SpOn 06.02.2026
16:46 Uhr

Musikmanager in den Epstein-Files: »Es ist nicht normal, so zu tun, als wäre das normal«


Mit ihrem Song »Boyfriend« landete Bethany Cosentino 2010 einen Hit. Nun wurde bekannt, dass der Chef ihrer Booking-Agentur Casey Wasserman in den Epstein-Files auftaucht. Die Musikerin kocht vor Wut.

Musikmanager in den Epstein-Files: »Es ist nicht normal, so zu tun, als wäre das normal«

Sein Name ist einer von vielen, die in den Millionen Dokumenten aus den Epstein-Akten auftauchen, die das US-Justizministerium unlängst veröffentlicht hat: Casey Wasserman, 51, ist derzeit in den USA eine wichtige Person des öffentlichen Lebens, weil er dem Organisationskomitee für die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles vorsitzt. Gerade war Wasserman in Mailand, wo die Winterspiele eröffnet werden.

Manager Wasserman: »Bedauere meine Korrespondenz«

Manager Wasserman: »Bedauere meine Korrespondenz«

Foto: Damian Dovarganes / AP

Doch für seine sportlichen Interessen interessiert sich momentan kaum jemand: Die Epstein-Files enthalten nämlich einen E-Mail-Austausch aus dem Jahre 2003 zwischen Casey Wasserman, der damals verheiratet war, und Jeffrey Epsteins Vertrauter, der wegen Sexhandels verurteilten Ghislaine Maxwell. Wasserman schrieb in einer Mail an Maxwell: »Ich denke ständig an dich. Also, was muss ich tun, damit ich dich in einem engen Lederoutfit sehe?« In einer anderen Mail bietet Maxwell Wasserman an, ihm eine Massage zu geben, die »einen Mann wild machen« könne.

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Wasserman zeigte sich in einem Statement nach Veröffentlichung der Mails bestürzt: »Ich bedauere meine Korrespondenz mit Ghislaine Maxwell zutiefst«, sagte er – und betonte, sie habe stattgefunden, bevor die Verbrechen von ihr und Epstein »bekannt wurden«. Auch habe er nie »eine persönliche oder geschäftliche Beziehung zu Jeffrey Epstein« gehabt. Zwar sei er 2002 mit dem Epstein-Flugzeug geflogen, dies aber nur im Rahmen einer humanitären Reise als Teil einer Delegation der Clinton Foundation. »Es tut mir furchtbar leid, in irgendeiner Weise mit einem von beiden in Verbindung gebracht zu werden.«

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Während die Olympia-Verantwortlichen weiterhin zu Casey Wasserman stehen, will eine Musikerin, die mit ihm in einer Geschäftsbeziehung steht, nicht einfach zur Tagesordnung übergehen: Bethany Cosentino, 39, ist Sängerin und Songwriterin, vor allem ist sie bekannt als eine Hälfte des Indie-Rock-Duos Best Coast, das es 2010 mit dem Album »Crazy For You« und dem Song »Boyfriend« in etliche Jahresbestenlisten schaffte.

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Sowohl mit Best Coast als auch als Solokünstlerin (2023 erschien ihr Album »Natural Disaster«) ließ sich Cosentino vom Bookingagenten Sam Hunt für Konzerte buchen. Seit 2021 arbeitet Hunt für die Firma Wasserman Music: Das Marketing- und Talentmanagement-Unternehmen von Casey Wasserman expandierte neben dem Box- und Fußballsport zuletzt zunehmend in den Musikbereich hinein.

Zu den Klienten  von Wasserman Music zählen unter vielen anderen Kendrick Lamar, Chappell Roan, die Bands Blur, Geese, Turnstile und Joni Mitchell, für Nordamerika auch Coldplay, Ed Sheeran und selbst der deutsche Rapper Ski Aggu. Die Beziehungen zwischen Musikern und dem Chef der Mutterfirma ihrer Bookingagentur sind naturgemäß nicht eng – für Bethany Cosentino reichen sie dennoch für eine scharfe Kritik.

»Ghislaine Maxwell ist keine neutrale Figur in einer komplizierten Geschichte«, urteilt sie, »sie ist eine verurteilte Menschenhändlerin, die dabei half, den Missbrauch von Minderjährigen zu ermöglichen.« Als Künstlerin, die von Wasserman vertreten wird, habe sie nicht zugestimmt, »dass mein Name oder meine Karriere« mit so jemandem verbunden werde, schreibt die Musikerin in einer Stellungnahme auf Instagram . Sie könne nicht mit gutem Gewissen dazu schweigen, so Cosentino, »besonders in einer Zeit, in der Männer in Machtpositionen so oft geschützt und entschuldigt werden und ohne Konsequenzen weitermachen dürfen«.

Sexualstraftäter Epstein, Menschenhändlerin Maxwell: »Keine neutrale Figur in einer komplizierten Geschichte«

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Foto: US Justice Department / Anadolu / Getty Images

Insofern sieht die Best-Coast-Sängerin Casey Wassermans »Bedauern ohne Verantwortungsübernahme« nur als Versuch der »Schadensbegrenzung«. Sie weigere sich, »weiterhin die Taschen von Menschen zu füllen, die so eng mit zwielichtigen Geschäften und toxischen, zutiefst schädlichen Menschen verbunden sind«, schreibt Cosentino.

Deshalb habe sie darum gebeten, ihren Namen von der Unternehmenswebsite zu entfernen. Casey Wasserman ruft sie dazu auf, zurückzutreten und eine Namensänderung seiner Firma in die Wege zu leiten.

Musikerin Cosentino: Kein austauschbarer Vermögenswert

Musikerin Cosentino: Kein austauschbarer Vermögenswert

Foto: Harmony Gerber / Getty Images

Künstlerinnen und Künstler seien »keine austauschbaren Vermögenswerte«, so die Musikerin weiter: »Wir sind Menschen. Viele von uns sind Frauen. Viele von uns, mich eingeschlossen, sind Überlebende.« Sie äußere sich öffentlich, »weil es nicht normal ist, so zu tun, als wäre das normal. Weil Menschen in Machtpositionen nicht weiter davonkommen dürfen«. Abschließend listet sie Unterstützungshotlines für Betroffene von übergriffigem sexuellem Verhalten auf.

Im August 2024, kurz nachdem sie im Rahmen der Abschlussfeier der Olympischen Sommerspiele von Paris für die Spiele 2028 in Los Angeles geworben hatte, beendete eine andere prominente Klientin ihre Zusammenarbeit mit Wasserman Music: Billie Eilish übertrug die Bookingaufgaben an die Konkurrenzagentur William Morris.

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Kurz vor dem Bruch hatte das Boulevardblatt »Daily Mail« einen Bericht veröffentlicht, in dem elf Quellen Casey Wasserman vorwerfen, ein »serial cheater«, also ein notorischer Fremdgeher zu sein. Er soll demnach weibliche Angestellte mit Geschenken überhäuft – darunter teure Schuhe, Handtaschen, Unterwäsche und sogar Autos – und seine Machtposition ausgenutzt haben, um mit ihnen zu schlafen. Sobald sein Interesse nachließ, habe er die Frauen dann fallen lassen, wie die »Daily Mail« unter Berufung auf Betroffene  berichtete.

»Als er mit mir Schluss machte, war ich schockiert und ungläubig, dass er innerhalb weniger Stunden von 100 auf null zurückgehen konnte«, so eine der Frauen zur »Daily Mail«. »Ich glaube wirklich, dass er den Schmerz und den langfristigen Schaden unterschätzt, den er Frauen wie mir zugefügt hat, die ihm glaubten.«

feb