespräch
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Wenn aber auch gar nichts mehr gelingt

Gerade fühlt es sich ein wenig so an, als könnten wir wieder zur Tagesordnung übergehen: Nach den vergangenen Landtagswahlen ist relative Ruhe eingekehrt, denn noch haben sich ihre Ergebnisse nicht manifestiert. Es wird jetzt im Hintergrund über Duldungen und Kooperationen und Koalitionen verhandelt, wir leben in einer politischen Zwischenzeit: In Berlin ist vorerst noch keine Wohnung enteignet, und Sachsen-Anhalt scheint zwischendurch wieder auf die Größe von Sachsen-Anhalt zusammengeschrumpft zu sein. Sogar das Wetter ist noch mal schön, bevor es bald so richtig unangenehm wird.

Staatsminister Philipp Amthor (CDU): In besseren Zeiten nur schrullig

Staatsminister Philipp Amthor (CDU): In besseren Zeiten nur schrullig

Foto:

Michael Brandt / dpa

Nur die bedauernswerte CDU kommt auf keinen grünen Zweig. Den jüngsten Tiefschlag haben die Christdemokraten einer Dokureihe zu verdanken, die gerade in der Mediathek des ZDF zu sehen ist. Die aktuelle zweite Staffel von »Inside CDU« zeigt den mit dem Mut der Verzweiflung durchgestandenen Wahlkampf von Sven Schulze in Sachsen-Anhalt (mehr hier ), das strebsame Bemühen und die sympathischen Selbstzweifel des früheren Generalsekretärs Carsten Linnemann und begleitet aufrechte CDU-Kandidatinnen und -kandidaten im undankbaren Straßenwahlkampf, die schon allein wegen ihres demokratischen Engagements eine Chance verdient hätten.

Allgemein aufgeregt diskutiert wird allerdings einzig ein Auftritt von Philipp Amthor. Gerade erst zum Staatsminister ernannt, zeigt ihn die Kamera stolz in seinem herrschaftlichen Büro im Kanzleramt, wie er sich einen Strandkorb aus der Heimat Mecklenburg-Vorpommern anliefern und gut sichtbar auf dem Balkon platzieren lässt. Unerhört, diese abgehobene Arroganz der Macht!

Amthor lässt das Möbelstück nun wieder entfernen. Aber es hilft ja nicht mehr: Der CDU geht es mit der Öffentlichkeit mittlerweile wie in einer zerrütteten Partnerschaft. Was in besseren Zeiten noch als liebenswerte Schrulle durchging – und nichts anderes verkörpert der schnöselige Einstecktuchträger Amthor in der Union –, wird plötzlich zum Anlass herzlicher Abneigung.

Carsten Linnemann ist ein Fußballfreund, darum wird ihm eine vulgäre Sportweisheit nicht fremd sein, die dieser Tage auch für seine Partei gilt, der zurzeit aber auch gar nichts mehr zu gelingen scheint: Hast du Scheiße am Schuh, hast du Scheiße am Schuh.

Lesen Sie dazu auch den aktuellen SPIEGEL-Leitartikel


Wenn die Arbeit getan ist

Vielleicht fällt es der Koalition nach dem Wahlkampfgetöse nun leichter, sich nüchtern auf gemeinsame Beschlüsse zu verständigen. Umstritten sind da zum Beispiel noch die Rentenreform und insbesondere die eigentlich vorgesehene Abschaffung der sogenannten Rente mit 63. Wir erinnern uns: Dagegen regte sich zuletzt Widerstand in ostdeutschen Bundesländern (mehr dazu hier ).

Glücklicher Lebensabend: Wem kommt die »Rente mit 63« zugute?

Glücklicher Lebensabend: Wem kommt die »Rente mit 63« zugute?

