SpOn 20.11.2025
05:45 Uhr

News: Friedrich Merz in der Krise, Magdeburger Weihnachtsmarkt, Ärger für Wolfram Weimer


Ein Jahr nach dem Anschlag öffnet der Weihnachtsmarkt in Magdeburg. Der Kanzler steckt in der Krise. Und: Wer gewinnt den SPIEGEL Buchpreis? Das ist die Lage am Donnerstagmorgen.

News: Friedrich Merz in der Krise, Magdeburger Weihnachtsmarkt, Ärger für Wolfram Weimer

Der überforderte Kanzler

Die Weltklimakonferenz in Brasilien ist auf der Zielgeraden. Doch in Deutschland bestimmen nicht etwa die Verringerung der Treibhausgasemissionen oder Klimahilfen die Debatte über die COP30. Nein, es sind die abfälligen Äußerungen des Kanzlers über den Veranstaltungsort Belém (mehr dazu hier ).

Kanzler Merz: Wie lange geht das noch gut?

Kanzler Merz: Wie lange geht das noch gut?

Foto: Hannibal Hanschke / EPA

Friedrich Merz mag die Aufregung läppisch finden (mehr zu seiner Reaktion hier). Dabei zeigt er nicht zum ersten Mal »einen erschreckend nachlässigen Umgang mit Worten«, wie mein Kollege Roland Nelles kommentiert. »Kleine Paschas«, Asylbewerber, die sich »die Zähne neu machen« lassen, Stadtbild-Debatte – das ist kein Klartext, wie der Kanzler ihn gern für sich reklamiert. »Er labert, redet also erst und denkt später«, schreibt Roland (der ganze Kommentar hier ).

Mit seiner Katastrophenkommunikation bringt Merz inzwischen auch die Koalition ins Wanken. Statt die Rentenrebellen vom Parteinachwuchs bei deren Bundestreffen zu umarmen, haute er ihnen ein »Das kann doch nicht euer Ernst sein!« um die Ohren und witzelte tags darauf über den kühlen Empfang der verprellten Merz-Fans. Kein Wunder, dass die jungen Abgeordneten wenig Bereitschaft zeigen, im Rentenstreit beizudrehen.

Die Frage ist: Wie lange geht das noch gut? »Zurück bleibt der Eindruck eines Bundeskanzlers, dem das Gespür fehlt, um seinen Job professionell und geräuschlos zu machen«, schreiben meine Kolleginnen und Kollegen aus dem Hauptstadtbüro über die Merz-Krise. Der Eindruck »eines Kanzlers, der mit der Aufgabe überfordert ist«.

Lesen Sie zum Thema auch den aktuellen SPIEGEL-Leitartikel


Weihnachtsmarkt gegen die Angst

Heute beginnt in Magdeburg der Weihnachtsmarkt. Dort, wo vor elf Monaten Taleb Al Abdulmohsen, ein damals 50 Jahre alter Arzt aus Saudi-Arabien, mit einem angemieteten Auto einen neunjährigen Jungen und fünf Frauen tötete und Hunderte weitere verletzte, dort wollen am Vormittag Händler und Schausteller ihre Verkaufsbuden, Glühweinstände und Fahrgeschäfte für Besucher öffnen. Es soll eine »stille Eröffnung« werden, heißt es, ohne Bühne, Zeremonie oder Programm.

Magdeburg: Zufahrtssperren aus Beton am Rande des Weihnachtsmarktes

Magdeburg: Zufahrtssperren aus Beton am Rande des Weihnachtsmarktes

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Bis vor zwei Tagen war ungewiss, ob der Markt überhaupt stattfinden kann. Die zuständigen Aufsichtsbehörden hatten das Sicherheitskonzept bemängelt, Stadt und Veranstalter mussten nachbessern (mehr dazu hier ). Gut, dass die Lücken offenbar geschlossen werden konnten. Vom Weihnachtsmarkt geht schließlich auch eine Botschaft aus: Magdeburg trotzt dem Terror und der Angst (hier ein Video zur Stimmung in der Stadt).

Dass zeitgleich zum Weihnachtsmarkt nicht weit entfernt auf der anderen Seite der Elbe in einer extra erbauten Leichtbauhalle der Prozess gegen den Attentäter läuft, bewegt die Menschen zusätzlich. Für die damals direkt Betroffenen und die Angehörigen der Opfer muss es unerträglich sein, wie Abdulmohsen den Gerichtssaal als Bühne für seine Verschwörungserzählungen zu nutzen versucht. Die Verhandlung wird heute fortgesetzt.


Wer gewinnt den SPIEGEL Buchpreis?

