Sexuelle Gewalt: Debatte erforderlich
Ghislaine Maxwell, die Komplizin des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, soll heute aus dem Gefängnis über Video in einen US-Parlamentsausschuss geschaltet werden. Vermutlich wird sie die Aussage verweigern, um sich nicht selbst zu belasten. Sollte es so kommen, wird sie wieder mal all jene enttäuschen, die zu Recht von ihr erwarten, dass sie ihren Beitrag dazu leistet, die Verbrechen aufzuklären.
Komplizen Maxwell, Epstein (undatiert): Was lässt sich dagegen tun?
Foto: SDNY / ZUMA Wire / IMAGOMaxwell verbüßt eine 20-jährige Haftstrafe wegen Beihilfe zur sexuellen Gewalt an Minderjährigen durch Epstein. Ohne sie wären Epsteins Taten in diesem Ausmaß nicht möglich gewesen, deswegen ist es richtig, dass sie ins Gefängnis musste. Dass aber bisher kein einziger Mann aus dem engeren Umfeld von Epstein eine langjährige Haftstrafe verbüßt, fällt dann schon auf.
Es liegt an Epsteins Suizid, an außergerichtlichen Einigungen und Verjährungen, das ändert aber nichts daran, dass es Männer sind, die im Zentrum dieser Verbrechen stehen. Vor allem natürlich Epstein selbst, aber seine Opfer haben immer wieder ausgesagt, dass auch andere Männer ihnen sexuelle Gewalt angetan hätten (mehr dazu hier ).
Die Frage, warum manche Männer ihre Macht derartig missbrauchen, stellt sich in diesen Tagen leider immer wieder. Und sie stellt sich nicht nur in den fernen Zirkeln der Superreichen und Mächtigen, sondern zum Beispiel auch an einem Ort, an dem Heranwachsende besonderen Schutz benötigen und auch erwarten können: an einer deutschen Schule.
Einer der meistgelesenen Texte des Wochenendes auf SPIEGEL.de ist der meiner Kollegin Carlotta Böttcher unter der Überschrift »Können Sie bitte einfach aufhören«. Sie rekonstruiert darin anhand von Aussagen, E-Mails, Chatverläufen und Tagebucheinträgen die Fälle zweier Lehrer an einem Erfurter Gymnasium, die jahrelang Schülerinnen missbrauchten.
Ja, natürlich – es wäre weder fair noch sinnvoll, Männer hier unter Generalverdacht zu stellen. Debatten über sexuelle Gewalt müssen mit aller Sorgfalt geführt werden. Aber sie müssen tatsächlich auch geführt werden, und zwar dringend.
Laut einer Studie der Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch werden diese Taten zu 90 Prozent von Männern begangen. Als ein wesentliches Motiv gilt der Wunsch, Macht auszuüben und sich überlegen zu fühlen.
Also: Was läuft da falsch in prägenden Jahren? Wie entsteht dieser Wunsch überhaupt? Wodurch wird er genährt? Was lässt sich dagegen tun?
Mehr Hintergründe: »Können Sie bitte einfach aufhören«
Wie schlägt Europa sich diesmal?
Am Freitag dieser Woche beginnt die Münchner Sicherheitskonferenz. Heute gibt es dazu eine sogenannte Auftaktveranstaltung mit Staatsminister Florian Herrmann (CSU) und dem Vorsitzenden der Konferenz, Wolfgang Ischinger.
Vance-Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz 2025: Bemerkenswert grob
Foto: Sven Hoppe / dpaDie Konferenz gilt als weltweit wichtigstes Treffen zum Thema Sicherheitspolitik. 65 Staats- und Regierungschefs haben sich angekündigt. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wird anreisen. Friedrich Merz (CDU) wird das erste Mal als Kanzler an der Konferenz teilnehmen. Auch Außen- und Verteidigungsminister werden erwartet, so etwa US-Außenminister Marco Rubio.
US-Vizepräsident JD Vance aber wird diesmal nicht dabei sein. Im vergangenen Jahr hatte er die Europäer mit einem bemerkenswert groben Auftritt darauf eingestimmt, wie sehr sie unter ihm und US-Präsident Donald Trump zu leiden haben werden (mehr hier ).
So kam es dann auch.
Doch die Europäer haben sich entwickelt in diesem dunklen Jahr. In den Reden, die etwa der französische Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Kanzler beim Weltwirtschaftsforum im Januar in Davos gehalten haben, kam ein neues europäisches Selbstbewusstsein zum Vorschein.
