SpOn 21.11.2025
05:46 Uhr

News: Brand beim Weltklimagipfel, explosives Treffen im Weißen Haus, Olaf Scholz als Zeuge


Ein Brand bremst die Klimaverhandler in Belém. New Yorks designierter Bürgermeister Mamdani besucht Donald Trump. Und: Altkanzler Scholz muss als Zeuge aussagen. Das ist die Lage am Freitagmorgen.

News: Brand beim Weltklimagipfel, explosives Treffen im Weißen Haus, Olaf Scholz als Zeuge

Brand bremst Brasilien

Eigentlich wollten sie heute endlich einmal pünktlich Schluss machen, nicht so wie bei den anderen Weltklimakonferenzen, die meist Stunden oder Tage länger dauerten als geplant. Bis zum Freitagabend Ortszeit sollten sich die Verhandler aus rund 190 Staaten nach zwei Wochen der Beratungen auf eine Abschlusserklärung einigen, so hatte sich Gastgeber Brasilien das vorgestellt.

Feuer auf dem COP30-Gelände in Belém: Verhandlungen unterbrochen

Feuer auf dem COP30-Gelände in Belém: Verhandlungen unterbrochen

Foto: Douglas Pingituro / REUTERS

Dann brach ein Feuer aus. Mitten im kritischen Verhandlungsendspurt musste das weitläufige Gelände der COP30 in Belém am Donnerstagnachmittag vorsorglich geräumt werden, weil eines der Zelte im Bereich der Länderpavillons in Flammen stand (mehr dazu hier). Ernsthafter verletzt wurde niemand, der Brand offenbar in kurzer Zeit unter Kontrolle gebracht. Aber dass rasch weiter über einen Plan zum Ausstieg aus der klimaschädlichen Verbrennung von Kohle, Öl und Gas verhandelt wird, daran war zunächst offenbar nicht zu denken.

Die Organisatoren wird der Zwischenfall nicht nur ärgern, weil möglicherweise Sicherheitsmängel zutage treten. Sie sorgen sich auch um das Ergebnis der Konferenz. Die Brasilianer hatten es geschafft, für eine ausgesprochen positive Atmosphäre zu sorgen (mehr dazu hier ), die freundliche Überrumpelungstaktik des Präsidenten Lula da Silva zeigte Wirkung. Ein Erfolg schien greifbar.

Und jetzt? Muss womöglich auch der Klimagipfel von Belém in die Verlängerung. Bleibt zu hoffen, dass die unverhoffte Verhandlungspause einen Durchbruch nicht unwahrscheinlicher macht.


Trump trifft Anti-Trump

Dass Donald Trumps öffentliche Plauderrunden mit seinen Gästen im Oval Office einen besonderen, meist zweifelhaften Unterhaltungswert haben, ist bekannt. Heute wird es wieder potenziell explosiv. Der US-Präsident empfängt den frisch gewählten New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani im Weißen Haus.

Zohran Mamdani: Als Anti-Trump ins Weiße Haus

Zohran Mamdani: Als Anti-Trump ins Weiße Haus

Foto: Brendan McDermid / REUTERS

Trump hat Mamdani wiederholt und fälschlicherweise als »Kommunisten« beschimpft. Er drohte dem in Uganda geborenen, bekennenden Muslim mit Abschiebung, er verunglimpfte ihn als »Judenhasser« und »Spinner«, der furchtbar aussehe, eine nervtötende Stimme habe und nicht besonders intelligent sei.

Mamdani wiederum inszenierte sich mit ökonomischem Populismus und positiver Zukunftsvision als Anti-Trump und gilt den Demokraten nun als Beweis dafür, dass sie noch gewinnen können.

Vor dem Treffen mit dem Präsidenten gibt sich der designierte Bürgermeister demonstrativ gelassen und kündigt an, vor allem über die hohen Lebenshaltungskosten in New York sprechen zu wollen. Um die zu senken, hat Mamdani vor seiner Wahl eine Mietpreisbremse, kostenlose Busse und Kinderbetreuung versprochen. Finanzieren will er das über höhere Steuern für Reiche und Unternehmen.

Vorschläge, zu denen Trump seine eigene Meinung hat. Es wird interessant.


Herr Scholz bitte in den Zeugenstand

»Das geht Sie einen feuchten Kehricht an.« – »Was soll dieser Unsinn?« – »Herr Vorsitzender, können Sie diesen Mist beenden?«

Als zuletzt ein SPD-Altkanzler für eine Zeugenaussage vor den Untersuchungsausschuss zum Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 geladen war, ließ er die Abgeordneten des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern unumwunden wissen, was er von ihren Fragen hält: nichts (mehr dazu hier). Gerhard Schröder bleibt Gerhard Schröder, auch im fortgeschrittenen Alter und bei angeschlagener Gesundheit.

