SpOn 28.01.2026
11:27 Uhr

Nato: Kaja Kallas plädiert für europäischere Ausrichtung der Allianz


Angesichts der angespannten Beziehungen zu den USA hat die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas die Europäer aufgerufen, ihre Verteidigungsbemühungen zu stärken. Europa sei nicht mehr der primäre Gravitationspunkt Washingtons.

Nato: Kaja Kallas plädiert für europäischere Ausrichtung der Allianz

Führende EU-Vertreter fordern erneut militärische Eigenständigkeit: Europa sei nicht mehr Washingtons primäres Gravitationszentrum, diese Verschiebung sei struktureller Natur und nicht nur vorübergehend, sagte etwa die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas bei der jährlichen Konferenz der Europäischen Verteidigungsagentur (EDA) in Brüssel. Zwar strebe die EU weiterhin »starke transatlantische Beziehungen« an. Das Bündnis müsse sich jedoch »neuen Realitäten anpassen«, die durch die »grundlegende Neuorientierung« der US-Außenpolitik entstanden seien. Die Nato müsse europäischer werden, um ihre Stärke zu bewahren, sagte Kallas. Sie rief die Europäer dazu auf, ihre Verteidigungsbemühungen zu verstärken.

US-Präsident Donald Trump hatte die europäischen Verbündeten Anfang des Jahres mit der Ankündigung schockiert, Grönland den USA anschließen zu wollen. Erst nach entschiedenem Protest aus Europa, Kritik aus der US-Politik und -Wirtschaft sowie einem Gespräch mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte schloss er vor wenigen Tagen Gewalt als Mittel aus. (Erfahren Sie hier mehr darüber.) Die Grönlandkrise hat die Rufe lauter werden lassen, sich vom jahrzehntelangen transatlantischen Partner und Beschützer loszulösen – auch in Verteidigungsfragen.

EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius forderte auf der EDA-Konferenz, die Europäer müssten ihre Unabhängigkeit in der Verteidigung »sehr schnell« aufbauen, »ohne Verzögerungen und ohne Ausreden«. Die EU sei beim Thema Verteidigung ein »schlafender Riese«, der geweckt werden müsse. Auch wenn die Verteidigung weiter die Aufgabe der Mitgliedstaaten bleibe, werde Brüssel sie mit Gesetzen, Geld und Koordinierung unterstützen.

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Die Staats- und Regierungschefs der EU hatten bei ihrem Gipfel im Oktober beschlossen, die Position der EDA zu stärken. Der deutsche EDA-Generalsekretär André Denk argumentierte nun, die EU könne bei der Verteidigung nicht nur »nationale Systeme zusammenflicken«, sondern brauche »echte Zusammenarbeit«. Europa könne sich nicht »für immer auf die US-Geheimdienste, auf ihre logistische Unterstützung verlassen«.

atr/AFP/Reuters