Die Thüringer AfD hat einen neuen Jugendverband – setzt aber auf dasselbe Spitzenpersonal wie zuvor, als die Jugendorganisation der Partei unter dem Namen Junge Alternative (JA) firmierte. Carolin Lichtenheld wurde bei der Gründungsversammlung in Ilmenau zur Landesvorsitzenden der Organisation »Generation Deutschland« gewählt, wie Landessprecher Stefan Möller mitteilte. Stellvertreter wurde demnach Eric Engelhardt.
Engelhardt war bis zur Auflösung der JA im vergangenen Frühjahr erster Landesvorsitzender, Lichtenheld zweite Vorsitzende. Sie sitzt im Kreistag von Schmalkalden-Meiningen. Bei der Gründungsversammlung in Ilmenau waren laut Möller rund 40 Stimmberechtigte anwesend. Neben ihm selbst seien auch Landeschef Björn Höcke , weitere Thüringer Bundestagsabgeordnete sowie der Europaabgeordnete René Aust vor Ort gewesen.
Lichtenheld erklärte in einer Mitteilung, dass mit der Gründung ein Schritt zum Aufbau einer »patriotischen Jugendorganisation« erfolgt sei. »Ziel ist es, junge Menschen politisch zu bilden, zu vernetzen und dauerhaft für eine aktive Mitarbeit im Sinne des Programms der Alternative für Deutschland zu gewinnen.«
Verfassungsschutz erkennt »weder Mäßigung noch Wandlung«
Die Vorgängerorganisation JA hatte sich aufgelöst, nachdem sich die AfD auf Bundesebene von ihr getrennt hatte. Als eigenständiger Verein war die vom Verfassungsschutz als erwiesen rechtsextremistisch eingestufte JA nur lose an die AfD angebunden gewesen. Negative Schlagzeilen fielen somit oft auf die Bundespartei zurück.
Als Verein lief die JA auch Gefahr, verboten zu werden, da die rechtliche Hürde hier nicht so hoch ist wie bei einer Partei. Die Nachfolgeorganisation soll nun enger an die Partei gebunden werden. Der AfD-Landesverband in Thüringen wird vom Landesverfassungsschutz ebenfalls als gesichert rechtsextremistisch eingestuft.
Thüringens Landesverfassungsschutz-Chef Stephan Kramer hatte schon nach der bundesweiten Gründungsveranstaltung der »Generation Deutschland« im Herbst dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) gesagt, eine erste Sichtung der Beiträge und Auftritte bei der Veranstaltung zeige »weder eine Mäßigung noch eine Distanzierung oder gar Wandlung« gegenüber der Jungen Alternative. Man müsse »wohl doch eher von einer Nachfolgeorganisation, diesmal unter dem Schutz des grundgesetzlichen Parteienprivilegs als Jugendorganisation der AfD, ausgehen«.
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In Ilmenau kamen am Sonntag nach Polizeiangaben rund 180 Menschen zu einer Kundgebung zusammen. Es sei alles friedlich verlaufen, die Veranstaltung sei nicht gestört worden.
Ende November vergangenen Jahres war die bundesweite Gründung der neuen AfD-Jugend in Gießen von massiven Protesten begleitet worden. Es kam dabei auch zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten.
SPIEGEL-Recherchen zeigen, dass sich hinter der Fassade in der neuen AfD-Jugend mehr Radikale und Neonazis tummeln als in der alten. Den Bericht lesen Sie hier.
