SpOn 12.12.2025
02:55 Uhr

Myanmar: USA verurteilen tödlichen Angriff von Myanmars Junta auf Krankenhaus


Ein Luftangriff von Myanmars Junta auf ein Krankenhaus im umkämpften Bundesstaat Rakhine sorgt für Entsetzen. Der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte fordert eine Untersuchung. Auch aus Washington kommt Kritik.

Myanmar: USA verurteilen tödlichen Angriff von Myanmars Junta auf Krankenhaus

Das Krankenhaus in der Gemeinde Mrauk U ist ersten Berichten zufolge völlig zerstört, mindestens 30 Menschen starben, mehr als 70 weitere Menschen wurden verletzt: Myanmar Myanmars Militärherrscher nehmen im Bürgerkrieg offenbar keinerlei Rücksicht auf die Zivilbevölkerung, das Krankenhaus wurde von mehreren Bomben des Militärs getroffen. Unter den Opfern befinden sich auch Kinder, wie etwa das auch auf Englisch publizierende Online-Portal The Irrawaddy und das örtliche Nachrichtenportal Than Lwin Khet News schreiben.

»Aufgrund der vielen Verletzten dürfte es aber noch mehr Tote geben«, sagte Kyaw Moe, ein Anwohner aus Mrauk-U, der Nachrichtenagentur dpa. »Das ist unverzeihlich.«

Der Uno-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, sprach von einem möglichen Kriegsverbrechen und forderte eine Untersuchung. Das US-Außenministerium nannte die Berichte »verstörend« und erklärte, die Militärregierung solle die Gewalt gegen Zivilisten einstellen.

Südostasiatische Menschenrechtsorgansisation spricht von »vorsätzlichem Massaker«

Auch die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen zeigte sich nach dem Luftangriff entsetzt. »Dies dürfte der tödlichste Angriff auf eine Gesundheitseinrichtung in Myanmar seit 2021 sein«, teilte die Organisation am Donnerstag in Berlin mit. »Ärzte ohne Grenzen hat das Krankenhaus über viele Jahre unterstützt«, hieß es in der Mitteilung. Die Zerstörung eines der letzten noch funktionsfähigen Krankenhäuser im Bundesstaat Rakhine werde den Zugang zur Gesundheitsversorgung noch weiter einschränken, insbesondere mit Blick auf lebensrettende medizinische Hilfe für Menschen, die von Kämpfen betroffen sind. Auch die südostasiatische Menschenrechtsorganisation APHR, in der sich aktive und ehemalige Parlamentarier mehrerer Länder engagieren, verurteilte am Donnerstag die Attacke der Militärjunta. Die Bombardierung der Klinik sei ein »vorsätzliches Massaker« an schutzlosen Zivilisten, hieß es in einer Erklärung.

Seit dem Militärputsch im früheren Birma im Februar 2021 versinkt das Land in Südostasien in Chaos und Gewalt. Die demokratisch gewählte Regierung von Friedensnobelpreisträgerin und einstiger Freiheitsikone Aung San Suu Kyi (80) wurde entmachtet und sitzt in Haft. Die Junta regiert mit eiserner Faust und unterdrückt Widerstand mit Gewalt. International ist das Land fast völlig isoliert. Verschiedene Rebellengruppen kämpfen teils sehr erfolgreich gegen die Armee.

Im Bundesstaat Rakhine kämpft die Arakan Army gegen die Junta. Seit dem Scheitern eines Waffenstillstands im Jahr 2023 hat sie die Regierungstruppen aus 14 der 17 Gemeinden in Rakhine verdrängt. Die Gemeinde Mrauk U steht seit vergangenem Jahr unter der Kontrolle der Arakan Army.

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Mit Angriffen aus der Luft geht das Militär immer wieder gegen Widerstandsgruppen vor, trifft dabei aber oft Zivilisten. Vergangenen Samstag kamen bei einem Luftangriff im Ort Tabayin im Landesinnern nach Angaben der örtlichen Behörden mindestens 20 Menschen ums Leben. Das Militärregime griff demnach ein Teehaus im Dorf Mayakan an, in dem sich Zivilisten ein Fußballspiel zwischen Myanmar und den Philippinen ansahen.

hen/dpa/Reuters/KNA