Foto: Uwe Umstätter / Westend61 / IMAGO

Die Debatte dauert an, da ist es hilfreich, sich einen Überblick über die Faktengrundlage zu verschaffen. Dazu empfehle ich heute einen Text meines Kollegen Benjamin Bidder, der aufschlüsselt, warum die »Rente mit 63«, die eigentlich »Rente für besonders langjährig Versicherte« heißt, zwar in der Bevölkerung sehr beliebt ist, bei Rentenexperten allerdings auf nahezu einhellige Ablehnung stößt – auch weil sie wohl nicht vor allem denjenigen zugutekommt, denen man den früheren Ruhestand am ehesten gönnen möchte.

»Eine intuitiv einleuchtende Begründung für die Rente mit 63 lautet: Sie ist eine Belohnung für Menschen, die besonders lange besonders hart geschuftet haben. Die Realität gibt das allerdings nicht her. Eine Auswertung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt, dass Menschen mit besonders langer Berufskarriere in der Regel nicht diejenigen sind, die im Laufe ihrer Karriere besonders hohen Belastungen ausgesetzt gewesen sind.« Wer besonders hart gearbeitet hat, hält oft gar nicht so lange durch wie Büroangestellte, die demnach die Hauptprofiteure der Regelung sind.


Was den Actionheld geprägt hat

Der sprichwörtliche »Rambo« ist ein grober Klotz, einer, der sich allein mit Gewalt durchsetzt und dem jeglicher Intellekt abgeht. Sein Erschaffer, der Schauspieler Sylvester Stallone, ist kein Rambo – das wird schon in den ersten Zeilen des Interviews klar, das mein Kollege Christian Buß mit Stallone anlässlich seiner jetzt erscheinenden Autobiografie »The Steps« in New York geführt hat. Das Gespräch beginnt mit dem Nietzsche-Zitat »Was mich nicht umbringt, macht mich stärker« und wird danach nicht unbeschwerter.

US-Schauspieler Sylvester Stallone: Mit Melville im Keller

US-Schauspieler Sylvester Stallone: Mit Melville im Keller

Foto: Evan Agostini / Invision / AP

Stallone berichtet von der Lieblosigkeit seiner Eltern, vom Aufwachsen in New Yorks Hell’s Kitchen und von seinen traumatischen Erlebnissen in einer Psychiatrie, in die er als Jugendlicher zur Strafe gesteckt wurde und wo er nur knapp einer Vergewaltigung entgangen sei. Aber Stallone berichtet auch von glücklichen Stunden, etwa im Keller der Public Library, wo er die Originalmanuskripte von Herman Melville und Edgar Allan Poe bestaunen durfte.

Sly Stallone, ein Feingeist? Wer hätte das gedacht?


Hier geht’s zum aktuellen Tagesquiz

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Verlierer des Tages …

Jens Spahn (CDU) im Deutschen Bundestag: »Rücktritt noch viel zu frisch«

Jens Spahn (CDU) im Deutschen Bundestag: »Rücktritt noch viel zu frisch«

Foto: Liesa Johannssen / REUTERS

… ist Jens Spahn, der seinen Sitz im Haushaltsausschuss des Bundestags geräumt hat. Er merke an und in sich selbst, dass sein Rücktritt im Juli noch viel zu frisch sei, um wieder voll durchzustarten, als wäre nichts gewesen, schreibt er an seine Unionskollegen. Das hätte er sich allerdings auch schon früher denken können.


Die jüngsten Meldungen aus der Nacht


Heute bei SPIEGEL Extra: Warum wir laufen – und wie LSD uns high macht (nein, nicht die Droge)

Foto:

LordHenriVoton / E+ / Getty Images

Joggen. Freiwillig. Wieso bloß? Das fragten wir Sie im Juni. Gut 4000 Läuferinnen und Läufer haben geantwortet. Was sie schreiben, ist oft überraschend und auch bewegend .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version der Morgenlage haben wir Carsten Linnemann wieder zum Generalsekretär der CDU gemacht. Den Job hat seit Ende Juli Franziska Hoppermann. Linnemann ist seither Bundesgesundheitsminister. Wir haben den Fehler korrigiert.