»Wessen Bildung? Unsere Bildung!«
Toni und Lotta, beide 12, aus Bremen haben eine Demonstration organisiert.
»Unsere Schule wurde vor zwei Jahren neu gegründet. Anfangs mussten wir uns das Gebäude mit einer Grund- und einer Berufsschule teilen. Da gab es öfter Platzprobleme. Die Sporthalle konnten wir nur selten nutzen, und es standen gar keine Geräte zur Verfügung. Dazu noch der Schulhof: Pflaster, ein paar Bänke und Bäume, sonst nichts. Wir würden uns etwa Parkour-Geräte wünschen, damit wir uns in der Pause mehr bewegen können. Mehr Fahrradständer wären auch gut. Im Herbst 2024 haben wir einen Brief an die Bremer Bildungssenatorin geschickt. Aber darauf gab es keine Rückmeldung. Daher haben wir im Frühjahr 2025 eine Demonstration angemeldet. Das fand im Rahmen eines Schulprojekts zum Thema Verantwortung statt. Unsere Lehrerinnen und Lehrer haben uns dabei unterstützt. Zunächst mussten wir die Route festlegen. Uns war wichtig, dass wir am Marktplatz langgehen, damit viele Leute was von der Demo mitkriegen. Dann haben wir Formulare für die Versammlungsbehörde ausgefüllt, Flyer erstellt, ein Banner gemalt, eine Rede geschrieben und uns Sprüche überlegt: ›Wessen Bildung? Unsere Bildung!‹, haben wir gerufen. Oder: ›Zukunft ist kein Nebenfach – Bildung bringt uns auf Zack.‹ Vorher waren wir aufgeregt, ob das alles klappen würde. Es war dann ein krasser Moment, zu sehen, dass 90 bis 100 Leute da waren. Mittlerweile ist die Berufsschule aus unserem Schulgebäude ausgezogen, auch ein paar Sportgeräte gibt es jetzt. Wie viel davon mit unserer Demo zusammenhängt oder was schon vorher geplant war, wissen wir nicht. Aber wir denken, dass wir einen gewissen Druck mit der Demo erzeugt haben.«
DEIN SPIEGEL
Klimakrise, Handyverbot, Wehrpflicht. Junge Menschen sind davon stark betroffen, doch in politische Entscheidungen werden sie selten eingebunden. Warum das ein Problem ist und wie sich fünf Kinder und Jugendliche dennoch einbringen, steht in der neuen Ausgabe von DEIN SPIEGEL, dem Nachrichten-Magazin für Kinder. Außerdem im Heft: Wie Donald Trump die US-Demokratie beschädigt. Und: Biathletin Selina Grotian über ihre Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele. DEIN SPIEGEL gibt es am Kiosk, ausgewählte Artikel online. Erwachsene können das Heft auch hier kaufen:
»Mir hilft es, mich zu engagieren«
Carlotta, 15, aus Siegen engagiert sich im Jugendparlament.
»Krisen überall, Klimawandel … Viele in meinem Alter fühlen sich hoffnungslos. Mir hilft es, mich zu engagieren. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass sich etwas verbessert. Auch wenn es nur im Kleinen ist, etwa funktionierende Waschbecken in der Schule. Deshalb bin ich seit vier Jahren im Jugendparlament unserer Stadt. Das ist eine Art Stadtrat für Jugendliche. Junge Menschen, die noch nicht wählen dürfen, bekommen so eine Stimme. Jedes Jugendparlament ist anders. Bei uns kann man sich alle zwei Jahre wählen lassen. Wer nicht gewählt wird, darf trotzdem mitmachen, nur nicht alles mitentscheiden. Zwei- bis dreimal im Jahr kommen alle 15 bis 20 Mitglieder zusammen. Dazwischen treffen wir uns regelmäßig in Arbeitsgruppen, um Veranstaltungen zu planen. Ich bin seit anderthalb Jahren im Vorstand. Wir kümmern uns um Orga-Kram, planen Treffen oder stoßen Projekte an. Im Durchschnitt verbringe ich etwa vier Stunden pro Woche mit dem JuPa. Unser Ziel ist es, Demokratie zu stärken. Unser letztes Event war unser ›Konzert gegen Rechts‹: Wir haben Bands und Räume organisiert, Zeitpläne erstellt und Social-Media-Werbung gemacht. Ein anderes Projekt war unser Politik-Quiz vor der Bürgermeisterwahl in Siegen. Alle Kandidaten mussten auf einer Bühne Fragen beantworten, ich war Moderatorin. Es fühlte sich toll an, so ein großes Event zu moderieren. Durch das JuPa habe ich gelernt, vor vielen Leuten zu sprechen. Ich finde, Wahlen sollten ab 16 sein. Trotzdem können wir Jugendlichen mit Eltern und Großeltern über Politik reden und erklären, was uns wichtig ist. So haben wir indirekt auch eine Stimme.«
»Wow, ich allein habe es geschafft, so ein Thema zu setzen«
Amelie, 18, aus München hat eine Petition gestartet.
