Hallo!? Sagt mal jemand was?
Der Epstein-Datensatz ist gigantisch groß, mehr als drei Millionen Seiten, knapp 300 Gigabyte. Welche Aussagen darin sind belastbar, welche sind es nicht?
Epstein-Vertraute Trump und Mandelson (in seiner Rolle als britischer Botschafter in Washington) im Oval Office 2025: Die Überführten
Foto: Leah Millis / REUTERSMeine Kollegen Christoph Giesen und Nikolai Antoniadis beschreiben, wie Journalisten vorgehen, wenn sie große Datensätze auswerten und auch, worin die besonderen Tücken bei der Analyse der Epstein-Files liegen (mehr dazu hier). Denn diese wimmeln nur so von Angaben, die viele bekannte Menschen um ihren Ruf bringen können.
Ich merke an mir selbst, wie schwer es mir fällt, hier nicht schon sofort ein Urteil zu fällen, bevor die Sachlage ganz geklärt ist. Doch ein paar Personen gibt es ja bereits, die ihre Nähe zu dem Sexualstraftäter nicht mehr abstreiten können (mehr dazu hier ).
Bei ihnen allen aber zeigt sich ein ähnliches Muster: Da es nichts mehr bringt, die Nähe abzustreiten, versuchen sie, viel zu lange zu schweigen (Bill Clinton). Oder sie bezeichnen sich selbst als naiv beziehungsweise nichtsahnend (der britische Minister Peter Mandelson und Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen). Ober sie spielen die Nähe herunter (Donald Trump und Andrew Mountbatten-Windsor).
Natürlich – menschlich ist das nachvollziehbar. Die Überführten fürchten die Verurteilung.
Wünschen aber würde man sich, dass irgendeine dieser öffentlichen Personen sich der Verantwortung stellt, die sich aus ihrer gesellschaftlichen Position und den nicht abzustreitenden Fakten ergibt. Dass also jemand versucht, aufrichtig die Frage zu beantworten, die sich stellt: Wie wird man blind für das Schicksal von Opfern?
Bisher sind die Epstein-Akten nur »Dreck«, wie Melinda Gates richtig gesagt hat. Sie ist die Ex-Frau von Bill Gates, der ebenfalls zu nah an Epstein dran war. Dreck werden die Akten auch bleiben. Doch selbst aus Dreck lässt sich lernen – wenn man dazu bereit ist.
Mehr Hintergründe: Ein deutscher Forscher im Epstein-Zirkel – Einblick in die Recherche
ICE und Schnee
Heute reisen viele der Gäste an, die bei den Olympischen Winterspielen in Italien dabei sein wollen. Die Spiele beginnen morgen in und um Mailand und Cortina d’Ampezzo. Sie dauern bis zum 22. Februar. Heute schon wird das Medienzentrum in Mailand geöffnet. Sechs meiner Kollegen vom SPIEGEL werden hinfahren und von den verschiedenen Wettkampfstätten berichten.
Skirennläuferin Vonn: »Wir sind mehr als das, was gerade passiert«
Foto: Christian Bruna / EPAEine prominente Sportlerin ist bereits in Cortina d'Ampezzo angekommen: die Skirennläuferin Lindsey Vonn. Bei der Abfahrt am Sonntag möchte sie trotz eines Kreuzbandrisses teilnehmen.
Lindsey Vonn wuchs im US-Bundesstaat Minnesota auf. In dessen größter Stadt Minneapolis sind im Januar zwei Anti-Trump-Demonstranten erschossen worden. Die Sportlerin ging bei ihrer Ankunft in Italien indirekt auf die Ereignisse im eigenen Land ein und direkt auf die anstehenden Spiele. Sie sagte: »Das Beste, was ich machen kann, ist, Hoffnung zu haben und der Welt zu zeigen, was Amerika ist, wer wir sind als Volk, denn wir sind mehr als das, was gerade passiert«.
An den Schüssen in Minneapolis waren Agenten der Einsatztruppe ICE beteiligt. Das brachte nun auch andere Teilnehmer der Winterspiele in Nöte: Die Verbände für die Sportarten Eishockey, Eiskunstlauf und Eisschnelllauf haben laut dpa ein dreistöckiges Hotel in Mailand angemietet, das sie ursprünglich »Ice House« genannt hatten. Am Dienstag haben sie das Haus umbenannt: Es heißt jetzt »Winter House«.
Was ist in Iran passiert?
Die jüngsten Massenproteste in Iran, die vom dortigen Regime brutal niedergeschlagen wurden, könnten sich auf die globale Politik auswirken. Wir wissen nur noch nicht, wie: Mal droht US-Präsident Donald Trump dem Regime mit Militärschlägen, mal will er verhandeln. Doch was ist eigentlich genau passiert während der Massenproteste?
