SpOn 08.01.2026
05:45 Uhr

News: Berlin, Stromausfall, Kai Wegner, Grönland, USA, Dänemark, Winter, Sturm Elli


In Berlin wächst der Druck auf Bürgermeister Kai Wegner nach einem Tennisspiel zur Unzeit. In Grönland wächst die Sorge vor einem US-Übergriff. Und in Norddeutschland wachsen schon bald die Schneewehen. Das ist die Lage am Donnerstagmorgen.

News: Berlin, Stromausfall, Kai Wegner, Grönland, USA, Dänemark, Winter, Sturm Elli
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Druck auf Wegner wächst

Zunächst mal die gute Nachricht: Die Stromversorgung im Südwesten Berlins ist wieder angelaufen. Nach mehreren kalten Tagen und dunklen Nächten sind die allermeisten betroffenen Haushalte zurück am Netz (mehr dazu hier). Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner reagierte verständlicherweise erleichtert: »Ich habe mich noch nie in meinem Leben so doll gefreut, dass der Strom wieder da ist«, sagte der CDU-Politiker.

Kai Wegner (am 7. Januar)

Kai Wegner (am 7. Januar)

Foto: Soeren Stache / dpa

Nicht ganz so groß dürfte bei Wegner die Freude sein, wenn es um die Aufarbeitung des wohl längsten Stromausfalls der Nachkriegsgeschichte in der Hauptstadt geht. Denn auf ihn kommen unangenehme Nachfragen zu. Konkret geht es dabei um eine Tennispartie des CDU-Politikers. Daran ist ja zunächst mal nichts problematisch, sollte man meinen. Das stimmt, problematisch ist aber der Zeitpunkt des Matches. Laut RBB zog es ihn nämlich am Samstag zwischen 13 und 14 Uhr auf den Platz, zusammen mit seiner Lebensgefährtin. Da war der Strom in den betroffenen Gebieten schon seit Stunden weg.

Noch problematischer: Wegner hat die Tennisstunde erst auf Nachfrage eingeräumt, als ihn Journalisten konfrontierten. Vorher hatte er erklärt, »den ganzen Tag am Telefon« gewesen zu sein. Inzwischen hat Wegner kleinlaut erklärt, dass er das wohl besser hätte kommunizieren müssen.

Philipp Wittrock aus dem Hauptstadtbüro des SPIEGEL sieht die Sache für den CDU-Mann noch lange nicht ausgestanden. »Die Chance, sich als anpackender Krisenmanager im Stile des Hochwasser-Bekämpfers Gerhard Schröder zu inszenieren, hatte Wegner ohnehin verpasst. Nun steht er auch noch als Täuscher da. Ein unverzeihlicher Doppelfehler, um im Tennis-Bild zu bleiben.«

Es gibt Parallelen zu Armin Laschet, 2021 CDU-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Unionskanzlerkandidat. Der hatte beim Besuch im Hochwassergebiet von Erftstadt im Gespräch mit anderen gewitzelt, Kameras fingen es ein. Philipp schreibt: »Die Szene flog Laschet um die Ohren, zwei Monate später verlor er die Bundestagswahl.«

Lesen Sie dazu auch hier den aktuellen SPIEGEL-Leitartikel


Ist Grönland als Nächstes dran?

Der Bundespräsident fand deutliche Worte, als es darum ging, die Gefahren für die Weltordnung zu beschreiben. »Es geht darum, zu verhindern, dass sich die Welt in eine Räuberhöhle verwandelt, in der sich die Skrupellosesten nehmen, was sie wollen, in der Regionen, ganze Länder wie Eigentum weniger Großmächte behandelt werden«, sagte Frank-Walter Steinmeier gestern Abend in Berlin. Konkret sprach er vom »Wertebruch unseres wichtigsten Partners USA«. Auf Venezuela und Grönland ging er nicht direkt ein, aber das war auch nicht nötig.

Dänischer Soldat bei Manöver in Grönland (im September 2025)

Dänischer Soldat bei Manöver in Grönland (im September 2025)

Foto: Guglielmo Mangiapane / REUTERS

Nach dem Coup in Caracas scheint sich nun Grönland als nächstes US-Ziel abzuzeichnen (mehr dazu hier ). Zuletzt hatte Donald Trumps Sprecherin betont, dass ein Kauf der Insel intensiv diskutiert werde. Gleichzeitig wies sie aber auch auf die militärische Option hin. Grönland gehört zum EU- und Nato-Staat Dänemark, genießt aber weitreichende Autonomie. Ein Angriff hätte unabsehbare Folgen, nicht nur für den Fortbestand der Nato.

