»Offener Krieg« zwischen Pakistan und Afghanistan, Sorgen in Iran
Die Welt ist nicht arm an Kriegen und Krisenherden. Am Ende dieser Woche kommt auch die Sorge dazu, der Konflikt zwischen den Nachbarländern Pakistan und Afghanistan könnte auf Dauer eskalieren. Der pakistanische Verteidigungsminister spricht bereits von einem »offenen Krieg«. Uno-Generalsekretär António Guterres hat beide Länder zu einer sofortigen Waffenruhe aufgerufen.
Männer im pakistanischen Peschawar verfolgen die Nachrichtenlage
Foto: Muhammad Sajjad / APWas ist geschehen? Am Donnerstagabend hatten die afghanischen Taliban Stellungen in Pakistan attackiert. Das pakistanische Militär reagierte und flog Luftangriffe – auch auf die beiden größten afghanischen Städte, Kabul und Kandahar. Beide Seiten melden Tote. In Peschawar im Norden nahe der afghanischen Grenze richten sich Krankenhäuser auf Opfer möglicher Anschläge ein. Pakistan wirft Afghanistan vor, Terrorgruppen wie dem IS einen Rückzugsort zu geben, was Kabul bestreitet. Mehrere Länder haben angeboten, in dem Konflikt zu vermitteln.
Ob Donald Trump noch auf Diplomatie in Sachen Iran setzt? Auch das könnte sich an diesem Wochenende zeigen. Eine Aussage des US-Präsidenten gibt zu denken. Über den Verlauf der Gespräche mit Teheran über ein neues Atomabkommen sei er »nicht begeistert«.
Die Menschen in Iran müssen täglich mit einem Militärschlag rechnen. Trump hat die größte amerikanische Streitmacht seit mehr als zwei Dekaden in den Nahen Osten befohlen. Was aufhorchen lässt: Die US-Regierung hat Mitarbeitern in Israel gestern nahegelegt, das Land zu verlassen. Vor Reisen nach Israel warnt auch das Auswärtige Amt. Würden die USA Iran attackieren, könnte sich das Regime in Teheran am Erzfeind Israel rächen.
Mehr Hintergründe hier: Wie Iran zurückschlagen könnte
Stillstand im Nahverkehr
Wenn die Industriegewerkschaften IG Metall oder IG BCE streiken, dann ist das relevant für die Wirtschaft, aber vom Alltag vieler Menschen weit entfernt. Wer merkt schon, wenn irgendwo ein Band stillsteht?
Dass Arbeitskampf schmerzen kann, dass er lästig ist und genau das sein soll, erkennen die meisten erst dann, wenn die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di zum Warnstreik aufruft. Zum Beispiel heute. In den meisten Bundesländern stehen viele Busse und Bahnen still, schon gestern war das der Fall. Rollen wird es nur in Niedersachsen, Baden-Württemberg und Ostholstein.
Beschäftigte der Verkehrsgesellschaft BVG in Berlin
Foto: Rainer Keuenhof / picture allianceVer.di fordert für die bundesweit rund 100.000 Beschäftigten in kommunalen Verkehrsbetrieben vor allem bessere Arbeitsbedingungen. Ausgang offen. Andere Gewerkschaften waren dieses Mal schneller. So hat sich die Bahn im Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL geeinigt, ganz ohne Arbeitskampf. Zur Erinnerung: Die GDL ist jene Gewerkschaft, die unter ihrem früheren Chef Claus Weselsky über Tage und Wochen den Schienenverkehr auszubremsen pflegte. Bahnreisende waren nicht gut auf den Mann mit dem Schnauzbart zu sprechen.
Weselsky war sich dessen bewusst. In seinem letzten SPIEGEL-Gespräch als GDL-Chef sagte er, im Fernsehen verbiete er sich das Lächeln: »Wir entziehen Hunderttausenden über Nacht das Verkehrsmittel, bringen alles durcheinander – da können Sie nicht auf Prince Charming machen« (mehr hier ). Sein Nachfolger Mario Reiß setzt offenbar auf einen anderen Kurs. Zum Arbeitskampf aufrufen wird die GDL wohl erst wieder im Frühjahr 2028.
Mehr Hintergründe hier: Werden die Lokführer jetzt zahm?
Wen schickt Deutschland zum ESC?
