Ein Rezept gegen Trump
Gegen Donald Trumps brachiale Methoden, so scheint es, ist kein Kraut gewachsen. Schon kurz nach dem Urteil des obersten US-Gerichtshofs, das seiner willkürlichen Zollpolitik einen Riegel vorschob, erließ der US-Präsident flugs neue Zölle auf anderer Gesetzesgrundlage. Die Freude bei europäischen Unternehmern war entsprechend verhalten, zu groß die Verunsicherung. Und die Sorge, am Ende womöglich noch mehr draufzuzahlen als bei den ursprünglichen Zöllen (mehr dazu hier ).
US-Präsident Trump bei seiner Rede zur Lage der Nation: Schon jetzt weniger Drohpotenzial
Foto: Getty ImagesEine hoffnungsvollere Interpretation des Zollurteils liefert nun der US-Ökonom Adam Posen im Gespräch mit meinem Kollegen Simon Book. Der Präsident des Peterson Institute for International Economics in Washington, D.C., sagt: »Trumps neuer Zoll ist ja nur temporär und gilt maximal 150 Tage. Danach braucht er den Kongress.« Schon jetzt aber habe der US-Präsident viel weniger Drohpotenzial, neue Abgaben zu erlassen. Das könne die Verhandlungsposition der Europäischen Union stärken: »Seid passiv-aggressiv gegenüber den USA, setzt nichts von dem um, was bislang vereinbart wurde, sondern kämpft auf eine sehr höfliche Weise um viele Kleinigkeiten«, so Posen. »Bleibt hart – und spielt auf Zeit.«
Das ganze Interview hier: »Alles, was Trump tun muss, ist, richtig zu lügen«
Gefährliche Ausflüchte
Scheinbar unverrückbar steht Hillary Clinton an der Seite ihres Gatten Bill – nun auch in der Epstein-Affäre: »Er stand ihm nicht nahe«, sagte die Ex-Außenministerin Mitte Februar im Interview mit meinen Kollegen Alexandra Berlin und Maximilian Popp (der ganze Text hier ). Er habe nur »ein paarmal Epsteins Flugzeug genommen, um karitative Projekte zu besuchen«. Diese Aussage passt schlecht zu einem Foto aus den Epstein-Files. Es zeigt Bill Clinton im Party-Outfit mit Epstein. Und noch schlechter zu Aufnahmen, die ihn mit einer zwar unkenntlich gemachten, aber offenbar jungen Frau auf dem Schoß sowie gemeinsam mit einer geschwärzten Person in einem Whirlpool zeigen.
Hillary Clinton bei der Münchner Sicherheitskonferenz am 13. Februar
Foto: Dwi Anoraganingrum / Panama Pictures / IMAGOHeute wird Hillary Clinton vor dem US-Kongress zur Aufklärung der Epstein-Affäre aussagen. Es ist kaum zu erwarten, dass sie hier mehr über die Verstrickungen ihres Gatten preisgeben wird. Die allzu offensichtlichen Ausflüchte der Clintons sind dabei nicht nur ein moralisches, sondern auch ein politisches Problem, analysiert meine Kollegin Susanne Beyer im SPIEGEL Shortcut: »Wenn sich Hillary Clinton auf ähnliche Weise wegduckt, wie Trump es tut, dann kommen die Demokraten nicht aus ihrer Defensive heraus.« Denn wenn alle lügen, auch so prominente Demokraten wie die Clintons, dann könnten sich die US-Bürger für den unterhaltsameren Lügner entscheiden – und der heißt Trump.
Zum aktuellen SPIEGEL Shortcut geht es hier: Warum die Clintons im Fall Epstein in den Fokus rücken
Sie übernehmen jeden Fall
Sie haben eine goldene Uhr, einen luxuriösen Sportwagen oder eine Villa in bester Lage, aber können sich leider überhaupt nicht mehr erinnern, womit Sie all das bezahlen konnten? Sollten Sie zusätzlich auch noch unter dem Verdacht stehen, ein Berufsverbrecher zu sein, müssen Sie möglicherweise demnächst ohne all die schönen Sachen auskommen: Die Bundesregierung hat einen Aktionsplan gegen Organisierte Kriminalität vorgelegt, nach dem es für die Behörden künftig leichter werden soll, Vermögenswerte einzuziehen, deren Finanzierung nicht nachvollziehbar ist.
Minister Lars Klingbeil (Finanzen), Stefanie Hubig (Justiz), Alexander Dobrindt (Inneres): Zu dritt gegen das Verbrechen
Foto: ESDES.Pictures; Bernd Elmenthaler / Bernd Elmenthaler / IMAGOZudem sollen Zollfahndung und Bundeskriminalamt bald auf die Daten des jeweils anderen zugreifen können, Rechtsgrundlagen für automatische Datenanalyse und biometrischen Internetabgleich geschaffen werden, ein Ermittlungszentrum für Geldwäsche beim Zoll sowie gemeinsame Ermittlungsgruppen mit dem BKA entstehen.
»Manches davon klingt technisch, bei anderem erstaunt, dass das nicht längst gang und gäbe ist«, berichtet mein Kollege Andreas Niesmann. Und zitiert die Zweifel der Praktiker an den schönen Ankündigungen der Regierung: »Ein Aktionsplan ist schnell formuliert, aber das Vermögen der Kriminellen rechtssicher einzuziehen, ist harte Vollzugsarbeit.«
Die ganze Geschichte hier: Wie Klingbeil und Dobrindt an die Villen und Luxusautos der Clanchefs wollen
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Gewinner des Tages…
Der Louvre in Paris, das meistbesuchte Museum der Welt
Foto: Yoan Valat / EPA… ist Christophe Leribault. Der Kunsthistoriker wird Nachfolger der bisherigen Louvre-Direktorin Laurence des Cars, die nach dem spektakulären Juwelendiebstahl und harscher Kritik der Belegschaft zurückgetreten ist. Leribault kennt sich mit publikumswirksamen Attraktionen aus: Bisher war er verantwortlich für das von Millionen besuchte Schloss Versailles.
Mehr Hintergründe hier: Christophe Leribault wird neuer Direktor des Pariser Louvre
Die jüngsten Meldungen aus der Nacht
Kuba wirft Besatzung von Motorboot aus Florida »terroristische Absichten« vor: Kubanische Grenzschützer haben auf ein in den USA registriertes Boot geschossen, vier Menschen starben. Laut der Regierung in Havanna wollte die Besatzung illegal nach Kuba – mit Sturmgewehren und Molotowcocktails.
Washington friert Gelder für arme Menschen in Minnesota ein: Die US-Regierung behauptet, Somalier in Minnesota hätten mehr als 200 Millionen Dollar veruntreut. Weil der angebliche Sozialbetrug nicht aufgeklärt ist, hält Washington nun Zahlungen an den Staat zurück.
Nvidia meldet Rekordquartal – Umsatz steigt um 73 Prozent: Der KI-Boom lässt den Chipkonzern Nvidia weiter wachsen: Im vergangenen Quartal kletterte der Umsatz auf gut 68,1 Milliarden Dollar. Nach Verkündung der Zahlen folgte allerdings eine ernüchternde Telefonkonferenz mit Investoren.
Heute bei SPIEGEL Extra: Wenn das Herz rast und der Arzt das nicht ernst nimmt
[M] DER SPIEGEL; Fotos: Manuela Clemens, Randy Faris / Getty Images
Ich bin herzkrank – von Ärzten heißt es dann oft: »Die redet so viel, die ist labil.« Warum Mediziner weibliche Symptome häufig übersehen und wie wir Betroffenen uns selbst schützen können .
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.
Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion
