SpOn 06.02.2026
15:15 Uhr

Mittelstandsverband attackiert CDU-Politikerin Gitta Connemann in Brandbrief an Friedrich Merz


Mit ihrer Kritik an vermeintlicher »Lifestyle«-Teilzeit hatte die CDU-Politikerin Gitta Connemann gerade erst für Empörung gesorgt. Nun gibt es erneut heftige Vorwürfe gegen die Mittelstandsbeauftragte – aus den Reihen der Wirtschaft.

Mittelstandsverband attackiert CDU-Politikerin Gitta Connemann in Brandbrief an Friedrich Merz

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) stellt die Position von Gitta Connemann als Mittelstandsbeauftragte der Bundesregierung infrage. Das geht aus einem Schreiben des Mittelstandverbands  an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hervor. Zunächst hatte das ZDF berichtet .

»Zu Gitta Connemann hat der deutsche Mittelstand (…) weder ein Mindestmaß an Vertrauen noch ein Rest an Kompetenzvermutung«, heißt es nun in dem Brief des Mittelstandverbands. Absender: Christoph Ahlhaus, Bundesgeschäftsführer des Verbands und langjähriger CDU-Politiker. Er fordert, »diese personelle Besetzung kritisch zu hinterfragen«.

Connemann geriet zuletzt für die Formulierung »Lifestyle-Teilzeit« in die Kritik, die sie inzwischen laut eigener Aussage bedauert.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hingegen zeigte sich »sehr verwundert über die scharfe Kritik« des BVMW, wie die Lobbyorganisation dem SPIEGEL mitteilte. Der VDA und seine Mitgliedsunternehmen, auch aus dem automobilen Mittelstand, nähmen Connemann »als engagierte und stets an den Herausforderungen des Mittelstandes interessierte Politikerin wahr.«

Im Mittelpunkt des BVMW-Schreibens steht Kritik an der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Ähnlich hatte der Verband sich bereits wenige Tage zuvor ähnlich geäußert.

Der Mittelstandsverband fällt offenbar ein verheerendes Urteil über die Wirtschaftswende, die CDU-Chef Merz angekündigt hatte. »Nicht einmal neun Monate nach Ihrer Wahl zum Bundeskanzler ist diese Euphorie dem blanken Entsetzen über die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Deutschland gewichen«, heißt es in dem Schreiben. »Eine solche Enttäuschung haben wir (...) noch nie gemessen.«

Kanzler gibt sich zuversichtlich

Merz besucht zurzeit mit einer großen Wirtschaftsdelegation die Golfregion, am Freitag traf er den Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate in Abu Dhabi, Mohamed bin Zayed. Als er anschließend vor die Presse trat, war der Kanzler erkennbar darum bemüht, der Krisenstimmung in der deutschen Wirtschaft etwas entgegenzusetzen.

»Ich bekomme hier Eindrücke wiedergegeben über Deutschland, die mich persönlich sehr optimistisch stimmen, die mir auch zeigen, welches große Potenzial wir in Deutschland haben«, sagte Merz. »Deutschland hat hier ein sehr hohes Ansehen, auch weil wir ein guter Investitionsstandort sind.«

Die zum vergangenen Jahreswechsel gestiegenen deutschen Exportzahlen hätten ihn überrascht, so Merz. Erfreuliche Zahlen seien das, sie würden ihn zu weiteren Reformen ermutigen. »Wir sind noch längst nicht da, wo wir hinwollen, aber wir sind auf einem richtigen Weg«, sagte er.

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Der Kanzler hält sich seit Mittwoch auf der Arabischen Halbinsel auf, er machte bereits in Saudi-Arabien und Katar Station. Merz will die Handelsbeziehungen in die Region stärken, besonders in den Bereichen Energie und Rüstungsgüter. Das ist auch eine Reaktion auf die jüngsten Spannungen mit den USA; Berlin verstärkt seine Suche nach Partnern abseits des transatlantischen Bündnisses.

In den Golfmonarchien warb der Kanzler um Investitionen in Deutschland. Zugleich pries er die Bundesrepublik als verlässlichen Handelspartner an. Bedenken über die problematische Menschenrechtslage in den Golfstaaten oder deren Verwicklung in Kriege wie dem im Sudan stellt Merz hintan.

Für den BDI ist es die »schwerste Wirtschaftskrise« seit dem Krieg: Firmen gehen pleite, die Zahl der Arbeitslosen steigt. Doch wie schlimm ist die Deutschland-Flaute? Schätzen Sie selbst! Hier kommen Sie zum Krisen-Quiz in Grafiken .

kor/jml