SpOn 28.12.2025
08:07 Uhr

Nahost: Israelische Armee setzt Einsatz in Westjordanland fort


Nach dem tödlichen Angriff eines Palästinensers in Israel hat die israelische Armee den Heimatort des Täters eingekesselt. Die heftig kritisierte Anerkennung Somalilands wird unterdessen Thema beim Uno-Sicherheitsrat.

Nahost: Israelische Armee setzt Einsatz in Westjordanland fort

Die israelische Armee hat nach dem tödlichen Angriff eines Palästinensers in Israel den Heimatort des Täters im besetzten Westjordanland umzingelt. Die Armee gehe »mit aller Härte gegen terroristische Zellen« in Kabatija vor, teilte der israelische Verteidigungsminister Israel Katz am Samstag mit. Die Stadt sei vollständig abgeriegelt worden. Armeechef Ejal Samir kündigte an, die in dem Gebiet stationierten Truppen zu verstärken.

Der Angreifer hatte am Freitag im Norden Israels nach Polizeiangaben mit seinem Auto einen Mann überfahren und eine 18-Jährige erstochen. Er wurde anschließend angeschossen und in ein Krankenhaus gebracht. Am Tag zuvor hatte ein israelischer Reservist in Zivil einen Palästinenser im Westjordanland mit seinem Fahrzeug gerammt.

Israel hat das Westjordanland seit 1967 besetzt. Seit dem Angriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hat die Gewalt auch im Westjordanland deutlich zugenommen. Seit dem Beginn des Gazakrieges infolge des Hamas-Angriffs wurden im Westjordanland von israelischen Soldaten oder Siedlern mehr als 1000 Palästinenser getötet, wie eine Zählung der Nachrichtenagentur AFP auf der Basis von Zahlen der palästinensischen Gesundheitsbehörde ergab. Mindestens 44 Israelis – Soldaten und Zivilisten – wurden nach offiziellen israelischen Zahlen in dem Zeitraum getötet.

Streitpunkt Somaliland

Währenddessen kommt in New York der Uno-Sicherheitsrat wegen Israels umstrittener Anerkennung der ostafrikanischen Republik Somaliland als unabhängiger Staat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Vor dem für Montag anberaumten Treffen in New York warnten 21 überwiegend muslimische Länder in einer gemeinsamen Erklärung vor »schwerwiegenden Folgen« des beispiellosen Vorgehens Israels für »den Frieden und die Sicherheit am Horn von Afrika und im Roten Meer« sowie für die internationale Sicherheit. Man lehne zudem jegliche »potenzielle Verbindung« zwischen Israels Schritt und Versuchen ab, Palästinenser aus dem vom Krieg Israels gegen die islamistische Palästinenserorganisation Hamas verwüsteten Gazastreifen zu vertreiben.

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Israel hatte am Freitag die abtrünnige Region Somaliland als souveränen Staat anerkannt. Der Schritt sei »im Geiste der Abraham-Abkommen erfolgt«, hieß es in einer Mitteilung des Büros von Staatschef Benjamin Netanyahu. US-Präsident Donald Trump hatte diese Abkommen 2020 während seiner ersten Amtszeit auf den Weg gebracht. In der Folge normalisierten die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Marokko und der Sudan ihre Beziehungen zu Israel.

Strategische Nähe zum Jemen

Nach Informationen des israelischen Senders Channel 12 hatten vor Monaten geheime Kontakte zwischen Israel und Somaliland begonnen. Israel habe damals im Krieg im Gazastreifen nach Ländern gesucht, die bereit wären, palästinensische Bewohner des umkämpften Küstenstreifens aufzunehmen. US-Präsident Trump hatte zuvor die Idee einer Umsiedelung der Bewohner ins Spiel gebracht, was aber auf internationale Kritik gestoßen war.

Ein anderer zentraler Grund für Israels Beziehungen zu Somaliland sei die Nähe dieser Region zum Jemen, schrieb die »Times of Israel« . Der Zugang zum Territorium und Luftraum Somalilands würde es Israel erleichtern, Angriffe gegen die von Iran unterstützte Huthi-Miliz im Jemen durchzuführen und sie zu überwachen.

Somaliland, eine muslimische Region im Norden Somalias mit nur wenigen Millionen Einwohnern, ist seit mehr als drei Jahrzehnten praktisch unabhängig. Israels Vorgehen erfolgte wenige Tage, bevor Somalia turnusgemäß die Präsidentschaft im Uno-Sicherheitsrat übernimmt. Die somalische Regierung sprach von einem »vorsätzlichen« und »rechtswidrigen« Angriff Israels auf die Souveränität des Landes.

mhe/AFP/dpa