SpOn 27.01.2026
15:16 Uhr

Müll in Deutschland: Fortschritte beim Recycling von Plastik, Defizite bei Glas


In der Bundesrepublik wird Kunststoff immer effizienter wiederverwertet, in anderen Bereichen reißt das Land die EU-Vorgaben deutlich. Das Umweltbundesamt zeigt sich zufrieden. Umweltschützer kritisieren das Ergebnis.

Müll in Deutschland: Fortschritte beim Recycling von Plastik, Defizite bei Glas

Plastikmüll wird in Deutschland besser recycelt als früher: Die Recyclingquote bei Kunststoffen lag im Jahr 2024 bei rund 71 Prozent, zwei Prozentpunkte höher als 2023. Das teilten  das Umweltbundesamt und die zuständige Überwachungsbehörde Zentrale Stelle Verpackungsregister (ZSVR) mit. Die EU-Mindestvorgabe liegt bei 63 Prozent, 2018 lag die Recyclingquote in der Bundesrepublik noch deutlich darunter.

Defizite hat Deutschland beim Recycling von Glas und Getränkekartons: Nach Angaben der Überwachungsbehörde ZSVR lag die Recyclingquote bei Glas im Jahr 2024 bei 82,9 Prozent. Die EU-Vorgabe von 90 Prozent wurde damit nicht erreicht. Bei Getränkekartons wurden nur 69,5 Prozent erreicht, auch hier hätten es mindestens 90 Prozent sein müssen.

Ein Grund für die steigende Recyclingquote bei Plastik ist bessere Technik. In den Sortier- und Verwertungsanlagen kann der Müll besser getrennt und aufbereitet werden als früher. Außerdem sind einige Verpackungen inzwischen so produziert, dass sie leichter wiederverwertbar sind. Die Recyclingquote meint das Verhältnis zwischen der Menge an Plastik, für die Hersteller im dualen System eine Art Müllgebühr bezahlen, und der Menge, die mechanisch verwertet wird; dies wird auch werkstoffliches Recycling genannt. Der größte Teil des Rests an Plastikmüll wird in Kraftwerken verbrannt, um Wärme zu erzeugen.

Das Umweltbundesamt bewertet die Zahlen positiv: »Erstmals wurden mehr als 70 Prozent der Kunststoffverpackungen dem werkstofflichen Recycling zugeführt«, sagt Bettina Rechenberg, Fachbereichsleiterin Kreislaufwirtschaft. Es sei ein Irrglauben, dass fast alles, was im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne landet, verbrannt werde.

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Umweltschützer sehen die Entwicklung kritischer. Viola Wohlgemuth von der Deutschen Umwelthilfe weist darauf hin, dass Deutschland zu den Negativspitzenreitern beim Müllaufkommen in Europa zähle. »Recycling ist gut, aber Abfallvermeidung und Mehrweg sind besser«, sagt die Expertin für Kreislaufwirtschaft. Das Abfallvermeidungsziel der EU werde weiterhin deutlich gerissen. Außerdem sei es bedenklich, dass die Recyclingquoten für Getränkekartons und Glas deutlich verfehlt worden seien.

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jml/dpa