Eigentlich geht es ja bloß um Musik, um die Chance auf eine Popstarkarriere, um drei magische Minuten. Der Eurovision Song Contest (ESC) ist eine glitzernde Form des Eskapismus. Und doch spielt die Weltlage beim Wettbewerb immer eine Rolle. Über die Frage, ob der israelische Rundfunksender KAN am ESC teilnehmen darf, haben sich die Mitglieder der Europäischen Rundfunkunion Ende vergangenen Jahres zerstritten. Fünf Länder boykottieren den Wettbewerb in diesem Jahr.
Vorjahressieger JJ aus Österreich
Foto: Jens Büttner / dpaDeutschland ist im Mai in Wien dabei. Heute Abend um 20.15 Uhr wird in der ARD der diesjährige deutsche Beitrag gesucht. Aus neun Liedern soll eine internationale Jury drei Titel aussieben, unter denen das TV-Publikum entscheiden darf.
Mein Kollege Felix Bayer, der für den SPIEGEL über den Vorentscheid berichten wird, beschreibt das Teilnehmerfeld wie folgt: »Soll Deutschland versuchen, sich komisch zu präsentieren mit einer Italo- und Polski-Pop-Parodie? Trifft der Glam-Rock-Auftritt des nicht-binären Wavyboi aus Liechtenstein eher den Geschmack der queeren ESC-Kernzielgruppe? Oder hat die beflissene Dance-Pop-Choreografie einer Boulevard-gestählten Castingshow-Veteranin die besten Chancen?«
Felix prophezeit eine »kleine Richtungsentscheidung«.
Mehr Hintergründe lesen Sie hier: Das sind die Acts, die für Deutschland zum ESC wollen
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Gewinner des Tages…
Dan Brouillette / Bloomberg / Getty Images
…ist Greg Abel. Der Name sagt Ihnen nichts? Das dürfte sich ändern, falls Sie sich dafür interessieren, wie Sie Ihr Erspartes anlegen können. Abel ist Nachfolger des legendären Warren Buffett an der Spitze der US-Investmentholding Berkshire Hathaway. Und was immer Starinvestor Buffett tat, bewegte die Märkte. Zuletzt hatte er mit Portfolio-Umschichtungen ein Zeichen gesetzt: Er stieß Amazon-Aktien ab und stockte bei der digitalaffinen »New York Times« auf (mehr dazu hier). Mir war das sehr sympathisch. Ich räume ein, dass das möglicherweise mit meinem Beruf als Journalistin zu tun hat.
Heute veröffentlicht Abel seinen ersten Brief an die Aktionäre. Anleger werden dann wissen, was er vorhat. Die Erwartungen sind hoch. US-Wirtschaftsprofessor Henning Piezunka sagt es so: Auf Legenden wie Buffett zu folgen, sei eine undankbare Aufgabe. »So, als müssten Sie bei Borussia Dortmund nach Jürgen Klopp anfangen.«
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
Trump unzufrieden – Vermittler aus Oman hält Frieden für »zum Greifen nah«: Die bisherigen Verhandlungen zwischen den USA und Iran werden unterschiedlich bewertet. US-Präsident Donald Trump vermisst bei Iran den Willen, auf Atomwaffen zu verzichten. Der Vermittler aus Oman erzählt eine andere Geschichte.
Zahl Kleiner Waffenscheine auf mehr als 900.000 gestiegen: Immer Menschen in Deutschland haben einen Kleinen Waffenschein. Die Zahl hat Ende 2025 einen neuen Höchstwert erreicht. Die Polizei warnt besonders bei Schreckschusswaffen vor Gefahren im Alltag.
Greenpeace soll US-Pipelinebetreiber 345 Millionen Dollar zahlen: Rund zehn Jahre nach Protesten gegen eine Ölpipeline in den USA soll die Umweltschutzorganisation Greenpeace dem Betreiber eine Entschädigung von 345 Milliarden Dollar zahlen. Greenpeace kündigte umgehend Berufung gegen das Gerichtsurteil an.
Heute bei SPIEGEL Extra: Sie patrouillieren, wo ein falscher Schritt den Tod bedeutet
Fritz Hoffmann / Redux / laif
Donald Trump hat sie verspottet, aber die Sirius-Spezialeinheit überwacht in Grönland ein Gebiet, fast so groß wie Deutschland und Frankreich zusammen. Fünf Veteranen berichten von Einsätzen bei minus 50 Grad und monatelanger Dunkelheit .
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihre Cornelia Schmergal, Ressortleiterin Wirtschaft