Dieser Mann ist Hongkong
In Hongkong steht seit dieser Nacht das Strafmaß für den Medienunternehmer und Demokratieaktivisten Jimmy Lai fest. Schuldig gesprochen wurde der 78-Jährige bereits im Dezember. Nun entschied ein Gericht: Der Gründer der inzwischen eingestellten Zeitung »Apple Daily« muss 20 Jahre ins Gefängnis. Ihm wurde eine Verschwörung mit ausländischen Mächten vorgeworfen.
Angeklagter Lai vor Gericht (2021): Lebenslange Haftstrafe?
Foto: JEROME FAVRE / EPADie Anklage gegen ihn stützte sich auf das sogenannte Sicherheitsgesetz. Die Regierung in Peking erließ es 2020 nach den Massenprotesten in Hongkong. Es stellt öffentlich geäußerte Kritik an der chinesischen Zentralregierung unter Strafe.
Der Fall Jimmy Lai steht exemplarisch für das Schicksal Hongkongs: Die chinesische Regierung will in ihrer Sonderverwaltungszone keine Demokratie, nicht einmal im Ansatz.
Mehr Hintergründe: Gericht in Hongkong verurteilt Jimmy Lai zu 20 Jahren Haft
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Gewinnerin des Tages…
…ist die spanische Sprache. Vor wenigen Stunden trat der Latin-Künstler Bad Bunny, der vor allem auf Spanisch singt, in der Halbzeit des Super Bowl auf. Es wurde eine enorm energiegeladene Hommage an seine Heimat Puerto Rico.
Sänger Bad Bunny: Auftritt beim größten popkulturellen Ereignis des Landes
Foto: Chris Torres / EPADer Super Bowl, das Finale der US-amerikanischen American-Football-Profiliga National Football League (NFL), gilt als Hochamt des Patriotismus. Es ist eines der zentralen Sportereignisse der USA, die Show in der Halbzeit wiederum ist das größte popkulturelle Ereignis des Landes.
Hier das Scheinwerferlicht indirekt auf die spanische Sprache zu lenken, war von Anfang an als Protestnote gegen Trumps Politik gedacht – einer Politik, die sich gegen die überwiegend spanischsprachigen Immigranten aus der Mitte und dem Süden des Kontinents richtet.
Während der Grammy-Verleihung hatte sich Bad Bunny zuletzt noch sehr klar gegen die US-Einwanderungspolizei ICE positioniert (mehr hier). Beim Super Bowl verzichtete er auf allzu eindeutige politische Aussagen.
Trotzdem war der Auftritt gespickt mit versteckten Botschaften und Anspielungen. Am Ende trug der Sänger einen Football mit der Aufschrift »Zusammen sind wir Amerika«, während hinter ihm auf den Leinwänden zu lesen war: »Das Einzige, was mächtiger ist als Hass, ist Liebe.« Donald Trump schien davon wenig überzeugt. Der US-Präsident bezeichnete den Auftritt von Bad Bunny als »absolut furchtbar«.
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
Republikaner fordert Rücktritt von US-Minister wegen Kontakt zu Epstein: Bisher bestreitet US-Handelsminister Howard Lutnick engere Verbindungen zu Jeffrey Epstein. Doch die neuen Akten legen etwas anderes nahe. Der Druck auf den Republikaner wächst, auch aus den eigenen Reihen.
Japans Liberaldemokraten um Sanae Takaichi bejubeln Erdrutschsieg: Mit ihrem direkten Stil überzeugt Ministerpräsidentin Sanae Takaichi viele Menschen in Japan. Es gibt einen regelrechten Hype um die konservative Politikerin. Das zeigt sich nun auch bei den Neuwahlen. Sie kann wohl durchregieren.
Gil Ofarim gewinnt das Dschungelcamp 2026: Schon seine Teilnahme am Dschungelcamp wurde kontrovers diskutiert, sein Auftreten in der RTL-Sendung machte es nicht besser. Nun hat der Musiker Gil Ofarim das Finale der Show und damit 100.000 Euro gewonnen.
Heute bei SPIEGEL Extra: Chef sein, wer tut sich das noch an?
AnnaStills / Getty Images
Die Generation Z wäre alt genug, um Karriere zu machen. Doch viele lehnen Führungspositionen dankend ab. Und stellen Unternehmen damit vor ernste Probleme .
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihre Susanne Beyer, Autorin der Chefredaktion
