SpOn 15.01.2026
05:36 Uhr

News: Donald Trump, Iran, Kai Wegner, Berlin, Wahl in Uganda


Die Vertreter der Islamischen Republik tun, was sie am besten können: Leid verbreiten. Berlins Regierender Bürgermeister Wegner muss zum Rapport. Und Uganda wählt. Das ist die Lage am Donnerstagmorgen.

News: Donald Trump, Iran, Kai Wegner, Berlin, Wahl in Uganda

Internet abschalten, töten

Wenn autoritäre Systeme sich durch die eigene Bevölkerung unter Druck gesetzt fühlen, tun sie oft zwei Dinge: Erstens erhöhen sie das Maß der Repression und Gewalt und stellen dies zur Abschreckung aller zur Schau. Damit sie aber ungestört vom Ausland Leid zufügen können, blockieren sie, zweitens, die Kommunikation. Klemmen Internet und Telefon ab.

Demonstration regimetreuer Iranerinnen und Iraner in Teheran: Hinrichtungsurteile nach wenigen Tagen

Demonstration regimetreuer Iranerinnen und Iraner in Teheran: Hinrichtungsurteile nach wenigen Tagen

Foto: Fatemeh Bahrami / Anadolu Agency / IMAGO

Dennoch dringen Informationen durch, wenn auch spärlich. So kommt es, dass auch die Außenwelt die vielen Leichensäcke in Teheran gesehen hat, neben denen verzweifelte Menschen knien. Dass auch die Außenwelt weiß, wie Angehörige gezwungen werden, falsche Sterbeurkunden zu unterschreiben. Dass es eine junge Frau mit dem Namen Rubina Aminian gab, die Mode studierte und bei Protesten offenbar aus nächster Nähe erschossen wurde, wie die in Norwegen ansässige Menschenrechtsorganisation Iran Human Rights berichtet.

US-Präsident Donald Trump hatte die Iranerinnen und Iraner am Dienstag dazu aufgefordert, weiter zu protestieren, Hilfe »ist auf dem Weg«, sagte er. Auch einen Tag nach dieser Ankündigung ist unklar, wie diese aussehen soll. Zuletzt erklärte Trump, dass er »von sehr wichtigen Quellen auf der anderen Seite« die Information erhalten habe, dass es in Iran keine Pläne für Hinrichtungen gebe. Er hoffe, dass dies stimme.

Die virtuelle US-Botschaft in Iran fordert ihre Bürger auf, das Land zu verlassen – ein mögliches Zeichen dafür, dass ein Militärschlag bevorsteht. Soll das die »Hilfe« sein? Da dürften zwei Herzen in der Brust vieler Menschen in Iran schlagen.


Ganz großes Tennis

Manchmal sind es die kleinen Momente, die Politikern die Karriere verbauen oder den Job kosten können. Den meisten dürfte das Lachen von CDU-Mann Armin Laschet während der Flutkatastrophe im Ahrtal in Erinnerung sein. Oder die Bobbycar-Affäre von Ex-Bundespräsident Christian Wulff (freilich nicht das einzige, aber sicher das unwichtigste Missgeschick des Unglücklichen).

Berliner Bürgermeister Wegner: Etwas peinlich, aber mehr auch nicht

Berliner Bürgermeister Wegner: Etwas peinlich, aber mehr auch nicht

Foto: Sebastian Gollnow / Sebastian Christoph Gollnow / dpa

Nun kommt eine Stunde Tennis des Berliner Bürgermeisters Kai Wegner auf diese Liste, die sicher nirgends auf der Welt so lang sein dürfte wie in Deutschland. Wegner hat zunächst verschwiegen, dann gebeichtet, so muss man es formulieren, am ersten Tag des großen Stromausfalls in Berlin mittags eine Stunde Tennis gespielt zu haben (mehr dazu hier ). Heute muss sich der Bürgermeister im Berliner Abgeordnetenhaus einer Debatte zum Krisenmanagement während des fünf Tage andauernden Blackouts im Südwesten der Stadt stellen (mehr dazu hier ).

