Ein Richter an einem Bundesbezirksgericht im US-Bundesstaat Texas hat die Abschiebung eines fünfjährigen Jungen aus Ecuador und seines Vaters vorerst untersagt. Die beiden waren vergangene Woche im US-Bundesstaat Minnesota festgenommen worden. Der Fall schlägt derzeit hohe Wellen und verschärft die ohnehin aufgeheizte Debatte über die Migrationspolitik der Regierung von US-Präsident Donald Trump.
Richter Fred Biery ordnete am Montag an, dass Liam Conejo Ramos und sein Vater Adrian Alexander Conejo Arias bis zum Abschluss des laufenden Verfahrens weder abgeschoben noch verlegt werden dürfen. Ein Antrag auf Freilassung war am Samstag eingereicht worden, zeitgleich demonstrierten Dutzende festgehaltene Migrantenfamilien in der Haftanstalt im texanischen Dilley nahe San Antonio, wo auch Vater und Sohn festgehalten werden. Ein Foto des Kindes mit Spiderman-Rucksack und Hasenohrenmütze hatte sich in sozialen Netzwerken verbreitet und Empörung ausgelöst.
Liam Conejo Ramos
Foto: Ali Daniels / APDer demokratische Kongressabgeordnete Joaquin Castro bezeichnete den Fall in einem Facebook-Video als Symbol für die »Monstrosität« des ICE- und Haftsystems. Er kündigte an, gemeinsam mit der Abgeordneten Jasmine Crockett Vater und Sohn am Mittwoch im Haftzentrum besuchen zu wollen. Castro kritisierte es als »unmenschlich«, kleine Kinder dort festzuhalten. Unterstützer verweisen auf Berichte über Krankheiten und unzureichenden Zugang zu medizinischer Versorgung in der Einrichtung.
Streit über Umstände der Festnahme
Wie es zur Festnahme kam, ist umstritten. Nach Angaben von Nachbarn und Schulmitarbeitern sollen Bundesbeamte den Vorschüler als »Köder« benutzt haben: Er habe an der Haustür klopfen sollen, damit die Mutter öffnet. Das Heimatschutzministerium weist diese Darstellung zurück. Demnach sei der Vater zu Fuß geflohen und habe den Jungen in einem laufenden Fahrzeug in der Einfahrt zurückgelassen. In einer Stellungnahme bekräftigte das Ministerium zudem, dass das Kind nicht gezielt festgenommen worden sei.
Bundesbehörden erklärten, der Vater des Jungen sei ohne legalen Status in den USA, nannten jedoch keine weiteren Details. Trumps Vizestabschef Stephen Miller sagte, der Mann sei im Dezember 2024 eingereist. Die Anwältin der Familie hält dagegen: Es gebe einen anhängigen Asylantrag, der den Aufenthalt erlaube. Offen ist zudem der Einwanderungsstatus des Kindes. Sollte Liam nicht legal in den USA sein, könnte er – je nach Konstellation – gemeinsam mit einem oder beiden Elternteilen abgeschoben werden.
Unterdessen haben Bundesbehörden nach Angaben seines Anwalts einen weiteren Ecuadorianer in Texas freigelassen. Das berichtet die Nachrichtenagentur AP. Die Festnahme des Mannes hatte zur Vorladung von ICE-Chef Todd Lyons geführt.