»Bis zur fünften Klasse bin ich immer gern zur Schule gegangen. Dann ging das mit den Exen los. Ex steht für ›extemporale‹. So werden in Bayern unangekündigte Prüfungen genannt. Weil man immer damit rechnen muss, dass in der nächsten Stunde eine Ex ansteht, schwebt bei mir immer eine leichte Panik im Unterricht mit. Ich bin nicht die Einzige, der es so geht. Manche Schülerinnen und Schüler schlafen deswegen schlecht. Vor anderthalb Jahren habe ich eine Petition gestartet, um die Exen abzuschaffen. Eine Petition ist eine Art Bitte, die man bei einer staatlichen Behörde einreicht. Für mich war dieses politische Mittel das richtige, weil man das gut als Einzelperson organisieren kann. Damit die Petition mehr Aufmerksamkeit bekommt, habe ich auf der Petitionsplattform ›WeAct‹ Unterschriften dafür gesammelt. Mit der Zeit interessierten sich einige Medien dafür. Und plötzlich meldete sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder zu Wort. Er unterstellte den Unterzeichnern der Petition und mir, dass wir nichts leisten wollten. Das stimmt nicht, wir wollen ja was leisten. Aber das geht halt besser, wenn man nicht ständig Angst im Unterricht hat. Mich haben Söders Worte jedenfalls motiviert. Ich dachte mir: ›Wow, ich allein habe es geschafft, so ein Thema zu setzen. Jetzt erst recht!‹ Im Frühjahr 2025 habe ich dann mit Mitstreitenden eine Demo organisiert und schließlich die Petition mit über 50.000 Unterschriften dem Bayerischen Landtag übergeben. Leider wurde sie abgewiesen. Wir bekamen das Gefühl vermittelt: ›Ist ja schön, dass ihr euch engagiert, aber das bayerische Schulsystem ist super so, wie es ist.‹ Meine Mitstreitenden und ich wollen nun eine bayernweite Bewegung für bessere Lernbedingungen aufbauen. Kürzlich haben wir den Pudding-mit-der-Gabel-essen-Trend genutzt, um neue Leute auf das Thema aufmerksam zu machen. Für 2026 sind weitere Aktionen geplant. Hoffnung gibt uns Rheinland-Pfalz. Dort wurden vor Kurzem unangekündigte Prüfungen abgeschafft. Vielleicht auch ein bisschen aus dem Grund, dass wir so viel Aufmerksamkeit für dieses Thema geschaffen haben.«
»Ich will mich für die Demokratie einsetzen«
Benedikt, 14, aus Ingolstadt ist Mitglied der Grünen Jugend.
»Als ich vor einigen Jahren begann, Social Media zu nutzen, wurden mir viele rechte Inhalte in meinen Feed gespült. Das machte mir Angst, und ich dachte: Ich will mich für die Demokratie einsetzen. Also las ich mir die Wahlprogramme verschiedener Parteien durch. Am meisten sprachen mich die Grünen an, weil ihnen dieselben Dinge wichtig sind wie mir: Umweltschutz, Frieden und ein gerechtes Schulsystem. Außerdem sind die Grünen die einzige Partei ohne Mindestalter. Jeder darf mitmachen. Deshalb bin ich vor etwa anderthalb Jahren der Grünen Jugend beigetreten, der Jugendorganisation. In den meisten größeren deutschen Städten gibt es eine Ortsgruppe. In unserer sind etwa 60 Mitglieder, alle höchstens 29 Jahre alt. Wer älter ist, muss der richtigen Partei beitreten. Bei meinem ersten Treffen war ich einer der Jüngsten. Aber ich wurde so herzlich aufgenommen, dass das egal war. Inzwischen bin ich politischer Geschäftsführer unserer Gruppe. Wir organisieren regelmäßig Infostände und Demos, zum Beispiel gegen rechte Parteien. Außerdem veranstalten wir mehrere Mitgliedertreffen pro Jahr und einen monatlichen Stammtisch. Dabei treffen wir uns in einem Lokal und sprechen über das, was gerade politisch passiert. Die Ideen, die wir für mehr Klimaschutz haben, sind oft strikter als die der Partei. Aber als die Grünen in der vorigen Regierung waren, wurden unsere Themen teils trotzdem im Bundestag diskutiert. Das war ein verrücktes, tolles Gefühl. Manchmal haben wir so verschiedene Meinungen, dass wir stundenlang diskutieren. Das gehört eben auch zur Demokratie.«
DEIN SPIEGEL
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