SpOn 27.01.2026
16:47 Uhr

Minnesota: US-Bezirksrichter lädt ICE-Behördenchef vor


»Die Geduld des Gerichts ist am Ende«: Der oberste Bezirksrichter des Bundesstaates Minnesota hat ICE-Chef Todd Lyons vorgeladen. Dort soll er erklären, warum seine Behörde Dutzende Gerichtsbeschlüsse ignoriert hat.

Minnesota: US-Bezirksrichter lädt ICE-Behördenchef vor

Es ist ein ungewöhnlicher Schritt: Patrick J. Schiltz, der oberste Bezirksrichter Minnesotas, hat dem Chef der US-Einwanderungsbehörde ICE, Todd Lyons, eine Vorladung in sein Gericht überstellt. Er solle dort am Freitag erklären, warum die ICE wiederholt gegen Dutzende Gerichtsbeschlüsse zu Vollstreckungsmaßnahmen im Bundesstaat verstoßen habe.

»Die Geduld des Gerichts ist am Ende«, schrieb Schiltz in einer Anordnung, aus der die »Washington Post«  zitiert. Er drohte Lyons mit einem möglichen Verfahren wegen Missachtung des Gerichts in mehreren Fällen. Der Vorwurf: Die Einwanderungsbehörde ICE habe inhaftierten Einwanderern keine Anhörungen zur Festsetzung der Kaution gewährt, obwohl Richter in Minneapolis diese angeordnet hatten.

Der Richter räumte ein, es sei außergewöhnlich, den Leiter einer Bundesbehörde mit einer persönlichen Vorladung zu verpflichten. »Aber das Ausmaß der Verstöße der ICE gegen gerichtliche Anordnungen ist ebenfalls außergewöhnlich, und weniger einschneidende Maßnahmen wurden bereits versucht und sind gescheitert«, argumentierte der Richter.

Das Gericht habe sich gegenüber der Behörde geduldig gezeigt, obwohl diese Tausende von ICE-Agenten nach Minnesota entsendet habe, um Menschen festzunehmen, ohne Vorkehrungen für Hunderte von Habeas-Petitionen und Klagen zu treffen, die sicherlich folgen würden, so der Richter.

Habeas-Petitionen sind ein zentrales Rechtsinstrument in den USA, mit dem inhaftierte Personen die Rechtmäßigkeit ihrer Freiheitsentziehung gerichtlich prüfen lassen können. Sie dienen als Schutz vor willkürlicher Verhaftung.

Ob Lyons der Vorladung nachkommt oder Anwälte des Justizministeriums versuchen werden, diese zu blockieren, ist unklar. Das US-Heimatschutzministerium äußerte sich dazu bisher nicht.

Mehr zum Thema

Die Anordnung des Richters erfolgte einen Tag, nachdem Präsident Donald Trump den Grenzbeauftragten Tom Homan angewiesen hatte, die Einwanderungskontrollen seiner Regierung in Minnesota zu übernehmen. Zuvor hatten Angehörige der US-Bundesbehörden bereits zum zweiten Mal in diesem Monat einen Menschen in dem US-Bundesstaat erschossen.

Lesen Sie auch: Wie ist Alex Pretti zu Tode gekommen? Die Darstellung des US-Heimatschutzministeriums weckt Zweifel. In den USA wächst die Empörung, sogar die mächtige Waffenlobby verlangt Aufklärung. 

naw/AP