SpOn 09.02.2026
05:39 Uhr

NFL-Finale – Super Bowl 2026: Seattle Seahawks gewinnen gegen New England Patriots - die Spielanalyse


Die New England Patriots müssen einen Totalausfall verarbeiten, die Seattle Seahawks gewinnen den Super Bowl: Das NFL-Finale geriet zur sportlichen Enttäuschung. Umso spektakulärer war die Halbzeitshow von Bad Bunny.

NFL-Finale – Super Bowl 2026: Seattle Seahawks gewinnen gegen New England Patriots - die Spielanalyse

Szene des Spiels: Es lief das Schlussviertel, die New England Patriots lagen mit zwölf Punkten hinten und hatten den Ball. Nach einer mauen Offensivleistung waren ihnen soeben die ersten Punkte der Partie gelungen, plötzlich gab es Hoffnung. Da entschied der 23-jährige Drake Maye, Quarterback der Patriots, mit einem groben Fehlwurf die Partie. Sein Zielspieler sprintete diagonal nach rechts, Maye warf aber nicht in dessen Lauf, sondern in die Mitte des Spielfeldes. Dort sprang ein Verteidiger der Seattle Seahawks zum Ball und besiegelte den Sieg. Sein Name: Julian Love.

Ergebnis: Die Seattle Seahawks haben die NFL gewonnen. Im 60. Super Bowl gewann das Team aus dem Nordosten der USA 29:13 (9:0) gegen die New England Patriots. Für Seattle ist es der zweite Titelgewinn nach 2014. Den Live-Kommentar können Sie hier nachlesen .

Kulturkampf: Seit Wochen war dieses Footballspiel ein Politikum. Grund dafür war die Besetzung der Halbzeitshow mit Bad Bunny, dem erfolgreichsten männlichen Popstar der Gegenwart. Der Puerto Ricaner rappt auf Spanisch, tritt mit lackierten Fingernägeln und androgynen Outfits auf und kritisiert immer wieder die aktuelle US-Regierung samt Einwanderungsbehörde ICE. Ein Affront für die MAGA-Bewegung und Donald Trump: »Das schürt nur Hass. Schrecklich«, urteilte der Präsident. Die Organisation des verstorbenen rechtsextremen Aktivisten Charlie Kirk veranstaltete eine alternative »All-American Halftime Show«. Im Gegenzug rief Gavin Newsom, Gouverneur von Kalifornien und 2028 möglicherweise Präsidentschaftskandidat der Demokraten, in einem Trump parodierenden Statement den »Bad Bunny Day« aus. Ein Porträt über den Musiker lesen Sie hier .

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Luft rausgenommen: Vorfreudige, von Koffein angetriebene Footballfans konnten sich wohl nur noch mit dem Euphemismus »Abwehrschlacht« über die Ernüchterung der ersten beiden Viertel hinwegtrösten. New Englands Quarterback Drake Maye kassierte einen Sack nach dem anderen, bis zur Halbzeit gelang den Patriots kein einziger Punkt. Knapp blieb die Partie dennoch, weil die Seahawks auch nur drei Field Goals für insgesamt neun Punkte schafften. Großen Anteil daran hatte Patriots Passverteidiger Christian Gonzalez, der mit zwei herausragenden Aktionen einen größeren Rückstand verhinderte. Es war eine ausgesprochen hässliche erste Hälfte.

Bad Bunnys Botschaft: Die erste spanischsprachige Halbzeitshow in der Geschichte des Super Bowls nutzte Bad Bunny für eine Hommage. An seine Heimat Puerto Rico, an die Latino-Community in New York City, an Tanzstile wie Salsa und Bachata, an diverse Länder in Lateinamerika. Ein explizites politisches Statement gab es aber nicht. Um Trumps Vorwurf zu widerlegen, ließ Bad Bunny einfach sein Werk sprechen. Dazu gehörte zum Beispiel ein Song über die Unabhängigkeit von Frauen und ihrem Recht, ungestört und allein tanzen zu dürfen – und eine in die Choreografie eingebettete, offenbar echte Hochzeit. Gegen Ende der Show prangten auf der Anzeigetafel die Worte, die Bad Bunny erstmals vor etwa einer Woche bei seiner Dankesrede bei den Grammys gesagt hatte: »Das Einzige, was mächtiger ist als Hass, ist Liebe.«

Ein Paar hatte Bad Bunny zur Hochzeit eingeladen, der Musiker erwiderte die Einladung kurzerhand

Ein Paar hatte Bad Bunny zur Hochzeit eingeladen, der Musiker erwiderte die Einladung kurzerhand

Foto: Josh Edelson / AFP
Bei den Grammys hatte Bad Bunny das Gleiche gesagt und am Ende noch hinzugefügt: »ICE out.«

Bei den Grammys hatte Bad Bunny das Gleiche gesagt und am Ende noch hinzugefügt: »ICE out.«

Foto: Josh Edelson / AFP

Die zweite Hälfte: Ging zunächst genauso weiter wie die erste. Ein weiteres Field Goal und ein später Touchdown im vierten Viertel brachte die Seahawks 19:0 in Führung. Die Patriots-Offensive funktionierte hingegen erst unter Zugzwang. Als direkten Konter auf den ersten Touchdown Seattles brachte Maye die Patriots mit zwei riskanten Würfen in die Endzone zum 7:19. Alle Chancen auf ein Comeback schwanden aber schon im nächsten Angriff, als Maye die Übersicht verlor und den Ball zum Gegner warf. Seattle nutzte den Ballgewinn zum Field Goal und fing etwa viereinhalb Minuten vor Schluss einen weiteren Pass ab, der zum Touchdown genutzt wurde. Am Ende war es deutlich.

Vergeltung nach elf Jahren: Super Bowl gegen New England, das bedeutete für die Seahawks-Fans ein Trauma. Im Februar 2015 hatte Seattle zuletzt im NFL-Endspiel gestanden. Damals verspielten die Seahawks eine Führung gegen Tom Bradys Patriots, waren dem Sieg am Ende aber zum Greifen nahe. Dann entschied sich Trainer Pete Carroll zur Überraschung aller Anwesenden für einen Wurf- statt eines Laufspielzuges direkt vor der Endzone. New Englands Malcolm Butler fing den Ball ab, Seattle verlor das Spiel. Die Revanche gegen die Patriots dürfte den Schmerz dieser Niederlage vor mehr als einem Jahrzehnt zumindest ein wenig lindern.

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Wie angewurzelt: Für New England wird es hingegen noch dauern, um diesen Totalausfall zu verarbeiten. Vor allem die Trainer werden bereuen, dass sie ihren Quarterback kaum haben laufen lassen. Nur fünf Versuche mit dem Ball in der Hand hatte Maye bis Spielende zu verbuchen, und das, obwohl es im Wurfspiel überhaupt nicht lief und er einer der besten Läufer auf seiner Position ist. Eine verschenkte Qualität. Ein wenig Trost liegt aber in der Tatsache, dass die Patriots es schon in der Premierensaison des neuen Cheftrainers Mike Vrabel so weit geschafft haben. Der Quarterback ist jung und hat noch viel zu lernen. Eine weitere Super-Bowl-Teilnahme ist nicht garantiert, aber angesichts dieser Saison scheint das Team in den kommenden Jahren gute Chancen zu haben.