SpOn 21.01.2026
15:12 Uhr

Münchner Zoo Hellabrunn: Markus Söder will zwei Riesenpandas aus China leihen


Panda-Diplomat Markus Söder beschafft München zwei seltene Bären aus China – als kostspielige Leihgabe. Tierschützer sind weniger begeistert.

Münchner Zoo Hellabrunn: Markus Söder will zwei Riesenpandas aus China leihen

Seit Tagen wabern die Gerüchte in München, nun ist es offiziell: Markus Söder, CSU-Chef, bayerischer Ministerpräsident und selbst ernannter Pandaliebhaber, will für den Münchner Tierpark Hellabrunn ein Riesenpanda-Paar aus China leihen. Am Mittwoch setzte er vor lokalen Medien seine Unterschrift unter den Vertrag. In dem Zoo wird eine neue Anlage gebaut, spätestens 2028 sollen die schwarz-weißen Statussymbole internationaler Diplomatie einziehen.

Schon bei seinem Besuch in China 2024 zeigte Söder sein Faible für die Tiere und busselte vor laufenden Kameras mehrfach Plüsch-Pandas. Im übertragenen Sinn sollte das wohl heißen: ein Kuss an Peking, den engen Freund.

Söder mit Plüsch-Panda, Parteisekretär Wang Xiaohui in China im März 2024

Söder mit Plüsch-Panda, Parteisekretär Wang Xiaohui in China im März 2024

Foto: Peter Kneffel / dpa

Bei den schwarz-weißen Bären im Münchner Zoo geht es um weit mehr als flauschige Fotomotive und steigende Besucherzahlen. Riesenpandas sind seit Jahrzehnten ein symbolisches Zeichen diplomatischer Verbundenheit. Seit mehr als 50 Jahren verleiht die Volksrepublik ihre Nationaltiere an ausgewählte Partner. Die Panda-Leihgabe steht für enge Verbundenheit. Frankreich bekam kürzlich zwei zugesagt. Nun also auch Bayern.

Hellabrunn wird damit zum zweiten deutschen Panda-Standort. Im Berliner Zoo leben seit 2017 die beiden Pandas Meng Meng und Jiao Qing, persönlich übergeben vom chinesischen Präsidenten Xi Jinping an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie nannte das Bärenpaar damals »Sonderbotschafter unserer beiden Länder« – eine diplomatische Liebeserklärung.

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Aus Sicht von Markus Söder ist es nur konsequent, dass sein Bundesland da nicht fehlen darf. Schließlich werde Bayern in China »quasi fast behandelt wie ein eigener Staat«, sagte er 2024 auf seiner Delegationsreise, die ja nicht umsonst gewesen sein soll.

Das Prestigeprojekt hat seinen Preis: Die Pandas kosten den Tierpark jährlich rund eine Million Euro Leihgebühr. In den Verträgen ist zudem festgelegt, dass auch mögliche Nachkommen der Pandas China gehören und meist nach einigen Jahren in ihre Heimat zurückkehren. Zu den Leihgebühren kommen Millionensummen für den Gehegebau und der teure Unterhalt der Tiere, die täglich etwa 18 Kilo Bambus vernichten. Für Söder offenbar ein akzeptabler Preis für ein bisschen China in Bayern.

Söder mit echtem Panda in der chinesischen Stadt Chengdu, 2024

Söder mit echtem Panda in der chinesischen Stadt Chengdu, 2024

Foto: Peter Kneffel / picture alliance / dpa

Auf Instagram postete er die frohe Botschaft umgehend: »München wird Panda City!«, schrieb er dort. »Bayern wird damit der achte Panda-Standort in der EU. Europaweit ist es sogar einmalig, dass es mit Berlin und nun auch München in einem Land zweimal Pandas gibt.« Die Tiere seien einfach knuffig, er habe sich nach seiner Chinareise sehr für Pandas in Bayern eingesetzt. Der Artenschutz und der Fortbestand dieser bedrohten Tierart werde damit gefördert.

Politik »auf dem Rücken der Tiere«

Das sieht die Tierschutzorganisation Pro Wildlife anders: »Die Haltung und Zucht von Pandas in westlichen Zoos ist kein Beitrag zum Artenschutz, sondern ein finanzielles und politisches Geschäft auf dem Rücken der Tiere«, heißt es von Pro Wildlife zu Söders Panda-Deal. Der »Münchner Abendzeitung « sagte Pro Wildlife, die Pandas würden in chinesischen Zuchtstationen »wie am Fließband produziert«. Die Fortpflanzung werde häufig durch künstliche Befruchtung durchgeführt, was mit »erheblichem Tierleid« verbunden sei. Über den Verleih der Tiere entscheide die chinesische Regierung nach politischen und wirtschaftlichen Kriterien, nicht nach Tierschutz- oder Artenschutz-Erwägungen.

Dass die Haltung von Großpandas in Zoos unter Tierschützern umstritten ist, scheint Tierfreund Söder weniger zu beschäftigen als die Bildsprache. Auf Instagram ließ er verbreiten, die Pandas stärkten »die Partnerschaft zwischen Bayern und China«. Der heutige Tag sei »der Höhepunkt der bayerisch-chinesischen Diplomatie«. Wieder einmal inszeniert sich Söder also als Außenpolitiker.

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Mit der Panda-Diplomatie bringt sich der Ministerpräsident in eine Debatte ein, in der die Bundesregierung ihren Kurs noch finden muss: Wie umgehen mit einem Regime, das Uiguren interniert, Hongkongs Freiheitsrechte einschränkt, Taiwan bedroht und eine enge Partnerschaft zu Russland pflegt – aber gleichzeitig Absatzmärkte und Lieferketten kontrolliert, auf die deutsche Unternehmen angewiesen sind? Werte oder Wirtschaft?

Söder hat für sich offenbar eine pragmatische Antwort gefunden: »Kooperation statt Konfrontation«, wie er es auf Instagram formuliert. In einer Welt, in der Donald Trump den Westen vor sich hertreibt und alte Allianzen zerlegt, erscheint ihm der Dialog mit China offenbar als gangbarer, vielleicht notwendiger Weg.

Der Bundeskanzler hatte seinerseits bei seiner ersten großen Asienreise ein Zeichen nach China gesendet und sich zuerst für den Besuch einer Demokratie entschieden: Im Januar reiste Friedrich Merz nach Indien. Erst Ende Februar will er nun auch China besuchen. Schwer vorstellbar, dass dann Fotos von ihm um die Welt gehen, auf denen er Plüsch-Pandas an sich drückt.

kry/dpa