Niederschlagung der Proteste in Teheran (Videostandbild aus dem iranischen Staatsfernsehen): »Wie im Krieg«
Foto: Iran state TV / AP / dpaWir beim SPIEGEL wollen von solchen Ereignissen möglichst aus eigener Anschauung berichten. Doch wie sollten wir das machen, wenn es doch kaum möglich ist, ins Land hineinzukommen? Wenn die Regierung sogar das Internet blockiert? Und wenn diese Regierung die Bewohner derartig in Angst und Schrecken versetzt, dass diese sich selbst in ihren eigenen vier Wänden nicht mehr trauen, offen zu sprechen, weil sie fürchten, dass ihre Telefongespräche abgehört werden?
Um rekonstruieren zu können, wie brutal Sicherheitskräfte des iranischen Regimes am 8. Januar in der Stadt Rascht gegen Demonstrierende vorgegangen sind, haben sich meine Kolleginnen Anna-Sophie Schneider und Sara Wess gemeinsam mit anderen SPIEGEL-Leuten mit Journalistinnen der niederländischen Tageszeitung »NRC« zusammengetan.
Sie haben mit Augenzeugen gesprochen, die Iran mittlerweile verlassen haben, und mit Personen, die von Augenzeugen Nachrichten bekommen haben. Diese Nachrichten konnten meine Kolleginnen dann – mit Erlaubnis der Augenzeugen – auswerten. Außerdem analysierten sie mehr als ein Dutzend Videoaufnahmen, die in der iranischen Küstenstadt während der Proteste entstanden sind.
Sie haben dabei markante Details wie Fassaden, Fensterpositionen, Straßenlaternen und Bodenbeläge mit frei zugänglichen Vergleichsbildern der Umgebung abgeglichen. SPIEGEL-Dokumentarin Friederike Röhreke sagt: »Es ging uns darum, den Zeitpunkt und Ort der Aufnahme zu verifizieren.«
Heraus kam ein detaillierter Bericht, der erschütternd zu lesen ist. Zitiert wird darin die Augenzeugin M. Sie sagt: »Es war wie im Krieg.«
Die ganze Geschichte hier: Ein Basar wurde zur Todesfalle
Lesen Sie hier den aktuellen SPIEGEL-Leitartikel
Trumps Macht schwindet: Verlorene Regionalwahlen, Protest gegen ICE-Häscher: Immer mehr Bürgerinnen und Bürger wollen die Politik des US-Präsidenten nicht länger hinnehmen. Der erwägt drastische Maßnahmen.
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Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games.
Gewinner des Tages…
…sind die Vereinigten Arabischen Emirate. Dort versammelt sich heute die Weltpolitik. Vertreter Russlands und der Ukraine verhandeln in der Hauptstadt Abu Dhabi unter Vermittlung der USA weiter über – ja, was genau? Die Ukraine hofft auf Frieden. Und Russland? Sucht bisher wohl eher nach Gründen, weiter anzugreifen.
Anfahrt zu Friedensverhandlungen in Abu Dhabi: Hier trifft sich die Welt
Foto: Kirill Zykov / Sputnik / IMAGOEuropa ist an diesen Verhandlungen nicht beteiligt. Gleichwohl sucht der deutsche Bundeskanzler heute ebenfalls die Vereinigten Arabischen Emirate auf, wenn auch aus anderen Gründen. Er wird mit dortigen Vertretern über eine Zusammenarbeit in den Bereichen Energie und Rüstung sprechen.
Mehr dazu hier: Der Kanzler will in Saudi-Arabien mal nicht so streng sein
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
Bill Gates erklärt, es sei »dumm« gewesen, Zeit mit Jeffrey Epstein zu verbringen: In den jüngst veröffentlichten Epstein-Akten wird auch Bill Gates schwer belastet, zuletzt äußerte sich seine Ex-Frau öffentlich dazu. Jetzt bemüht sich der Milliardär im TV-Interview um Schadensbegrenzung.
US-Moderatorin Savannah Guthrie wendet sich mit Video an mutmaßliche Entführer ihrer Mutter: Seit Sonntag gilt die Mutter der bekannten NBC-Moderatorin Savannah Guthrie als vermisst. Jetzt haben ihre drei Kinder ein Video veröffentlicht, Adressaten sind die mutmaßlichen Kidnapper: »Wir sind bereit, zu sprechen.«
Museum kann bei Louvre-Coup zerdepperte Krone komplett wiederherstellen: Beim Einbruch im Pariser Louvre war eine kostbare Krone zu Bruch gegangen. Doch nun kommen aus dem Museum gute Nachrichten: Das Schmuckstück der einstigen Kaiserin Eugénie ist zu retten. Die Puzzlearbeit wird allerdings erheblich.
Heute bei SPIEGEL Extra: Die Kamine der anderen machen ihm Angst … zu Recht!
Thomas Mücher
Foto:Marina Weigl / DER SPIEGEL
Der Kölner Informatiker Thomas Mücher kämpft gegen die Schornsteine seiner Nachbarn. Klingt verrückt? Ja. Aber nur, weil die Deutschen ähnlich irrational an ihren Kaminöfen hängen wie die Amerikaner an ihren Waffen .
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihre Susanne Beyer, Autorin der Chefredaktion
