Nach den tödlichen Schüssen durch einen ICE-Beamten gegen die 37-jährige Renee Good aus Minneapolis hat die Familie der Frau dieselbe Anwaltskanzlei beauftragt, die bereits die Angehörigen von George Floyd vertreten hatte. Good wurde bei einem Einsatz der US-Einwanderungsbehörde erschossen. Ihre Angehörigen werfen den Beamten vor, sie getötet zu haben, obwohl sie deren Anweisungen befolgt habe.
Der Fall weckt Erinnerungen an George Floyd, den 46-Jährigen, der 2020 bei einem brutalen Polizeieinsatz, ebenfalls in Minneapolis, getötet wurde. Sein Tod löste weltweit Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus aus. Nun sehen viele Menschen Parallelen.
Die Kanzlei Romanucci & Blandin teilt mit, die Familie wolle Good als »agent of peace« (zu Deutsch in etwa: friedensstiftende Person) erinnert wissen. Zugleich riefen die Angehörigen dazu auf, den Fall nicht politisch aufzuladen. Die Kanzlei kündigte an, sie untersuche die Hintergründe des Einsatzes und werde in den kommenden Wochen weitere Informationen veröffentlichen.
Die Entscheidung der Familie, die Kanzlei zu beauftragen, fiel in derselben Woche, in der das US-Justizministerium erklärte, es sehe keinen Anlass für eine bundesweite Untersuchung wegen möglicher Bürgerrechtsverletzungen zu den Schüssen. Eine FBI-Ermittlung läuft weiter.
Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump verteidigt den ICE-Beamten, der geschossen hat. Er habe sich in Lebensgefahr befunden, weil Goods Auto auf ihn zugefahren sei. Diese Darstellung stellen Minnesotas Gouverneur Tim Walz, der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, und weitere Politiker infrage. Videoaufnahmen zeigen demnach eine abweichende Dynamik des Geschehens.
Partnerin hält ICE-Vorgehen für unverhältnismäßig
Laut Angehörigen hatten Renee Good und ihre Partnerin Becca Good kurz vor dem Vorfall ihr sechsjähriges Kind zur Schule gebracht. Sie hätten angehalten, um einen Polizeieinsatz im Viertel zu beobachten. Ein Video zeigt Goods roten SUV quer auf der Straße stehend. Die Fahrerin hupt wiederholt.
Dann trifft ein Fahrzeug mit ICE-Einsatzkräften ein. Einer fordert Good auf, die Tür zu öffnen. Sie setzt kurz zurück und lenkt ein, während Becca Good auf der Beifahrerseite versucht, die Tür zu öffnen und ruft: »Fahr, Baby, fahr!« Als der Wagen nach vorn rollt, fallen Schüsse.
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Becca Good nannte in einer Stellungnahme gegenüber Minnesota Public Radio den Einsatz unverhältnismäßig: »Wir hatten Pfeifen. Sie hatten Waffen«, sagte sie. Das Paar habe angehalten, »um unsere Nachbarn zu unterstützen«. Laut Anwälten waren Renee und Becca Good nicht offiziell verheiratet, aber ein festes Paar. Die Kanzlei vertritt nun Becca Good sowie Renee Goods Eltern und Geschwister.
