SpOn 28.02.2026
19:48 Uhr

Nahostkrieg: Wo USA, Israel und Iran angegriffen haben


Israel und Kuwait, Katar und Jordanien und natürlich Iran selbst: Aus zahlreichen Ländern des Nahen Ostens gibt es Berichte von Raketen- oder Drohnenangriffen. Hier finden Sie alle.

Nahostkrieg: Wo USA, Israel und Iran angegriffen haben

Der Angriff auf Iran, der am frühen Samstagmorgen begann, hat längst Auswirkungen auf den gesamten Nahen Osten. Aus zahlreichen Ländern werden Angriffe mit Raketen oder Drohnen gemeldet. Nicht alle diese Berichte von Angriffen und teilweise auch Opfern lassen sich derzeit unabhängig überprüfen.

In Iran wurden – teils von staatlichen Nachrichtenagenturen, teils von anderen Medien – zahlreiche Angriffe in mehreren Landesteilen gemeldet. Ein Schwerpunkt lag demnach auf der Hauptstadt Teheran und deren Umland. Getroffen wurden außerdem die Industriestadt Marand im Norden des Landes, Militäreinrichtungen in Snanadaj im Westen und Isfahan im Zentraliran. Berichte von Angriffen gibt es zudem in Zahedan, wo die Attacken besonders heftig gewesen sein sollen, sowie aus mehreren Orten am Persischen Golf, unter anderem Bushehr und Minab. Dort sollen beim Angriff auf eine Mädchenschule zahlreiche Kinder ums Leben gekommen sein. Bisher ist dort von bis zu 90 Toten die Rede.

Irans Vergeltungsschläge richteten sich gegen zahlreiche Staaten im Nahen Osten, hauptsächlich gegen mit den USA verbündete Staaten. Viele Geschosse scheinen abgefangen worden zu sein, andere erreichten ihr Ziel, wie die Berichte von Explosionen aus mehreren Ländern zeigen.

Israel: Immer wieder Alarmsirenen

In Israel gab es den ganzen Samstag über im ganzen Land immer wieder Raketenalarm. Explosionen wurden aus Jerusalem gemeldet, Abschüsse von Flugkörpern durch den »Iron Dome« unter anderem aus dem Großraum Tel Aviv und aus Haifa im Norden. Dabei kam es nach Angaben des israelischen Rettungsdiensts auch zu Personenschäden. Demnach wurde ein Mann bei einer Explosion im Norden des Landes leicht verletzt. Ein Jugendlicher erlitt bei einem weiteren Angriff Verletzungen an den Beinen. Zuvor hatte der Rettungsdienst nach eigenen Angaben bereits mehrere Menschen versorgt, die sich auf dem Weg in die Schutzräume verletzt hatten oder Panikattacken erlitten.

Am internationalen Flughafen von Kuwait hat eine Drohne mehrere Mitarbeiter leicht verletzt. Der Sprecher der Luftfahrtbehörde sprach gegenüber lokalen Medien von einem Sachschaden in begrenzter Höhe. Auf Videos in den sozialen Medien ist zu sehen, wie Trümmer auf dem Boden liegen. Teile des Flughafendachs sind offenbar eingestürzt, an einer Stelle brennt es. Zudem haben die kuwaitischen Streitkräfte nach Angaben der Regierung mehrere ballistische Raketen abgefangen, die auf den US-Luftwaffenstützpunkt Ali Al-Salem in dem Golfstaat abgefeuert wurden. Iran hatte zuvor bestätigt, den Stützpunkt angegriffen zu haben. In dem kleinen Staat Kuwait am Persischen Golf liegen wichtige Basen der US-Armee und der US-Luftwaffe. Nach US-Angaben sind im Land rund 13.500 US-Truppen stationiert. Kuwait ist dabei ein wichtiges Transport- und Logistik-Drehkreuz für das amerikanische Militär.

In Dubai ist Social-Media-Berichten zufolge das Luxushotel Fairmont – The Palm zum Opfer eines Angriffs geworden. Im Internet kursierende Videos zeigen, wie das Hotel auf der künstlichen Palmeninsel Jumeirah teilweise in Flammen stand, nachdem es wohl von einem Geschoss aus der Luft getroffen worden war. Laut Nachrichtensender Al Jazeera sollen mindestens vier Menschen verletzt worden sein. Bereits am Vormittag hatte es in dem Land eine erste Angriffswelle mit Raketen und Drohnen gegeben.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde bei einem mutmaßlich iranischen Angriff ein Zivilist getötet, wie das Verteidigungsministerium am Samstag mitteilte. Aus der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate wurden mehrere Explosionen gemeldet, Abu Dhabi beherbergt einen US-Militärstützpunkt. Bei dem Todesopfer handelte es sich den Angaben zufolge um einen »asiatischen« Staatsbürger, der in einem Wohngebiet in Abu Dhabi durch herunterfallende Raketenteile getötet worden sei. Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur AFP zudem von Rauch, der über dem von US- und französischen Streitkräften genutzten Militärstützpunkt Dhafra in den Vereinigten Arabischen Emiraten aufstieg. Die Behörden hatten zuvor das Abfangen von iranischen Raketen bekannt gegeben und die »teilweise und vorübergehende« Schließung des Luftraums verkündet.

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Auch Jordanien meldet einen Angriff durch Iran. Auf der »Muwaffaq Salti Air Base« der jordanischen Luftwaffe in Azraq habe es eine Explosion mit anschließender starker Rauchentwicklung gegeben. In der jordanischen Hauptstadt Amman wurde Luftalarm ausgelöst.

Angriffe auf US-Stützpunkte und andere Militäreinrichtungen

In der Stadt Suwaida in Syrien sollen Teile einer iranischen Rakete abgestürzt oder eingeschlagen sein, dabei soll es fünf Tote gegeben haben. Eine weitere iranische Rakete ist unbestätigten Berichten zufolge im Westen des Landes abgestürzt, nachdem sie von der israelischen Flugabwehr getroffen wurde.

In Bahrain wurde das Hauptquartier der Fünften US-Flotte durch einen Raketenangriff getroffen, gaben die Behörden des Golfstaats bekannt. Die Behörden kündigten nach dem Angriff auf den US-Stützpunkt an, die Bewohner der umliegenden Viertel in der Hauptstadt Manama in Sicherheit zu bringen. Ab Sonntag bleiben alle Schulen und Universitäten in Bahrain geschlossen. Wie das Bildungsministerium bekannt gab, wird es bis auf Weiteres nur Fernunterricht geben. Auch die US-Botschaft in Bahrain bleibt nach eigenen Angaben am Sonntag geschlossen.

In Riad in Saudi-Arabien hörten AFP-Journalisten ebenfalls mehrfach Explosionen. Das saudi-arabische Außenministerium verurteilte in einer Erklärung die »feigen iranischen Angriffe« auf die Hauptstadtregion und den Osten des Landes auf das Schärfste. »Die Angriffe wurden abgewehrt«, hieß es in der Erklärung. Das Königreich werde angesichts »dieser ungerechtfertigten Aggression« alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, »um seine Sicherheit zu verteidigen und sein Territorium, seine Bürger und Einwohner zu schützen, einschließlich der Option, auf die Aggression zu reagieren«.

Mehrere Staaten drohen mit Vergeltung

In Katar teilte das Verteidigungsministerium ebenfalls mit, »mehrere Angriffe« auf sein Gebiet abgewehrt zu haben. Das Außenministerium nannte die iranischen Angriffe einen Verstoß gegen die »nationale Souveränität« und behielt sich ebenfalls das Recht vor, zurückzuschlagen. Neben einer Sperrung seines Luftraums untersagte Katar auch den Schiffsverkehr in seinen Hoheitsgewässern.

Die US-geführte Koalition im Irak fing nach eigenen Angaben mehrere Drohnen und Raketen über der Stadt Erbil im Norden des Landes ab. Wie AFP berichtet, hatte es in der Nähe des US-Konsulats in Erbil zuvor mehrere Explosionen gegeben. Auch Rauch stieg auf. Zudem wurde ein Angriff auf einen Stützpunkt proiranischer Gruppen im Süden des Irak gemeldet.

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Der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman telefonierte am Samstag mit den Staatschefs der Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrains, Katars, Kuwaits und Jordaniens. Wie das Außenministerium in Riad mitteilte, sagte er den »Bruderstaaten« die uneingeschränkte Solidarität und Unterstützung des Königreichs zu. Saudi-Arabien sei auch bereit, ihnen »alle seine Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen«.

him/AFP/dpa