Misslungenes Krisenmanagement ist das eine, darüber wird sicher noch zu reden sein. Und viele Berlinerinnen und Berliner, vor allem pflegebedürftige, kranke und ältere hatten schlimme Tage (mehr dazu hier ). Und es ist beängstigend, dass unsere kritische Infrastruktur überhaupt derart angreifbar ist. Kremlchef Wladimir Putin dürfte uns gerade aufmerksam beobachten und sich die Hände reiben, während wir über Tennis debattieren. Aber dass ein Politiker sich eine Stunde Zeit für seine Gesundheit (die körperliche wie die mentale, um nicht durchzudrehen bei dem Job), nimmt, ist vielleicht für jenen Tag ein wenig peinlich, aber mehr auch nicht. Er sei immer erreichbar gewesen, beschreibt Wegner etwas hilflos-beflissen meinen Kollegen Christian Teevs und Marc Hujer, die ihn zum Gespräch getroffen haben. »Auch nachts bin ich immer zu erreichen«, sagte Wegner den beiden.

Ich bin da ganz beim Berliner Autor Moritz von Uslar, auf dessen Blog mich ein netter Kollege kürzlich hinwies. Von Uslar schreibt, die »moralische Kleinst-Beharkung« von Bürgermeistern, Stadtabgeordneten, Stadträten, Landräten und sonstigen Lokalpolitikern müsse aufhören. »Es möchte sonst bald niemand mehr diese massiv unattraktiven, trostlosen, unglamourösen und vergleichsweise schlecht bezahlten Jobs nachgehen. Wir brauchen aber einen aus Berlin-Spandau stammenden Sohn eines Bauarbeiters und einer Einzelhandelskauffrau, der sich nach einem Realschulabschluss für Bundeswehrdienst und eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann entscheidet, mit lässiger Zuversicht seine Berlin-Spandau-artige Halbglatze trägt und sagt: Ich sehe mich als Regierenden Bürgermeister anödenden Verwaltungs-Shit erledigen und mittags bissl Tennis spielen, das bin ich


Herrschaft des alten Mannes

Im alten Rom erinnerten Sklaven den siegreichen Feldherren beim Triumphzug daran, dass er vergänglich ist. Der Sklave mahnte seinen Herren mit den Worten »Memento mori«: Sei dir bewusst, dass du sterben wirst. Wenn man sich in der Welt umschaut, kommt man unweigerlich zu dem Schluss, dass eine solche Erinnerung dem einen oder anderen autokratischen Machthaber guttun würde. Am besten, bevor er autokratische Tendenzen entwickelt.

Wahlplakate mit Museveni-Konterfei in Ugandas Hauptstadt Kampala: Nennt seine Wähler »Enkel«

Wahlplakate mit Museveni-Konterfei in Ugandas Hauptstadt Kampala: Nennt seine Wähler »Enkel«

Foto: Thomas Mukoya / REUTERS

Dieser Moment ist bei dem Machthaber Ugandas, Yoweri Museveni, allerdings längst vorüber. Der 81-jährige Langzeitherrscher – seit 1986 im Amt – stellt sich bei der heutigen Präsidentschaftswahl erneut auf. Wobei: Er stellt sich ja nicht wirklich auf. Dass er die Wahl verliert, gilt als ausgeschlossen, schreibt unsere Afrikakorrespondentin Muriel Kalisch. Herausgefordert wird der Alte, wie schon bei der Wahl 2020, erneut von Bobi Wine, etwa halb so alt wie Museveni, ehemaliger Popstar und Musiker. Wine steht für einen demokratischen Machtwechsel, will die Korruption im Land bekämpfen und ist besonders bei jungen Wählerinnen und Wählern beliebt.

Die nennt Museveni übrigens »Enkel«, wie Muriel schreibt. Viele dürften sich wünschen, dass er einfach in Rente geht und mit seinen eigenen Enkeln spielt.


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Foto:

Ulas&Merve / Stocksy

Keller, Kleiderschrank und alte Kisten ausmisten, um innerlich besser klarzukommen? Ja, das kann funktionieren. Warum Aufräumen uns so guttut .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihre Özlem Topçu, Leiterin des SPIEGEL-Auslandsressorts

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version dieses Textes war eine Aussage von Donald Trump auf Mittwoch datiert, er hat das iranische Volk aber bereits am Dienstag zu Protesten gegen das Regime aufgefordert. Wir haben die Stelle korrigiert.