Trommelwirbel! Den SPIEGEL Buchpreis gewinnt … Es tut mir leid, liebe Leserinnen, liebe Leser, ein wenig müssen Sie sich noch gedulden. Aber schon bald, noch heute Vormittag, werden wir auf SPIEGEL.de verkünden, welche Autorin oder welcher Autor die in diesem Jahr erstmals verliehene Auszeichnung bekommen wird.

Hervorragende Literatur: Die 20 nominierten Titel für den SPIEGEL Buchpreis

Hervorragende Literatur: Die 20 nominierten Titel für den SPIEGEL Buchpreis

Foto:

Alexandra Polina / DER SPIEGEL

Wer den Countdown in den vergangenen Wochen aufmerksam verfolgt hat, der weiß, welche drei belletristischen Werke der ursprünglich 20 nominierten Titel noch im Rennen um den Sieg sind:

  • Rachel Kushner, »See der Schöpfung«, übersetzt von Bettina Abarbanell (Rowohlt)

  • Irene Solà, »Ich gab dir Augen, und du blicktest in die Finsternis«, übersetzt von Petra Zickmann (S. Fischer)

  • Szczepan Twardoch, »Die Nulllinie. Roman aus dem Krieg«, übersetzt von Olaf Kühl (Rowohlt Berlin)

Während die anderen großen Literaturpreise in Deutschland allein deutschsprachige Werke prämieren, würdigt der SPIEGEL Buchpreis Romane internationaler und hiesiger Herkunft gleichermaßen. »So soll auch die oft virtuose und genauso oft übersehene Kunst der Übersetzerinnen und Übersetzer prämiert werden«, schreibt mein Kollege Andreas Bernard (hier mehr zum Buchpreis).

Natürlich ist das mit Ranglisten in der Literatur immer so eine Sache. Jede Schriftstellerin, jeder Schriftsteller hat einen eigenen Stil, ein eigenes Kunstverständnis, einen eigenen poetischen Weltzugang. Dem wollte auch die siebenköpfige Jury gerecht werden – wahrlich keine leichte Aufgabe.

Die Preisträgerin oder der Preisträger wird am Abend bei einem Festakt im Hamburger SPIEGEL-Haus geehrt. Im neuen SPIEGEL (erscheint heute um 13 Uhr digital) können Sie ein Gespräch mit der Gewinnerin/dem Gewinner lesen, und natürlich alles zum Buchpreis und den Plätzen 2 bis 20.


Hier geht’s zum aktuellen Tagesquiz

Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games.


Verlierer des Tages…

… ist Wolfram Weimer. Der Kulturstaatsminister sieht sich Vorwürfen ausgesetzt, als Miteigentümer der Weimer Media Group exklusive Politikerzugänge gegen Geld vermarktet zu haben. Es geht um den von Weimer und seiner Frau gegründeten Ludwig-Erhard-Gipfel, der jedes Jahr am Tegernsee stattfindet. Die Teilnahme ist teuer, dafür winkt die Chance, mit ehemaligen oder aktiven Spitzenpolitikern ins Gespräch zu kommen. Auch ein Treffen mit aktuellen Kabinettskollegen Weimers wurde wohl für den nächsten Gipfel in Aussicht gestellt.

Wolfram Weimer: Der Kulturstaatsminister spricht von einer »Kampagne«

Wolfram Weimer: Der Kulturstaatsminister spricht von einer »Kampagne«

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Klingt schwierig. Der Kulturstaatsminister allerdings will von Interessenkonflikten nichts wissen, spricht von »Kampagnen« und einer »Lüge«, gegen die er sich juristisch wehren werde. Ein Sprecher bestätigte zwar, dass Weimer nach wie vor 50 Prozent der Anteile an seiner Media Group halte. Aber: Er sei aus der Geschäftsführung ausgeschieden, habe kein Stimmrecht und sei auch sonst an keinen Entscheidungsprozessen beteiligt.

Das mag formal so sein. Aber ist damit alles gut? »Dass er mit seiner Frau Christiane Goetz-Weimer kein Wort über den Gipfel oder die Gäste redet, widerspricht dem gesunden Menschenverstand«, schreibt mein Kollege Christoph Schult. »Eine solche kommunikative Brandmauer ist in einer Ehe kaum vorstellbar.«

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht


Heute bei SPIEGEL Extra: Hilfe, die Frau hat Brüste – wie kann man sie wiederbeleben?

Reanimationspuppe mit Brüsten: Seltenes Exemplar

Reanimationspuppe mit Brüsten: Seltenes Exemplar

Foto:

Verena Brüning / DER SPIEGEL

Studien zeigen: Frauen, die in der Öffentlichkeit einen Herzstillstand erleiden, werden seltener reanimiert, weil viele Menschen gehemmt sind. Was helfen könnte .

Kommen Sie gut in den Tag.

Herzlich,

Ihr Philipp Wittrock, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro