SpOn 06.02.2026
05:39 Uhr

News: Friedrich Merz in der Golfregion, Iran und USA sprechen, Markus Söder verkleidet sich


Friedrich Merz bekommt Kamelfleisch kredenzt, Iran und USA wollen reden, Markus Söder verkleidet sich. Das ist die Lage am Freitagmorgen.

News: Friedrich Merz in der Golfregion, Iran und USA sprechen, Markus Söder verkleidet sich
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Handel sticht Menschenrechte

Als Demokrat, zumal als Regierungschef eines demokratischen Staates, kann man sich in der Golfregion auch mal unbehaglich fühlen. Einige der Staaten dort haben eine, nun, mindestens problematische Bilanz, was Freiheit, Menschenrechte und Pluralismus angeht. Friedrich Merz ist dort gerade unterwegs.

Merz, Emir von Katar in Doha: Kulinarisch schon mal vorgelegt

Merz, Emir von Katar in Doha: Kulinarisch schon mal vorgelegt

Foto: Andreas Rinke / REUTERS

In Saudi-Arabien traf er Kronprinz Mohammed bin Salman, der nach Erkenntnissen der CIA vor einigen Jahren den regimekritischen Journalisten Jamal Kashoggi töten ließ. Katar wiederum, wo Merz am Donnerstag Station machte, unterstützte lange und mit viel Geld die islamistische Hamas. Wanderarbeiter haben dort wenig Rechte.

Merz aber wirke von all dem auffallend unberührt, schreibt meine Kollegin Marina Kormbaki, die den Kanzler auf seiner Reise begleitet. Entsprechend unbekümmert äußert er sich.

»Ich kann nur sagen: Es sind beeindruckende Persönlichkeiten, die ich hier treffe«, sagte der Kanzler gestern in Doha. »Diese Region ist für uns in jeder Hinsicht äußerst interessant.« Merz möchte mehr Handel mit den Golfstaaten treiben, vorrangig bei Energie und Rüstungsgütern. Von deutscher Seite heißt es laut Marina, die Golfmonarchien seien daran sehr interessiert. Da kann man Gedanken an Knochensägen und Enthauptungen schon mal zurückstellen.

Weil US-Präsident Donald Trump so sprunghaft sei, sehnten sich auch die Golfstaaten nach verlässlichen Partnern, heißt es Marina zufolge in der deutschen Delegation. Im Gegenzug lockere Berlin seine Linie bei Waffenexporten, das versichere Merz seinen Gastgebern. Menschenrechte hin oder her (hier mehr).

Heute trifft Merz in Abu Dhabi den Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohamed bin Zayed, zum Mittagessen. »Der wird sich ein wenig anstrengen müssen, wenn er den Kanzler kulinarisch beeindrucken will«, schreibt Marina. »Der Emir von Katar hat Merz gestern Kamelfleisch aufgetischt, und wie zu hören ist, soll es der deutschen Reisegruppe geschmeckt haben.«


Die Experten sehen schwarz

Quasi um die Ecke, ebenfalls auf der Arabischen Halbinsel, steht heute ein Termin an, der weit über die Region hinaus von Bedeutung ist. In Oman sollen Gespräche zwischen Vertretern der USA und Irans beginnen. Es ist der Versuch, nach Wochen der Drohgebärden eine Konfrontation noch abzuwenden (mehr hier ). Doch schon um den Ort der Gespräche gab es Gezerre. Auch die Festlegung der Themen gestaltete sich bis zuletzt kompliziert.

Straßenszene in Teheran: Erst mal soll gesprochen werden

Straßenszene in Teheran: Erst mal soll gesprochen werden

Foto: Majid Asgaripour / REUTERS

Offenbar will die iranische Seite ausschließlich über das Atomprogramm des Landes sprechen, während es auf der US-Seite den Wunsch gibt, auch Themen wie das Raketenprogramm und Irans Unterstützung etwa der Hisbollah und der Hamas zu behandeln. Entsprechend groß ist die Skepsis unter Experten, die das Ganze verfolgen.

Mein Kollege Fritz Schaap hat darüber mit Ali Vaez gesprochen, Projektleiter für Iran bei der »International Crisis Group«. Er sagt: »Ich denke, alles, was wir vom ersten Treffen erwarten können, ist der Beginn eines Prozesses.«

Vaez klingt ziemlich pessimistisch. Die Frage des Kollegen Schaap, ob Krieg noch immer das wahrscheinlichste Szenario sei, beantwortet er mit einem klaren Ja. Seine Begründung: »Vergangenes Jahr haben die USA und Iran dasselbe Verfahren durchlaufen: Zuerst haben sie versucht, das Format der Verhandlungen festzulegen, und dann haben sie sich zusammengesetzt, um die inhaltlichen Fragen anzugehen. Aber ihre Positionen deckten sich fast gar nicht. Und das hat den Konflikt im Sommer eskalieren lassen. Damals hatten die USA noch nicht diese massive Feuerkraft an den iranischen Grenzen zusammengezogen. Ich befürchte, dass die Risiken heute viel größer sind. Die USA sind bereit, ihre militärischen Drohungen wahrzumachen. Und das iranische Regime wird um sein Überleben kämpfen – auf eine rücksichtslose Weise, die zu einem regionalen Flächenbrand führen könnte.«

Aber erst mal soll heute gesprochen werden.


