SpOn 08.01.2026
06:33 Uhr

Minneapolis: Donald Trump verteidigt ICE-Schüsse


Bei einer Razzia der US-Einwanderungsbehörde in Minneapolis ist eine Autofahrerin erschossen worden. Die Tat sorgt in den USA für heftige Reaktionen. US-Präsident Trump und seine Behörde wiegeln ab.

Minneapolis: Donald Trump verteidigt ICE-Schüsse

Ein Beamter der US-Einwanderungs- und Zollbehörde ICE hat in Minneapolis eine Autofahrerin erschossen. Videos deuten darauf hin, dass die Frau vor den Beamten wegfahren wollte, das Heimatschutzministerium behauptet hingegen, die Frau habe versucht, Beamte während des Einsatzes zu überfahren.

Nun hat US-Präsident Donald Trump die Erzählung der Behörde aufgegriffen und den Schützen verteidigt. In einem Beitrag auf seiner Onlineplattform Truth Social erklärte Trump, dass Videoaufnahmen auf Selbstverteidigung deuteten. Zugleich machte er eine »radikale linke Gewalt- und Hass-Bewegung« für die Eskalation verantwortlich, die Sicherheitskräfte und ICE-Beamte täglich bedrohe und angreife.

Stadt Minneapolis widerspricht Trumps Version

Trump schrieb, die Frau habe mit ihrem Fahrzeug einen ICE-Beamten »gewaltsam und vorsätzlich« angegriffen. Der Beamte habe in einer lebensbedrohlichen Situation gehandelt und befinde sich inzwischen zur Erholung im Krankenhaus. US-Heimatschutzministerin Kristi Noem hatte zuvor auf einer Pressekonferenz in Texas ebenfalls von einem »defensiven» Schusswaffeneinsatz zum Schutz der Beamten und Unbeteiligter gesprochen.

Die Aussagen des Präsidenten und des Heimatschutzministeriums stehen im Widerspruch zur Darstellung der Stadt Minneapolis. Der demokratische Bürgermeister Jacob Frey hatte den Einsatz zuvor scharf kritisiert und die Darstellung der Selbstverteidigung nach Sichtung von Videoaufnahmen entschieden zurückgewiesen.

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Auch der Gouverneur des Bundesstaats Minnesota attackiert Trump. »Was wir hier sehen, sind die Folgen einer Regierungsführung, die darauf ausgelegt ist, Angst, Schlagzeilen und Konflikt zu erzeugen«, sagte der Demokrat Tim Walz und ergänzte: »Diese Rücksichtslosigkeit hat heute jemanden das Leben gekostet.«

Ermittlungen zu dem Vorfall laufen.

Das Auto, das die getötete Frau steuerte

Das Auto, das die getötete Frau steuerte

Foto: Tim Evans / REUTERS

Nach Angaben der Polizei befand sich die 37-Jährige in ihrem Fahrzeug und blockierte eine Straße, als sich ein ICE-Beamter zu Fuß näherte. Das Auto setzte sich demnach in Bewegung, woraufhin mindestens zwei Schüsse fielen. Die Frau habe eine Kopfverletzung erlitten und sei im Krankenhaus für tot erklärt worden. Die Tat ereignete sich am Mittwoch in einem Wohngebiet südlich der Innenstadt, wie eine Sprecherin des Heimatschutzministeriums mitteilte.

Die »New York Times« berichtete unter Berufung auf das Büro der demokratischen Senatorin Tina Smith, bei dem Todesopfer handele es sich um die Ehefrau ‌eines prominenten Aktivisten. Laut US-Medien soll es sich um Renee Nicole Macklin Good handeln, eine 37-jährige dreifache Mutter. Sie sei erst kürzlich nach Minnesota gezogen. Mit dem Gesetz sei sie bis auf einen Verkehrsverstoß nicht nie in Konflikt geraten. Ihr Ex-Mann beschreibt sie als friedliebende Christin, die noch nie an Protesten teilgenommen habe.

»ICE raus aus Minnesota!«

Der Vorfall markiert eine Zuspitzung der laufenden Einwanderungskontrollen in mehreren US-Großstädten unter der Regierung von Trump. Die Abschiebebehörde ICE wird immer mehr gestärkt – wie brutale Einsatzvideos das Land erschüttern, lesen Sie hier .

In Minneapolis und der benachbarten Stadt St. Paul sind seit Dienstag mehr als 2000 Beamtinnen und Beamte im Einsatz. Laut Behörden stehen die Razzien auch im Zusammenhang mit Ermittlungen zu mutmaßlichem Sozialbetrug unter Einwohnerinnen und Einwohnern mit somalischer Herkunft. Nach Angaben von Heimatschutzministerin Noem sind bei der Operation in den ersten 24 Stunden bereits mehrere Hundert Menschen festgenommen worden.

Nach dem tödlichen Schuss versammelten sich Dutzende Menschen am Tatort, um gegen die Behörden zu protestieren. Demonstrierende riefen »Schande!« und »ICE raus aus Minnesota!«.

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Minneapolis’ Bürgermeister Jacob Frey warf den Bundesbeamten zuvor vor, in der Stadt Chaos zu verursachen. »Wir stehen fest an der Seite unserer Einwanderer- und Flüchtlingsgemeinschaften«, erklärte Frey in den sozialen Medien. Das betroffene Viertel liegt unweit des Ortes, an dem 2020 George Floyd bei einem Polizeieinsatz getötet wurde.

mrc/dpa/AP/Reuters