SpOn 28.01.2026
14:17 Uhr

NFL-Legende Bill Belichick: Mehr Super Bowls gewann niemand, aber für die Hall of Fame reicht es nicht


Bei der Abstimmung, wer dieses Jahr in die Ruhmeshalle des Footballs aufgenommen wird, bekam die NFL-Legende Bill Belichick nicht genug Stimmen. Nun ist der Football in Aufruhr.

NFL-Legende Bill Belichick: Mehr Super Bowls gewann niemand, aber für die Hall of Fame reicht es nicht

Bill Belichick muss noch mindestens ein Jahr auf die Aufnahme in die Hall of Fame des Profi-Footballs warten. Wie mehrere US-Medien, primär der Sportsender ESPN , am späten Dienstagabend übereinstimmend berichteten, scheiterte der 73 Jahre alte Trainer im ersten Jahr seiner Wählbarkeit.

Offizielle Bekanntgebungen, wer dieses Jahr in die Hall of Fame kommt, wird es erst in der kommenden Woche im Hinlauf zum Super Bowl am 9. Februar geben. (0.30 Uhr, Stream: DAZN/RTL+, Liveticker: SPIEGEL.de).

Dem ESPN-Bericht zufolge habe Belichick bereits am vergangenen Freitag einen Anruf erhalten, in dem ihm die Entscheidung mitgeteilt wurde. Demnach habe Belichick »verwirrt« und »enttäuscht« reagiert.

Eine nahestehende Person, die ESPN zitiert, soll er gefragt haben: »Sechs Super Bowls sind nicht genug?«

Belichick und Brady prägten eine Ära

Damit meint Belichick die sechs Meisterschaften, die er als Cheftrainer in der NFL gewann, so viele wie kein anderer Coach. Zwischen 2002 und 2019 stand Belichick an der Seitenlinie der New England Patriots mit Quarterback Tom Brady. Gemeinsam erreichten sie neunmal das NFL-Endspiel und gewannen sechsmal – ein beispielloser Lauf, zu dem unzählige weitere Rekorde gehören.

Bereits vor seiner Zeit mit den Patriots hatte Belichick zwei Super Bowls als Defensivkoordinator der New York Giants geholt.

Tom Brady (l.) mit Bill Belichick in der letzten gemeinsamen Saison bei den New England Patriots 2018/2019

Tom Brady (l.) mit Bill Belichick in der letzten gemeinsamen Saison bei den New England Patriots 2018/2019

Foto: Steven Senne/ dpa

Angesichts Belichicks Karriere reagierte die NFL-Welt mit Unverständnis in den sozialen Medien. Patrick Mahomes, Quarterback der Kansas City Chiefs und der erfolgreichste Spieler der Gegenwart, nannte den Wahlausgang »wahnsinnig«. Er könne nicht verstehen, wie das überhaupt möglich sei, schrieb er bei X .

Weitere NFL-Größen äußerten ebenfalls ihren Unmut, selbst der Basketballer LeBron James schaltete sich ein: »Das ist UNMÖGLICH, UNVERSCHÄMT und, ehrlich gesagt, RESPEKTLOS!«

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Um in die Ruhmeshalle des Footballs aufgenommen zu werden, müssen 40 von 50 Wählern dafür stimmen. Die Wahlberechtigten bestehen hauptsächlich aus renommierten Journalisten, aber auch früheren Akteuren im Football, die teils selbst Mitglieder in der Hall of Fame sind.

Die Namen aller Abstimmenden sind kein Geheimnis. Wer in welchem Fall wie votiert hat, wird jedoch nicht veröffentlicht. Als erstmalig Nominierter wird Belichick im nächsten Jahr eine weitere Chance bekommen, aufgenommen zu werden.

Möglicher Zusammenhang mit Schummeleien

Warum es für den erfolgreichsten Trainer der NFL-Historie aber nicht schon im ersten Anlauf klappte, ist nun Gegenstand wilder Spekulationen. ESPN berichtete, dass es bei den Debatten unter den Wahlberechtigten auch um die beiden Betrugsskandale ging, in die Belichick als Patriots-Cheftrainer verwickelt war:

  • Der erste, »Spygate«, trug sich 2007 zu. Die Patriots wurden dabei erwischt, wie ein Mitarbeiter die Signale von gegnerischen Coaches filmte, was in der NFL nicht erlaubt ist. Die Liga verhängte Geldstrafen von 500.000 US-Dollar für Belichick, 250.000 Dollar für die Patriots, außerdem wurde ein Auswahlrecht in der ersten Runde der Draft aberkannt.

  • Der zweite, »Deflategate«, kam 2015. Dabei ging es um Vorwürfe, die Patriots hätten in einem wichtigen Playoff-Spiel mit extra schwach aufgepumpten Bällen gespielt. Nach einer Untersuchung durch die NFL wurde Tom Brady, der wohl eingeweiht war, für vier Spiele gesperrt. Das Team musste eine Million US-Dollar Geldstrafe zahlen und verlor erneut Auswahlrechte in der Draft.

Seit Bradys Abschied von den Patriots hat Belichicks Ruf gelitten

ESPN zitiert in dem Bericht über den Wahlausgang eine wahlberechtigte Person, die sich aber nicht namentlich nennen lässt. Dieser Person zufolge seien Belichicks Beteiligungen in den Betrugsskandalen »die einzige Erklärung« für das Abstimmungsergebnis: »Das hat einige der Leute wirklich gestört.«

Ob »Spygate« und »Deflategate« tatsächlich die Gründe waren, ist nicht bestätigt. Aber tatsächlich ist Belichicks Reputation heute nicht mehr dieselbe wie früher.

Das liegt unter anderem daran, wie es für den Coach nach der Trennung von Brady 2020 gelaufen ist. Während der Quarterback mit seinem neuen Team, den Tampa Bay Buccaneers, gleich im ersten Versuch einen weiteren Super Bowl gewann, stürzten Belichicks Patriots ab. Vier weitere Saisons trainierte Belichick auch ohne Brady die Patriots. In seiner letzten Spielzeit gab es nur vier Siege – bei 13 Niederlagen.

College-Coach Belichick: Bislang enttäuschend

College-Coach Belichick: Bislang enttäuschend

Foto: Adrian Kraus / AP

Nach seinem Abgang war Belichicks Beziehung zur 50 Jahre jüngeren Cheerleaderin Jordon Hudson Gegenstand von Medienberichten, die sich mit einer angeblichen Einflussnahme Hudsons auf Belichicks Berufsleben beschäftigten und dabei insinuierten, der 73-Jährige sei Opfer einer Manipulation, Hudson habe sich nur wegen des Geldes mit ihm eingelassen, sei eine »gold digger« (dt. Goldgräberin).

Hudson reagierte auf die Spekulationen, indem sie Markenrechte für den Begriff »gold digger« anmeldete, um damit Schmuck und Schlüsselanhänger zu verkaufen.

Die sportlichen Erfolge in Belichicks Vergangenheit bleiben von alldem unberührt. Auch seine bislang enttäuschende Amtszeit als Headcoach der College-Mannschaft der University of North Carolina ändert nichts daran, dass er der erfolgreichste Trainer der Football-Geschichte ist.