Es war nicht der erste Prozess wegen Machtmissbrauchs gegen Najib Razak, aber der bisher größte: Der inhaftierte ehemalige malaysische Premierminister ist erneut für schuldig befunden worden, diesmal wegen der Veruntreuung von mehr als 500 Millionen US-Dollar aus dem Staatsfonds 1Malaysia Development Berhad (1MDB). Das Strafmaß wurde noch nicht verkündet.
Najib war in vier Fällen von Korruption und in 21 Fällen von Geldwäsche angeklagt worden, weil er illegale Überweisungen in Höhe von etwa 2,2 Milliarden Ringgit (544,15 Millionen US-Dollar) von 1MDB erhalten hatte.
Malaysische und US-amerikanische Ermittler gehen davon aus, dass mindestens 4,5 Milliarden US-Dollar aus dem Staatsfonds 1MDB gestohlen wurden, den Najib 2009 während seiner Amtszeit mitbegründet hatte. Insgesamt sollen sogar mehr als eine Milliarde US-Dollar auf Konten geflossen sein, die mit Najib in Verbindung stehen.
Najib streitet jegliches Fehlverhalten ab, das Gericht glaubte ihm auch in diesem Fall nicht.
»Die Behauptung des Angeklagten, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe seien eine Hexenjagd und politisch motiviert, wurde durch die kalten, harten und unbestreitbaren Beweise gegen ihn widerlegt. Sie deuten darauf hin, dass er seine eigene mächtige Position bei 1MDB missbraucht hat, verbunden mit den ihm übertragenen weitreichenden Befugnissen«, sagte Richter Collin Lawrence Sequerah des obersten Gerichts in Kuala Lumpur in seinem Urteil.
Das Urteil könnte zu Spannungen innerhalb der Regierungskoalition von Malaysias Premierminister Anwar Ibrahim führen. Zu der Koalition gehört auch die einst dominierende United Malays National Organisation, auf die ihr ehemaliger Vorsitzender Najib weiterhin erheblichen Einfluss hat.
Der 72-Jährige befindet sich seit August 2022 in Haft, nachdem Malaysias oberstes Gericht eine Verurteilung wegen Korruption wegen illegaler Entgegennahme von Geldern aus einer 1MDB-Einheit bestätigt hatte. Seine zwölfjährige Haftstrafe in diesem Fall wurde vergangenes Jahr von einem Begnadigungsausschuss um die Hälfte reduziert.