Homer Simpson, Shrek – und...?

Irgendwann in der zweiten Hälfte dieses Tages, vermutlich am späten Nachmittag, dürfte das derzeit womöglich bestgehütete Geheimnis Bayerns gelüftet werden: In welchem Kostüm Ministerpräsident Markus Söder dieses Jahr zur Fastnacht in Franken erscheinen wird.

Söder als Elvis bei der Fastnacht 2025: Jedes Jahr aufs Neue

Söder als Elvis bei der Fastnacht 2025: Jedes Jahr aufs Neue

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Fastnacht in Franken? Das ist nicht irgendeine Karnevals-, Entschuldigung, Fastnachtsveranstaltung, sondern eine Institution. Der Bayerische Rundfunk überträgt die Prunksitzung ab 19 Uhr live aus Veitshöchheim, und wieder dürften Millionen vor den Fernsehern sitzen. Söder weiß das natürlich genau, auch deshalb legt er so viel Wert darauf, jedes Jahr aufs Neue mit einer kunstvollen Verkleidung zu verblüffen. Vergangenes Jahr trat er als Elvis auf, davor war er unter anderem schon als Homer Simpson, Edmund Stoiber, Otto von Bismarck, Marilyn Monroe, Gandalf der Zauberer und Shrek unterwegs.

Gibt es wichtigere Themen? Definitiv. Geht es bei alldem vor allem um Söders Selbstvermarktung? Natürlich. Aber mit seinen Kostümen, die wirklich immer wieder erstaunlich gut sind, dürfte er einigen Wählerinnen und Wählern für einen Abend Freude bereiten. Auch das darf Politik hin und wieder, gerade in diesen Zeiten.


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Gewinner des Tages…

…ist Nils Gründer, der bis vor einem knappen Jahr für die FDP im Bundestag saß. Als seine Partei es bei der Bundestagswahl 2025 nicht mehr über die Fünfprozenthürde geschafft hatte, musste sich Gründer, 28, wie die allermeisten seiner Fraktionskolleginnen und -kollegen, einen neuen Job suchen. Er fand ihn bei der Polizei, in seiner oberpfälzischen Heimat lässt er sich für den mittleren Dienst ausbilden. Aktueller Status: Polizeimeisteranwärter – und, im Ehrenamt, stellvertretender bayerischer FDP-Chef.

Nils Gründer im Bundestag

Nils Gründer im Bundestag

Foto: dts-Agentur / picture alliance

Er wolle keinen Sonderstatus in der Ausbildung, sagte Gründer meinem Kollegen Florian Gathmann, der ein interessantes Stück über die neuen Jobs der früheren liberalen Abgeordneten, Minister und Staatssekretäre geschrieben hat. »Ich lasse mich auch mal rüffeln.« Polizist sei schon immer sein Traumjob gewesen. »Nun kann ich hier etwas für mein Land tun.«

Da kann man nur sagen: Respekt.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • Norwegische Polizei ermittelt gegen Ex-Regierungschef Jagland: Mal ging es um Geld für eine Wohnung, dann um einen Urlaub: Norwegens Ex-Regierungschef Thorbjörn Jagland hatte wohl engen Kontakt zu US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Nun wird dem Verdacht auf schwere Korruption nachgegangen.

  • Uber muss 8,5 Millionen US-Dollar wegen sexuellen ‌Übergriffs durch Fahrer zahlen: Eine 19-Jährige wird von ihrem Uber-Fahrer vergewaltigt – und haftbar ist das Unternehmen: Zu diesem Schluss kamen Geschworene im US-Staat Arizona. Dem Unternehmen könnte dieses Urteil gewaltige Folgekosten bescheren.

  • Saudi-arabische Liga stutzt Cristiano Ronaldo zurecht – an dessen Geburtstag: Cristiano Ronaldo lässt sich in Saudi-Arabien den Herbst seiner Karriere vergolden. Doch zuletzt war der Fußballer mit den Transfers seines Klubs arg unzufrieden. Nun setzte es eine klare Ansage von der Ligaspitze.


Heute bei SPIEGEL Extra: Let’s spice things up🌶️!

Foto: Darren Muir / Stocksy United

Diese Gewürze brauchen Sie wirklich: Zeit für eine Inventur in der Gewürzschublade. Was reingehört, was raus kann – und wie Sie am besten nutzen, was schon drin ist .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Christoph Hickmann, Leiter des SPIEGEL-Hauptstadtbüros