Davon mal abgesehen: Für einen Kampf in der Arktis ist das US-Militär nicht wirklich ausgerüstet. Das steht in einer Analyse von Christoph Seidler und Marc Hasse für das Wissenschaftsressort des SPIEGEL. Sie schreiben, dass die USA Grönland als Ganzes nicht kontrollieren könnten. Ein mächtiger Flugzeugträger etwa nütze kaum etwas, wenn man ständig Angst haben muss, dass er von einem Eisberg versenkt wird.

Seidler und Hasse schreiben weiter: »Dänemarks militärische Fähigkeiten auf Grönland sind nicht gigantisch, aber sie sind nicht null. Die Elitesoldaten der sogenannten Sirius-Patrouille mit Schlittenhunden sind regelmäßig im Norden und Osten Grönlands unterwegs. Im vergangenen Jahr trainierten Hunderte dänische Soldaten in Grönland, zusammen mit Kollegen etwa aus Schweden und Norwegen. Die USA waren zum Manöver Arctic Light 2025 nicht eingeladen.«

Zuletzt hatten die Dänen eine milliardenschwere Investitionsoffensive für Grönlands Sicherheit angekündigt. Der Hintergedanke der Investitionen war vor allem, Russland in der Arktis stärker gegenüberzustehen. Dass nun stattdessen der Nato-Partner USA mit Militärgewalt droht, dürfte auf der Insel und in Kopenhagen immer noch wie ein schlechter Scherz ankommen.


Winterwetter ohne Ende

Es ist knackig kalt in Deutschland. Und eisglatt ist es vielerorts auch noch, was unter anderem in den Notaufnahmen für Hochbetrieb sorgt (mehr dazu hier). Wer hofft, demnächst mal aufzutauen, sollte zumindest im Norden des Landes Geduld mitbringen. Denn Sturmtief »Elli« rückt an. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt vor einem »echten Wetterkrimi«.

Hamburger Landungsbrücken

Hamburger Landungsbrücken

Foto: Marcus Brandt / dpa

Betroffen ist hauptsächlich die Nordhälfte des Landes: »Im Streifen von der Nordsee bis in den Osten hinein können verbreitet um die zehn oder regional bis zu zwanzig Zentimeter Neuschnee zusammenkommen«, so Adrian Leyser Sturm vom DWD (ja, er heißt wirklich so). Dabei kann der kräftige Wind die lockere Schneedecke verwehen und zu größeren Behinderungen auf Straßen und Wegen führen. Ähnliche Schneemengen seien in den Mittelgebirgen möglich.

In Hamburg werden vorsorglich schon mal Beerdigungen abgesagt. Auf der Ostseeinsel Fehmarn raten die Behörden sogar dazu, Lebensmittelvorräte für mehrere Tage anzulegen.

Freuen dürften sich vor allem die Kleinsten über die Wetterkapriolen. Nach dem Sturm dürften die Schlittenbedingungen gut sein. Und die Schulbehörden in Hamburg und Teilen von Niedersachsen haben bereits unterrichtsfreie Tage angedeutet.


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Die jüngsten Meldungen aus der Nacht

  • Venezuela kauft laut Trump »nur US-Produkte« mit Ölgeld: Die USA kontrollieren nach ihrem Coup die gewaltigen Ölreserven in Venezuela. Präsident Trump stellt nun klar, wofür das Land die Erlöse aus seinen Rohstoffen ausgeben darf: Waren »made in USA«.

  • Sohn von Rob Reiner verliert Staranwalt: Nick Reiner steht wegen des mutmaßlichen Mordes an seinen Eltern vor Gericht. Nun zieht sich sein Verteidiger zurück – und betont zugleich, Reiner sei unschuldig.

  • Frau bei ICE-Razzia in Minneapolis erschossen: Bei einem groß angelegten Einsatz der US-Einwanderungsbehörde ist eine Autofahrerin in Minneapolis tödlich verletzt worden. Unmittelbar nachdem Beamte auf die Frau geschossen hatten, versammelten sich Demonstranten am Tatort.


Heute bei SPIEGEL Extra: So kommen Sie endlich vom Handy los – eine Anleitung

Foto:

Juan Moyano / Stocksy

An Bildschirmen konzentrieren Sie sich im Schnitt nur 47 Sekunden. Unsere Autorin hat Strategien ausprobiert, um nicht ständig am Smartphone zu hängen. Und einen guten Weg gefunden .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihr Johannes Korge