Altkanzler Olaf Scholz: Erinnert er sich?

Altkanzler Olaf Scholz: Erinnert er sich?

Foto: Lilli Förter / dpa

Heute muss mit Olaf Scholz wieder ein sozialdemokratischer Ex-Regierungschef vor dem Gremium im Schweriner Schloss Rede und Antwort stehen. Es geht um die dubiose Rolle der Klimastiftung MV, die vordergründig dem Klima- und Ostseeschutz diente, in Wahrheit aber dazu, die Pipeline trotz angedrohter US-Sanktionen fertigzubauen, auch mit Millionen aus Moskau.

Man tritt Scholz sicher nicht zu nahe, wenn die Prognose lautet: Der Unterhaltungswert wird deutlich geringer sein als bei Schröder, der Erkenntniswert aber ähnlich mau. Schon bei seinen Auftritten vor dem Hamburger Untersuchungsausschuss zur Cum-Ex-Affäre plagten den SPD-Politiker leider, leider immer wieder gravierende Erinnerungslücken. Nicht ausgeschlossen, dass Scholz auch heute das Gedächtnis im Stich lässt, wenn es interessant wird.

Was er aber sicher wissen wird: Er hat nichts falsch gemacht.


Israels Ex-Premier kommt zu den Grünen

Zu ihrem Parteitag am übernächsten Wochenende in Hannover haben sich die Grünen nach SPIEGEL-Informationen einen besonderen Gastredner eingeladen: den früheren israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert. Das hat mein Kollege Christoph Schult erfahren. Olmert bestätigte ihm gegenüber den Auftritt bei den Grünen.

Ehud Olmert: Gast bei den Grünen

Ehud Olmert: Gast bei den Grünen

Foto: Stephane de Sakutin / AFP

Olmert war von 2006 bis 2009 der letzte Ministerpräsident, der ernsthafte Friedensgespräche mit der palästinensischen Führung versuchte. Einst war er in derselben Partei wie Benjamin Netanyahu, heute gehört der 80-Jährige zu den größten Kritikern des amtierenden Premiers. In einem SPIEGEL-Interview im Juli nannte er die israelische Militäroffensive im Gazastreifen einen »illegitimen Krieg, der aus den persönlichen politischen Interessen des Premierministers geführt wird«.

Man darf gespannt sein, wie Olmerts Rede die grüne Antragsdebatte zur Nahostpolitik beeinflusst.


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Gewinner des Tages…

…ist Friedrich Merz. Endlich mal ein Termin, bei dem – eigentlich – nichts schiefgehen kann. Heute ist bundesweiter Vorlesetag, und der Bundeskanzler macht mit. Merz wird am Vormittag die Berliner Robert-Reinick-Grundschule besuchen und Schülerinnen und Schülern einer fünften Klasse aus einem Buch vorlesen.

Kanzler Merz: Termin ohne Gefahr

Kanzler Merz: Termin ohne Gefahr

Foto: Odd Andersen / AFP

Das ist nicht nur eine gute Sache für die Kinder, sondern auch für den Kanzler. Denn wenn sich Merz streng an den Text hält, besteht keine größere Gefahr, dass er irgendjemandem rhetorisch auf den Schlips treten könnte. Und die Zuhörer werden auch kaum aus Protest den Raum verlassen.

Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • US-Entwurf für 28-Punkte-Plan – Ukraine soll Donezk und Luhansk abtreten: Die USA haben zuletzt an einem neuen Plan für ein Ende des Kriegs in der Ukraine gearbeitet. Mehrere Medien berichten jetzt über Einzelheiten eines Entwurfs, der für Kyjiw praktisch unannehmbar ist.

  • US-Küstenwache bewertet Hakenkreuz nicht mehr als Symbol des Hasses: Das Hakenkreuz war das offizielle Symbol des Nationalsozialismus. Trotzdem scheint die Küstenwache der USA kein allzu großes Problem mit ihm zu haben. Das legen laut einer US-Zeitung neue Richtlinien nahe.

  • Spaziergängerin berichtet über Bärensichtung im Kreis Rosenheim: Erst habe eine Krähe Alarm geschlagen, dann sei das Pelztier aufgetaucht: Eine Frau hat nahe der Chiemgauer Alpen einen Bären gesehen. Für ein Beweisfoto war aber der Fluchtreflex zu groß.


Heute bei SPIEGEL Extra: Gastgeber sein – Tipps für ein gelungenes Dinner ohne Kochkünste

Foto:

Alina Rudya / Bell Collective / Getty Images

Brunch für den Freundeskreis, Dinner mit ausgewählten Kolleginnen: Die kommenden Wochen eignen sich wunderbar zum Gastgeben. Und das Beste: Mit diesen Tipps müssen Sie nicht einmal gut kochen. 

Kommen Sie gut in den Tag.

Herzlich

Ihr Philipp Wittrock, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro